Dienstag, 05.02.2013

Russische Touristen klagen über deutsches Visazentrum

Noch hakt es mit der Auslagerung der Visaannahmestelle aus dem deutschen Konsulat (Foto: Plath/.rufo)
Moskau. Mächtiger Ärger um das neue deutsche Visazentrum in Moskau: Schlechte Organisation und Unzuverlässigkeit wirft ihm der russische Touristenverband vor. Die Schlangen werden immer länger, mehrere Reisen sind geplatzt.
Alles sollte einfacher werden. Mitte Januar hat die deutsche Botschaft „die Annahme der Visumanträge an einen Dienstleister ausgelagert“, schreibt die diplomatische Vertretung auf ihrer eigenen Webseite. Das „Outsourcing“ sollte die chronisch langen Schlangen vor dem deutschen Konsulat verkleinern.

Keine Schlangen mehr – theoretisch


Für 17,50 Euro „Komfortgebühr“ sollten Reisende ihre Anträge ohne persönliche Vorsprache und ohne lange Wartezeiten auf einen Termin stellen können. Die Anträge sollten einfach im Annahmezentrum abgegeben werden (auch durch einen Bevollmächtigten möglich) abgegeben und dann an die Visastelle des Generalkonsulats weitergeleitet werden. Die Termine für die Abgabe sollten per Telefon oder Internet vergeben werden. So weit die Theorie.

Denn in der Praxis arbeite das neue Vergabesystem keineswegs schnell und unkompliziert, kritisierte die Sprecherin des russischen Touristenverbands Irina Tjurina. Die Abgabe der Dokumente ohne vorherige Anmeldung sei – obwohl vorgesehen – noch nicht möglich. „Doch wenn man sich nach Eröffnung des Visazentrums immerhin noch einen Termin für die nächste Woche holen konnte, so erhöht sich die Wartezeit mit jedem Tag. Am vergangenen Montag konnte man sich erst für den 28. Februar einen Termin holen“, klagte sie.

Mehrere Reisen nach Deutschland geplatzt


Auf diese Weise seien mehrere bereits gebuchte Reisen nach Deutschland geplatzt, führte Tjurina aus. Zur Höhe des Schadens machte sie keine Angaben.

Ihren Worten nach liegt das Problem darin, dass Individualreisende und Reisebüros nun in einer Schlange stehen. Der Tourismusverband fordert daher – drei Wochen nach der Eröffnung des privaten Annahmezentrums – die Rückkehr zum alten System, bei dem die Reisebüros am Konsulat akkreditiert waren.

Das deutsche Konsulat in Moskau konnte auf Anfrage von Russland-Aktuell am Dienstag keinen Kommentar zu der Neuregelung abgeben. „Alle Verantwortlichen sind heute außer Haus“, hieß es lediglich.