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August Diehl, hier im Film Wir wollten aufs Meer, träumt nicht vom Oscar
August Diehl, hier im Film Wir wollten aufs Meer, träumt nicht vom Oscar
Montag, 10.12.2012

August Diehl: Moskauer Publikum sehr interessiert

Moskau. Schauspieler August Diehl ist einer der gefragtesten Akteure in Deutschland. Beim deutschen Kinofestival in Moskau stellte er seinen neuesten Film vor. Russland-Aktuell führte dabei ein kurzes Interview mit ihm.

R-A: Erst mussten Sie nach dem Film ewig lang den Zuschauern Rede und Antwort stehen, nun müssen Sie auch noch für zahlreiche Erinnerungsfotos posieren. Freut oder nervt das?

Diehl: Bei Festivals ist es klar, dass die Leute zu einem kommen. So soll das auch sein und da genieße ich es auch. Ich bin ja hier, um unseren Film vorzustellen und daher freut mich das Interesse. Ich bin freilich davon überrascht, wie viele Fragen, die Menschen haben. Die Leute hier sind, wie ich schon vor elf Jahren, als ich das erste Mal hier war, gemerkt habe, wahnsinnig interessiert. Das kenne ich von anderen Orten nicht so. Das ist unglaublich.

R-A: Vor elf Jahren waren Sie zum Theaterspielen hier und haben in Tschechows „Die Möwe“ gespielt. Wie kam das?

Diehl: Das Wiener Burgtheater hatte Tschechow auf dem Programm und wir wurden da nach Moskau für ein Gastspiel – drei Vorführungen – eingeladen.

R-A: Was bringt das Moskauer Kinofestival für Ihren Film „Wir wollten aufs Meer“ und für Sie persönlich?

Diehl: Ich hoffe natürlich, dass der Film noch einmal verkauft wird; in Russland oder auch in andere Länder. Es ist ja auch ein Trade-Festival. Festivals sind für mich aber auch dazu da, um zu sehen, wie der Film überhaupt ankommt. Am Theater kriegst du das sofort mit, aber beim Film machst du eine Arbeit und nach einem Jahr läuft der irgendwo und du siehst davon nichts. Und Festivals sind eine Chance, eine Zuschauerreaktion zu erhalten. Und die Fragen, die das Publikum nach dem Film gestellt hat, waren absolut spannend.

R-A: Kommen wir zum Film: Was war die größte Herausforderung dabei für Sie?

Diehl: Die größte Herausforderung war, dass ich die Anfrage eineinhalb Wochen vor Drehstart bekommen habe und daher kaum Zeit hatte, mich vorzubereiten. Das war aber gleichzeitig das Schöne, weil ich so etwas noch nie gemacht habe. Es hat mir gut getan, ins kalte Wasser zu springen. Das hing natürlich auch mit dem Drehbuch zusammen. Ich habe instinktiv sofort verstanden, wie meine Figur zu spielen ist.

R-A: Sie spielen öfter den Antagonisten, der sich nicht eindeutig zuordnen lässt als gut oder böse. Mögen Sie diese Art von Rollen besonders?

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Diehl: Eindeutige Figuren sind unrealistisch. Selbst wenn ich die Antagonistenrolle spiele, versuche ich sie so zu spielen, als wenn ich mich selber als Identifikationsfigur sehe. Ich bin sicher, dass jeder Bösewicht auf der Welt meint, dass er ein Held ist. Niemand steht morgens auf, stellt sich vor den Spiegel und denkt, „Ach, heute werde ich mal wieder intrigieren und etwas böses tun“.

R-A: Sie haben in deutschen und internationalen Filmen wie „Inglourious Basterds“ von Quentin Tarantino und „Salt“ mit Angelina Jolie gespielt. Gibt es Unterschiede in der Qualität beim Dreh?

Diehl: Ich sehe keinen Unterschied, in der Art und Weise, wie gearbeitet wird. Wenn es gut ist, ist es gut, wenn es wenig Leidenschaft hat und routiniert ist, dann ist das Ergebnis weniger gut. Das ist letztendlich in Amerika genau das Gleiche wie in Deutschland. Es gibt die gleichen Probleme: Licht geht weg, Szenen können nicht gedreht werden usw. Nur sind da halt 300 Leute mehr am Set. Jeder hat seine Aufgabe und alle sind sehr professionell, aber das sind sie auch in Deutschland. Unterschiede gibt es in der Machbarkeit eines Projekts, also in der Risikobereitschaft – die ist dort höher.

R-A: Wie sehen Ihre nächsten Projekte aus?

Diehl: Ich werde wieder Theater spielen, ich habe Vorstellungen, will aber noch etwas neues machen in Wien. Dann will ich im Februar noch einen Film in Norwegen drehen. Es gibt noch andere Projekte, aber die sind noch nicht so klar.

R-A: Haben Sie noch ein großes Ziel? Träumen Sie vom Oscar?

Diehl: Nein und ich habe auch nie vom Oscar geträumt. Aber Christoph Waltz hat auch nicht davon geträumt und ihn dann für seine Rolle in „Inglourious Basterds“ bekommen. Ich kann mich noch erinnern, wie ich vor zehn Jahren mit Christoph zusammengespielt habe. Wir hatten beide kleine Rollen und viele Wartezeiten und Christoph hat mir gesagt: „Ich höre auf, ich habe keine Lust mehr.“ Und dann passiert so etwas – das ist ein Märchen. Aber ich bin auch sicher, dass Christoph vielleicht in jungen Jahren vom Oscar geträumt hat und dann lange Zeit nicht mehr. Dass er ihn dann so unverhofft bekommen hat, ist natürlich toll.

Ich arbeite aber nicht auf einen Preis hin. Für mich ist der eigentliche „Oscar“, einen wunderbaren, phantastischen Film zu drehen.


August Diehl Jahrgang 1976, ist aktuell einer der bekanntesten deutschen Schauspieler. Der Durchbruch gelang ihm 1998 mit "23 - Nichts ist so wie es scheint" Weitere Hauptrollen spielte er in "Die kommenden Tage" und "Wer, wenn nicht wir". Sein neuester Film "Wir wollten aufs Meer" lief zur Eröffnung des Deutschen Kinofestivals in Moskau





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