Montag, 20.06.2011

Deutsche Firmen gehen mehr in die russischen Regionen

Bei der Präsentation der AHK-Stdie in Moskau (Foto: Wiedemann/.rufo)
Moskau. Eine Studie der deutsch-russischen AHK zeigt Vorlieben und Änderungen im Investitionsverhalten deutscher Unternehmen in Russland. Der Trend geht weg vom Zentrum, hin zu den Regionen. Kaluga ist der Spitzenreiter im Investitionsranking.
Der Wolgabezirk von Samara und Saratow bis Wolgograd, der Nordwesten um St.Petersburg, aber auch Twer und Tatarstan holen auf. Moskau rangiert auf Platz zwölf.

Im Jahre 2010 befragte die AHK 120 deutsche Firmen in 65 Regionen des Landes zur Attraktivität von Investitionsstandorten und der Konkurrenzfähigkeit der Regionen bei der Suche nach Investoren.

Rund 70 Prozent der Befragten werden ihre Tätigkeit in den Regionen ausbauen, das gilt für alle Wirtschaftsbereiche (Dienstleistungen sind mit 42 Prozent, Absatz ist mit 39 Prozent, Handel mit 23 Prozent und die Produktion vor Ort mit 26 Prozent vertreten). Ab 2012 wollen die Produktionsbetriebe in den Regionen wieder weiter investieren, dabei werden zwei Drittel der Mittel in den Ausbau bestehender Betriebe eingesetzt.

Auswahlkriterien für Standortbestimmung


Die deutschen Unternehmen wählen ihre Standorte unter anderem nach dem wirtschaftlichen Potential, der bestehenden Infrastruktur, der IT-Infrastruktur und der Qualität der Telekommunikation, dem Vorhandensein und der Zugänglichkeit von Energiequellen, der Zusammenarbeit mit Geschäftspartnern und der Möglichkeit, auf qualifizierte Fachkräfte zugreifen zu können, den Rohstoffquellen und der Kompetenz der regionalen Aministration aus.

Das Verhältnis zur Administration spielt dabei im Gegensatz zu früher eine eher unter geordnete Rolle. Die Unternehmen sind keine Bittsteller, die die Gouverneure um die Möglichkeit der Niederlassung in den Gebieten ersuchen. Sie bringen Geld, schaffen Arbeitsplätze und zahlen Steuern.

Die Investoren machen auch teilweise noch die Hausaufgaben des Staates, indem sie Bildungseinrichtungen schaffen, in denen sie Fachkräfte ausbilden. Diese können dann auch in anderen Unternehmen Arbeit suchen.

Die Firma Knauf Russland hat zum Beispiel 17 Bildungszentren gegründet, in denen bisher 55 Tausend Facharbeiter ausgebildet wurden, die höchsten Ansprüchen genügen.

Es gehört keineswegs zu den Aufgaben der Investoren, das Straßen- und Eisenbahnnetz auszubauen und zu sanieren. Schlechte und fehlende Verkehrsverbindungen zählen zu den Hemmschuhen bei der Standortwahl.

Freihandelszonen verzerren die Konkurrenz


Freihandelszonen zählen für viele deutsche Firmen, auch für Knauf und Bosch, nicht zu den bevorzugten Standorten.

Durch Steuervergünstigungen und andere Vorteile kommt es zu Verzerrungen der Konkurrenz, zu Löchern im Haushalt und daraus resultierenden höheren Belastungen für Firmen außerhalb dieser Zonen.

Dr. Lenga von "Knauf RF und GUS" und Herr Schlegel von der Boschgruppe Russland und GUS äußerten sich zu diesem Punkt einhellig und konsequent. Sie bemängelten auch den Mangel an qualitativ hochwertigen Zulieferern, der Investitionen behindert. Produktion vor Ort macht nur Sinn, wenn die Zubehörteile auch im Land produziert werden.

Um in Russland produzierte Zubehörteile, und das ist nach Meinung der beiden Vertreter der nächste Schritt, an andere Partner exportieren zu können, bedarf es einer Revision des recht unflexiblen Zollregimes.

Qualitätsprodukte aus Russland haben noch keine Lobby


Die deutschen Unternehmen in Russland sind ja im Prinzip russische Firmen oder Firmen nach russischem Recht mit deutschem Kapital. Die Produkte aber sind außerhalb Russlands schwer direkt zu verkaufen, es werden Zwischenhändler eingeschaltet, weil das Vertrauen in Qualitätsprodukte aus Russland noch sehr gering ist.

... zu Unrecht


Knauf hatte unter allen seinen Produktionsbetrieben weltweit einen Qualitätswettbewerb ausgeschrieben. Ein ukrainischer Betrieb gewann den Wettbewerb bei Rigipsplatten, eine russische Firma bei Trockengemischen.

Der Beweis ist erbracht, es wird aber noch eine Weile dauern, bis das aus den Köpfen verschwindet, dass in Russland nur gepfuscht wird.

Der Spruch: „Hütet Euch vor schönen Fraun und vor Autos, die die Russen baun“ sitzt fest.