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Kränzchen zum Kreis gewunden - Der Kulturkreis

Zum 1993 gegründeten Kulturkreis gehören inzwischen mehr als 70 Interessenten. Die rein private Interessengemeinschaft ist offen für jedermann, der in deutscher Sprache Moskau und seine Umgebung besser kennenlernen möchte.

Die Koordinaten
Tel.: (495) 541 80 80 (Nina Sergejewna)
Das Angebot kann locker mit jedem Reisebüro konkurrieren. Mehr noch - in den Kreml kommt schließlich noch jeder, aber in die Duma und zum KGB nicht. Das ist eben der kleine Unterschied zum kommerziellen Tourismus.

Die deutsche Botschaftsverwaltung hat den Kulturkreis von Beginn an wohlwollend unterstützt. Manchmal öffnet sie die Tür zu russischen Behörden. Ein anderes Mal stellt sie einen Raum im Haus zur Verfügung, wenn es im wörtlichen Sinne eng wird.

Bisher besuchen überwiegend deutsche, aber auch österreichische und schweizer Botschaftsangehörige und Geschäftsleute die Veranstaltungen. Oder Mitglieder im Kulturkreis bringen ihre Gäste aus dem Ausland mit. Dann sind auch mehr Herren dabei. Sogar zwei russische Bürger haben über das Internet den Kulturkreis gefunden. Sie nutzen die Möglichkeit Deutsch zu sprechen und lernen ihre eigene Hauptstadt besser kennen.

Die Deutschlehrerin Swetlana Pelepenko zum Beispiel nimmt jede Woche eine Fahrtzeit auf sich. Sie kommt aus Odinzowo, einem Städtchen südwestlich von Moskau. Sie hat im Kulturkreis neue deutsche und russische Freunde gefunden. Und lud zum Dank den Kulturkreis zu sich aufs Land in ihr großes Haus ein.

Es gibt weder Kassenwart noch Schriftführer oder sonstige Posten zu verteilen, denn der Kulturkreis ist kein Verein. Die Veranstaltungen werden zum Selbstkostenpreis angeboten. Die Teilnehmer zahlen den jeweiligen Eintrittspreis und einen symbolischen Beitrag an die Übersetzerin Nina Sergejewna Semjonowa.

Nina Sergejewna ist eine von zwei Frauen der ersten Sunde. Sie hält ohne Mühe einen zweistündigen Fachvortrag zur Geschichte und Entwicklung der russischen Ikonenmalerei in deutscher Sprache. Von Beruf Deutschlehrerin, war sie in der Abteilung des Außenministeriums für die Betreuung von Ausländern tätig. Dort erhielt sie 1993 den Auftrag, der Ehefrau des deutschen Diplomaten Boomgart Russischunterricht zu erteilen.

Frau Boomgart lernte schnell Russisch, die beiden Frauen freundeten sich an, kamen ins Gespräch. Den Ausschlag für die Gründung eines Kulturkreises gab nicht etwa angebliche Langeweile einer deutschen Hausfrau in Moskau. Frau Boomgart hatte mit ihren kleinen Kindern durchaus genug um die Ohren.

Sie wollte sich nicht damit abfinden, dass viele Landsleute Moskau zu Beginn der neunziger Jahre nur als grau und anstrengend empfanden, weil der Puls so ganz anders schlug als in Deutschland, Österreich oder der Schweiz. Viele Neuankömmlinge sprachen kein Russisch und fühlten sich außerhalb ihrer Wohnung isoliert. Das Alltagsleben verlangte Organisationstalent und Geduld. Auf der anderen Seite war die politsche und wirtschaftliche Lage in Russland nach 1992 sehr angespannt. Viele Moskauer konnten sich zu jener Zeit keine Eintrittskarte ins Theater oder Museum leisten. In den Kulurstätten herrschte gähnende Leere.

Nina Sergejewna war sofort Feuer und Flamme von Frau Boomgarts Idee, einen Kulturkreis für Deutsch Sprechende zu gründen. Der klassische Russischunterricht wuchs sich schnell aus zu Lesungen Theaterbesuchen, Ausflügen an kulturelle und kirchliche Stätten. Fortan standen Tschechow, Ostrowski und Gogol für Anfänger und Fortgeschrittene auf dem Programm. Und siehe da, die Teilnehmer ließen sich nicht abschrecken, erlebten beeindruckende Theaterabende und Exkursionen.

Inzwischen fahren sie ins Sternenstädtchen und die Flugleitzentrale oder ins Atelier zum Bildhauer Surab Zereteli. Und die Frau des deutschen Botschafters von Ploetz nahm bei ihrer Ankunft auf dem Flughafen Scheremetjewo spontan die Einladung zu einem Kochkurs an und stand wenige Tage später mit vielen anderen Kulturkreis-Frauen in einer Moskauer Privat-Küche.
Was der Kulturkreis sonst noch regelmäßig einrührt, ist dem aktuellen Monatsprogramm bei moskau.RU oder der Hauspostille der Deutschen Botschaft in Moskau zu entnehmen. Angebote aus dem Gesamtprogramm können auch außer der Reihe gebucht werden bei Nina Sergejewna Semjonowa.
Um sie am Telefon zu erreichen, braucht es etwas Geduld, denn sie ist fast immer mit deutschen Gästen in Moskau unterwegs.

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