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Dienstag, 16.10.2007
Goethe-Institut: Menschenrechte sind strittiges Thema
Moskau. Johannes Ebert leitet seit gut sechs Monaten das Moskauer Goethe-Institut. Russland-Aktuell unterhielt sich mit ihm. In Teil II des Gesprächs geht es auch um Kulturarbeit und Menschenrechte.
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R-A: Das Goethe-Institut in Moskau wird jetzt 15 Jahre alt. Planen Sie zum Jubiläum bestimmte Veranstaltungen?
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Ebert: Vielleicht hätten wir das machen sollen. Aber in Deutschland sind 15 Jahre jetzt nicht unbedingt so ein riesiges Jubiläum. Feiert man in Russland 15 Jahre?
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R-A: Man feiert eigentlich bei jeder Gelegenheit.
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Ebert: Vielleicht sollten wir uns das mal überlegen – jedes Jahr eine Jubiläumsfeier. Nein, aber im Ernst: Das Goethe-Institut arbeitet mit einer Strategie. Danach stellen wir unser Programm zusammen. Innerhalb der Strategie gibt es dann wiederum größere Themen. Ein Thema heißt derzeit zum Beispiel „Jugendwelten“. Was uns stark interessiert, ist die Thematik „Europa“. Wie sieht das Verhältnis von Russland zur Europäischen Union aus – auch im Kulturbereich?
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R-A: Die Strategie gilt speziell für Russland?
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Ebert: Es gibt eine übergeordnete Strategie für das gesamte Goethe-Institut. Und dann legen die Regionen eigene Strategien fest. Und diese richten sich natürlich daran aus, was für beide Kulturkreise wichtig ist.
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R-A: Sie waren zuvor auch in Nahost und Nordafrika tätig. Wenn Sie vergleichen: Welche Anforderungen wurden dort an die Kulturarbeit gestellt und welche Anforderungen gibt es hier für die Kulturarbeit?
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Ebert: In Nahost und Nordafrika habe ich ein paar Monate nach dem elften September 2001 angefangen. In dieser Zeit hat die Region für die Bundesrepublik eine vollkommen andere Bedeutung bekommen. Man hat damals gesehen, dass man politisch nicht richtig weiter kommt. In dieser Situation hat man gesagt: Wir müssen mehr auf Austausch setzen, auf Kulturaustausch, auf Bildungsangebote.
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Das war für uns eine große Herausforderung, über unser normales Programm hinaus Dinge zu tun, die eine Annäherung erlaubten. Wir haben beispielsweise sehr viel mit Jugend-NGOs gearbeitet. Oder wir haben ein zweisprachiges Internetportal für junge Deutsche und junge Araber aufgebaut.
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R-A: Sie müssen Ihr Programm also doch an der jeweiligen politischen Situation orientieren, auch wenn das Goethe-Institut unabhängig ist.
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Ebert: Ja, klar. Wir machen ja kein zentrales, fertiges Paket. Sondern wir kommen irgendwo hin und erkunden, was wir im kulturellen und im gesellschaftlichen Bereich beitragen können. Und wir haben natürlich auch einen eigenen Standpunkt, der in einer deutschen und europäischen Wertehaltung begründet ist.
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Um jetzt zu Russland zu kommen: Ein Faktor, der unsere Arbeit beeinflusst, so glaube ich, ist ein großes Interesse an und auch eine verbreitete Sympathie für Deutschland. Es gibt gewisse Erwartungen, auf die wir reagieren.
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Es gibt aber auch Fragen, zu denen es unterschiedliche Ansichten gibt. Das sind auch Themen für uns.
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R-A: Über welche Fragen herrschen unterschiedliche Ansichten?
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Ebert: Beispielsweise gibt es unterschiedliche Auffassungen zu den Menschenrechten oder zu demokratischen Werten. Ich weiß noch nicht, wie und ob wir das angehen. Aber das ist eine Fragestellung.
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R-A: Wird das Thema Menschenrechte im Zusammenhang mit Russland nicht ein bisschen hoch gehängt vom Westen?
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| Das Goethe-Institut |
Das Goethe-Institut ist das weltweit tätige Kulturinstitut der Bundesrepublik Deutschland.
Der unabhängige Verein hat einen Rahmenvertrag mit dem Deutschen Außenministerium. Er fördert die Kenntnis der deutschen Sprache im Ausland und die internationale kulturelle Zusammenarbeit.
Das Goethe-Institut unterhält weltweit Goethe-Institute, Goethe-Zentren, Kulturgesellschaften, Lesesäle sowie Prüfungs- und Sprachlernzentren.
Das Moskauer Goethe-Institut ist für die Sprach- und Kulturarbeit in Russland und den GUS-Staaten zuständig.
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Ebert: Wir sehen dieses Thema als Teil einer gesellschaftlichen Diskussion, die auch im Kulturbereich geführt wird im Rahmen einer allgemeinen Wertediskussion. Deshalb überlegen wir derzeit über mögliche Ansatzpunkte für Programme zum Verständnis von gesellschaftlichen Werten und Prozessen im Osten wie im Westen.
In diesem Zusammenhang steht auch ein anderes wichtiges Thema wie der Umgang von Gesellschaften mit fremden Kulturen oder Migration, das sowohl in Deutschland als auch in Russland hochaktuell ist. Als Kulturinstitut kann man so ein Thema zum Beispiel angehen, indem man fragt:
Welcher Reichtum kommt eigentlich durch die andere Kultur ins Land? Wie bereichern beispielsweise Künstler türkischer Herkunft die deutsche Kultur, kaukasische und zentralasiatische Kulturschaffende die russische? Der deutschtürkische Regisseur Fatih Akin hat zum Beispiel den Goldenen Bär auf der Berlinale gewonnen, sein neuester Film ist für einen Oskar nominiert.
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Eine konstruktive Diskussion darüber, dass unsere modernen Gesellschaften auch Probleme im Umgang mit „dem Fremden“ haben, ergibt sich dann wie von selbst.
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Ich glaube, dass man über Kultur auf einer ganz anderen Ebene das Bewusstsein von einer Problematik erzeugt, als über eine direkte politische Debatte mit erhobenem Zeigefinger.
Die Fragen stellten Anna Kurizina und Christian Jahn.
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