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Alexander Ortenberg ist seit 2005 Generaldirektor von Strabag Russland (Foto: Strabag)
Alexander Ortenberg ist seit 2005 Generaldirektor von Strabag Russland (Foto: Strabag)
Mittwoch, 29.10.2008

Baubranche: „Die Krise stärkt die Position der Großen“

Moskau. Die Immobilienpreise bröckeln. Experten sagen eine Krise für die Baubranche voraus. Doch Alexander Ortenberg, Generaldirektor von Strabag Russland, ist optimistisch.
Das Interview führte André Ballin.


R-A: Was sind die wichtigsten Russland-Projekte von Strabag in Gegenwart und der näheren Zukunft?

Ortenberg: Strabag baut derzeit in Moskau u.a. das Hotel Moskwa, daneben zahlreiche größere Wohn- und Bürokomplexe. Zudem bauen wir noch zwei Metallurgie-Kombinate in Tjumen und Wyksa und in St. Petersburg das Hotel „Four Seasons“. Insgesamt sind es in Russland 48 Objekte, viele kleinere und mittlere Wohn- und Bürogebäude zwischen 10.000 – 40.000 qm. Strabag hat über 40 Auftraggeber. Die meisten Verträge laufen nach dem Schema „Cost+Fee“. Das erlaubt Strabag 8 – 9 Prozent Gewinn.

R-A: Von der Finanzkrise sind viele Bauprojekte in Russland betroffen. Angeblich soll Strabag Projekte für 150 Mio. USD eingefroren haben. Wie schwer beeinträchtigt die Krise Strabags Tätigkeit in Russland?

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Ortenberg: Das ist ein Missverständnis. Strabag schätzt lediglich, dass es bei einem Gesamtportfolio von 3,5 Milliarden USD bei Projekten im Wert von 100 – 150 Mio. USD zum Stopp kommen könnte Noch wurde aber kein Vertrag gekündigt. Im Gegenteil, im August und September wurden drei große Verträge über den Bau von Wohnhäusern der Business- und Luxusklasse abgeschlossen. Durch die bestehenden Verträge ist Strabag für die nächsten 2 – 3 Jahre mit Arbeit abgedeckt. Daher werden weitere Verträge nur noch unterzeichnet, wenn sie besonders lukrativ sind für Strabag. Die Krise sorgt sogar dafür, dass Strabag seinen Vorsprung gegenüber russischen Konkurrenten ausbaut, da Strabag sicherer ist und keine Kreditschulden hat.

R-A: Wie wird sich die Finanzkrise auf den Moskauer Immobilienmarkt auswirken?

Ortenberg: Die Preise werden erst aufhören zu steigen und dann langsam sinken. Wegen des leicht nachlassenden Baubooms werden sie Ende 2009 erneut steigen. Die Nachfrage nach Wohnraum und Büros in Moskau ist nicht einmal zur Hälfte gedeckt. Darum droht Moskau auch kein Einbruch der Immobilienpreise. Developer, die bisher 50 – 70 Prozent Gewinn hatten, werden sich aber mit 15 – 30 Prozent Marge anfreunden müssen. Der Abstand zwischen Baukosten in Höhe von 1.200 – 1.500 USD pro Quadratmeter und Verkaufspreisen von 8.000 – 10.000 USD und bei Elitewohnungen sogar bis zu 30.000 USD pro Quadratmeter war zu groß.

R-A: Wie wird der Bausektor auf die Finanzkrise reagieren? Ist mit Massenentlassungen zu rechnen?

Ortenberg: Am härtesten trifft es Bautrupps von Developer-Firmen. Viele Developer haben bisher mit eigenen Subunternehmen gebaut. Nun werden sie – Beispiel PIK – professionelle Baufirmen wie Strabag beauftragen. Viele Bautrupps werden aufgelöst Massive Arbeitsplatz- und Gehaltskürzungen stehen in den Firmen bevor. Kleine Baufirmen stehen auch vor großen Problemen. Die Großen aber stärken ihre Marktposition. Die Kosten werden fallen, da Baumaterialien und Subunternehmen billiger werden und die Gehälter im Bausektor sinken.

R-A: Wann ist mit einer Erholung des Sektors zu rechnen?

Ortenberg: Ende 2009/Anfang 2010 wird es wieder mehr Aufträge geben.


Zur Person: Alexander Ortenberg, geboren 1966 in Moskau. Abschluss des Moskauer Instituts für Verkehrsbau; seit 1988 in der Baubranche tätig, seit 2001 für Strabag, zunächst als technischer Direktor, seit 2005 als Generaldirektor Russland.



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Auf einem Relief im Giebel der Petersburger Isaakskathedrale hat sich der Baumeister des Gotteshauses selbst verewigt: Herr Montferrand hält sein monumentales Werk zärtlich im Arm. (Topfoto: Brammerloh/.rufo)






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