Zum Grünkohl gibt es traditionell den so genannten Pinkel (geräucherte Grützwurst) und Kartoffeln (Foto: Kohl & Pinkel Buch)
Mittwoch, 31.01.2007
Bremer organisiert Kohlfahrt in Moskau
Moskau. Was in Norddeutschland lange Tradition hat, soll nun auch in Moskau eingeführt werden. Am 24. Februar findet die wohl erste Kohlfahrt in der Geschichte Moskaus statt. Wer mitmachen will, ist herzlich eingeladen.
Wissen Sie, was eine Kohl- und Pinkelfahrt ist? Die Tradition entstand im 19. Jahrhundert, ursprünglich unter den etwas wohlhabenderen Geschäftsleuten im Bremer und Oldenburger Raum. Sie setzten sich im Winter nach dem ersten Frost in ihre Pferdegespanne und fuhren mehrere Landgasthäuser der Umgebung ab, um dort Grünkohl zu essen.
Natürlich kam dabei auch der Alkohol nicht zu kurz. Der feuchtfröhliche Ausflug - später dann in der modifizierten Variante mit Kohl am Schirm und Bollerwagen im Schlepptau – erfreut sich bis heute großer Beliebtheit in Norddeutschland.
Expansion der Kohlfahrt nach Moskau
Nun wollen die Kohlfahrer auch Moskau erobern. Der Organisator, Dietmar Ertelt aus Bremen, erklärt, die Idee sei ihm gekommen, weil er sich für gutes Essen und guten Wein interessiere. „Das Klima in Norddeutschland und Russland ist ähnlich. Es ist ziemlich kalt im Winter und da kann man was zum Aufwärmen gut gebrauchen. Ich koche sehr gern und will das einfach mal ausprobieren“, sagte er zu Russland-Aktuell.
Diese Teilnehmner haben offensichtlich ihren Spaß bei der Kohlwanderung (Foto: Das Kohl & Pinkel Buch)
Dass er auf Vorbehalte in Russland stoßen könne, glaubt der Besitzer einer Handelsfirma nicht. „Es gibt viele Russen, die das in Bremen mit Begeisterung gemacht haben“, weiß der Unternehmer, der 1991 das erste Mal nach Russland kam, um ein Sechs-Tage-Rennen zu organisieren. Seit seiner Heirat mit einer Moskauerin drei Jahre später hat er praktisch ständigen Kontakt mit Russland.
Kohlfahrer treffen sich am 24. Februar
Anmeldung
Wer mitmachen will, sollte sich bis zum 12. Februar bei Dietmar Ertelt unter dljadruzej@inbox.ru oder wtibremen@aol.com bzw. per Telefon 49-421-704211 anmelden. Der Unkostenbeitrag liegt bei 30 Euro pro Person. Essen und Schnaps sind inklusive. Alle Getränke darüber hinaus werden individuell abgerechnet.
Natürlich richtet sich die Aktion vor allem an die in Moskau lebende deutschsprachige Gemeinde. Die Liebhaber der Kohlfahrt treffen sich am 24. Februar um 14:30 Uhr am Haupteingang des Ismailowski-Park gegenüber der Metrostation „Partisanskaja“ zur traditionellen Kohlwanderung – für Getränke und Unterhaltung während des Spaziergangs ist gesorgt. Die Wanderung endet dann gegen 17 Uhr im „Kohllokal Maroshaus“, wo es Grünkohl mit Pinkel (geräucherte Grützwurst) sowie Hochzeitssuppe und Rote Grütze gibt.
Am Abend wird dann bei Musik und guter Stimmung auch die Wahl des Kohlkönigs und der Kohlkönigin stattfinden. „Früher war es so: Wer am meisten gefuttert hatte, wurde Kohlkönig. Damals wurde das noch mit einer Waage vor und nach der Kohlwanderung ausgemessen. Wer am meisten zugelegt hatte, wurde zum Kohlkönig gekürt und musste die nächste Kohlfahrt organisieren“, erklärt Ertelt den alten Brauch. Doch er versichert, dass es diesmal weder ein Wiegen noch weitergehende Verpflichtungen im Zusammenhang mit der Wahl der Königspaares geben werde.
Und vielleicht entwickelt sich ja aus der Freizeitinitiative eines Bremer Enthusiasten bald eine lebendige Moskauer Tradition. Dietmar Ertelt würde es freuen.
(ab/.rufo)
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