Freitag, 23.03.2012

Deutscher rast mit Range Rover: eine Tote in Moskau

Ein schwarzer Range Rover ist das Prestige-Auto schlechthin in Russland. Leider glauben manche Fahrer, ihnen sei dann auch alles erlaubt auf den Straßen (Foto: avtoindex.com)
Moskau. Ein deutscher Staatsbürger hat heute früh im Moskauer Zentrum einen tödlichen Autounfall verursacht: Er fegte mit seinem Geländewagen einen Lada geradezu von der Straße. Anschließend wollte er fliehen.
... so zumindest waren die ersten Meldungen. Später stellte sich heraus, dass der Fahrer doch nicht Deutscher, sondern russischer Staatsbürger war.

Der Unfall ereignete sich heute morgen gegen 6 Uhr: Ein schwarzer Range Rover raste über die 1. Twerskaja Jamskaja stadtauswärts. Dabei rammte er einen in der gleichen Richtung fahrenden Lada 2110, der durch den Aufprall auf den Gehweg geschleudert wurde. Das Auto kollidierte dort mit einer Bushaltestelle und knallte gegen die Hauswand einer Bank.

Opfer mussten aus Lada herausgeschnitten werden


In dem Lada aus dem Gebiet Pensa saßen drei oder vier Personen. Die Beifahrerin, eine junge Frau, wurde getötet, der Fahrer und eine weitere Insassin kamen mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus. Um die Unfallopfer zu bergen, musste der Katastrophenschutz das Dach des völlig zertrümmerten Autos abschneiden.

Nach Zeugenaussagen jagte der Geländewagen „mit etwa 200 Kilometern pro Stunde“ über die innerstädtische Magistrale. Am Steuer saß ein 24 Jahre alter Deutscher – nach Polizeiangaben wurde er auf dem Gebiet der ehemaligen UdSSR geboren.

Drei Deutsche im Range Rover blieben unverletzt - und fluchtfähig


Er und seine zwei Mitfahrer, ebenfalls deutsche Staatsbürger, wurden festgenommen. Sie blieben – wohl dank der zahlreichen Airbags in dem Nobel-Auto - unverletzt.

Die drei Deutschen hatten nach dem Unfall versucht, sich zu Fuß von der Unfallstelle abzusetzen. Einer von ihnen wurde eine Station weiter von der Polizei aus einem Trolleybus geholt.

Darüber, ob der Fahrer der angeblich aus einer Bar kommenden Gruppe alkoholisiert war, wurde noch nicht berichtet. Auch blieb bisher offen, ob das Auto dem jungen Mann gehörte.

2008 in Moskau: Deutscher Lehrer mit Porsche überfährt Fußgänger


Im November 2008 hatte sich in Moskau ein ähnlicher Unfall ereignet: Ein Lehrer der Deutschen Schule überfuhr mit einem Porsche Cayenne zwei junge Männer, die auf einem Zebrastreifen die Straße überquerten. Dank seines Diplomatenpasses konnte er in Russland nicht strafrechtlich belangt werden.

Er wurde später in Deutschland wegen fahrlässiger Tötung verurteilt, wobei Russland die „milde Strafe“ vehement kritisierte. Außerdem zahlte der Deutschlehrer insgesamt 65.000 Euro Schmerzensgeld an die Hinterbliebenen.

Nach neuen Meldungen ist der Unfallfahrer (anders als seine beiden Passagiere) doch kein deutscher Staatsbürger - sondern ein Russe mit Führerscheinsperre. Er muss jetzt damit rechnen, bis zu fünf Jahre in einer russischen Strafkolonie verbüßen zu müssen.