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Es ist ein harter und spannender Job, sagt Boris Nemsic über seine Arbeit (Foto: Ballin/.rufo)
Es ist ein harter und spannender Job, sagt Boris Nemsic über seine Arbeit (Foto: Ballin/.rufo)
Freitag, 04.06.2010

Boris Nemsic: „Die Geschäftswelt hier ist brutaler“

Moskau. Seit gut einem Jahr steht der frühere Telekom Austria Chef Boris Nemsic dem russischen Mobilfunkgiganten Vimpelcom vor. Der Österreicher spricht über den Arbeitsalltag in Russland, Chancen und Visionen.

Russland-Aktuell:: Seit etwas mehr als einem Jahr sind Sie bei Vimpelcom tätig. Was haben Sie erreicht?

Boris Nemsic: Ich bin am Höhepunkt der schwersten Wirtschaftskrise seit 70 Jahren eingestiegen. Diese zu meistern, hatte daher Priorität. Wir hatten einen „normalen“ Schuldenstand, der aber wegen des schnell fallenden Rubels und sinkender Nachfrage als besonders gefaehrlich empfunden wurde, das war eine Herausforderung. Die Cashflow-Probleme haben wir bravourös gemeistert - nicht nur besser als jeder erwartet hat, sondern mit einem der besten Konzernergebnisse überhaupt.

R-A: Wodurch war das Jahr noch geprägt?

Nemsic: Die zweite Herausforderung bestand in der Integration von Festnetz und Mobilfunk. Vimpelcom hat Golden Telekom Ende Februar 2008 übernommen. Zunächst wurden die einfachen Schritte gemacht, dann kam die harte Arbeit. Die fiel nun mit der Krise zusammen, wodurch viele Werkzeuge abhanden kamen. Diese Aufgabe musste quasi neugestartet werden. Inzwischen ist sie größtenteils erledigt.

Die dritte Aufgabe war der parallele Neuaufbau von Netzen in Vietnam und Kambodscha. Das war geografisch, kulturell und sprachlich völliges Neuland. Alle drei Aufgaben wurden zufriedenstellend erledigt. Doch das ist Vergangenheit. Keiner denkt mehr ans Krisenjahr. Jetzt gibt es neue Ziele.
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R-A: Haben Sie durch das gute Ergebnis die Planke für sich selbst nicht sehr hoch gelegt?

Nemsic: Hier ist die Geschäftswelt ein bisschen brutaler als in Europa. Egal, wie gut das Ergebnis war, man denkt immer, es hätte besser sein können. Man muss immer das Maximum herausholen.
R-A: Welche Aufgabe steht nun an?

Nemsic: Wir haben im vierten Quartal die Fusion mit Kyivstar begonnen. Das wird das Geschäftsjahr stark prägen. Die Vimpelcom ist eine neue Vimpelcom geworden, einerseits durch die Verlagerung des Finanz-Headquarters nach Amsterdam, andererseits sind wir durch die Hereinnahme von Kyivstar um 22 Prozent gewachsen.

Dabei sind wir erst am Beginn. Wir haben ein sehr gutes Echo von den Aktionären bekommen: 98 Prozent haben die Übernahmeofferte akzeptiert. Die Strategie, die wir vorgelegt haben, wurde von den Märkten akzeptiert.
In Russland gibt es klare Hierarchien - und Nemsic ist Vorstandschef bei Beeline-Anbieter Vimpelcom (Foto: Vimpelcom)
In Russland gibt es klare Hierarchien - und Nemsic ist Vorstandschef bei Beeline-Anbieter Vimpelcom (Foto: Vimpelcom)
R-A: Sie haben gesagt, das Geschäft in Russland sei brutaler. Was ist der Unterschied beim Arbeiten in Russland und Österreich?

Nemsic: Hier geht es viel schneller. Entscheidungen werden viel schneller umgesetzt. Die Arbeit ist hierarchischer strukturiert. Als Manager muss man der Sache mehr im Detail nachgehen. Wo man in Österreich eine Anweisung gibt, muss man hier fünfmal nachkontrollieren.

Das hat gute und schlechte Seiten. Die Leute hier sind in der Ausführung perfekt, wenn sie konkrete Anweisungen haben.
R-A: Können Sie einen normalen Arbeitstag beschreiben?

Nemsic: Ich beginne relativ früh. Um acht, halb neun bin ich im Büro, was für russische Verhältnisse sehr früh ist. So umgehe ich die Staus in Moskau. Ab neun Uhr ist der Tag vollgetaktet durch Meetings. Im Büro bleibe ich bis mindestens 20 Uhr.

Es ist eigentlich für einen CEO untypisch bis zu 14 Stunden täglich zu arbeiten, aber durch die vielen Auslandsreisen, die neun Zeitzonen in Russland oder die zehn operations, die wir betreiben, ist es nötig, Präsenz zu zeigen. Viele Sachen müssen neu aufgesetzt werden. Das verlangt die Präsenz des Managements. Es ist eine spannende und harte Arbeit.
R-A: Kommen Sie da überhaupt noch zu Ihren Hobbys, z.B. Handball?

Nemsic: Handball mache ich schon lange nicht mehr, da muss man jünger und fitter sein. Ich schaffe es, hin und wieder ins Gym und ab und zu gehe ich auch zu Konzerten. Das Angebot ist riesig in Moskau. Von Klassik bis hin zu den Weltstars wird alles geboten.
R-A: Wie wollen Sie Vimpelcom in den nächsten fünf bis zehn Jahren zu gestalten?

Nemsic: Niemand in Russland setzt so einen langen Planungszeitraum. Mein Vertrag gilt drei Jahre, die Hälfte ist fast schon um. Die Wechsel hier sind schnell. Heute gibt es eine Aufgabe, morgen eine andere. Die Entwicklung ist dynamischer als in Österreich, speziell im Telekomsektor.
R-A: Aber Sie haben sicher eine Vision, wie Vimpelcom in fünf bis zehn Jahren aussehen könnte?

Nemsic: Vimpelcoms große Chance ist Breitbandinternet. Wir haben alle „Zutaten“, um eine Breitband-Company zu werden. Wir verfügen nicht nur über ein Mobilnetz, sondern auch über eines der weltweit besten Fiberoptik-Netze.

Wir haben schon acht Millionen Haushalte mit einer Geschwindigkeit von 100 Megabit pro Sekunde erschlossen. Solche Netze gibt es in Europa nicht. In Russland haben wir die Chance, die Gesellschaft schnell und effizient ans Internet anzuschließen.
R-A: Welche Märkte neben der GUS sind für Sie noch interessant?

Nemsic: Wir wollen das Cluster in Südostasien weiter ausbauen mit dem Ziel ein global player zu werden. Ich gehe davon aus, dass es im Telekomsektor in den nächsten Jahren zu einer weiteren Konsolidierung kommt. Wir rüsten uns dafür. Wir wollen groß und attraktiv sein, wenn es zu weiteren Fusionen in dem Sektor kommt.

R-A: Vielen Dank für das Interview!




Vimpelcom ist unter dem Label Beeline einer der drei großen Mobilfunkanbieter Russlands. Derzeit hat der Konzern mehr als 50 Millionen Kunden in Russland. Aktiv ist das Unternehmen zudem noch in der GUS und seit vergangenem Jahr in Südostasien.


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awstriski 10.06.2010 - 14:28

österreich als schlüsselland.

das alpenparadies als drehscheibe der wirtschaft und insel der glückseligen. bezeichnend auch der artikel über Lukaschenkos Alpenurlaub.


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Da kommt mal wieder Freude auf: wer immer noch versucht, mit dem Auto zur Arbeit zu kommen, sollte die Thermoskanne und einen Stullenvorrat mitnehmen. ( Topfoto: zr/.rufo)




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