Bei der Diskussion im Kempinski-Hotel ging es vor allem um Fragen der Rechtssicherheit in Russland (Foto: Jahn/.rufo)
Freitag, 15.09.2006
Schwaben-Forum: Schokolade gegen Rechtsprobleme
Moskau. Mit großer Delegation ist der baden-württembergische Landesvater Günther Oettinger nach Moskau angereist. Beim Unternehmerforum im Hotel Kempinski diskutierten Politiker und Manager über Investitionen in Russland.
Schwaben stehen im Ruf fleißig und sparsam zu sein. Diese Charaktereigenschaften könnte man neudeutsch mit pragmatisch und effizient übersetzen. Beste Voraussetzungen also, um erfolgreich Geschäfte zu machen – auch in Russland.
Stark besetzte Delegation
Ministerpräsident Oettinger und Porsche-Manager Gerhard Schäfer auf dem Luxusforum (Foto: Jahn/.rufo)
Um zu zeigen, dass es die Schwaben ernst meinen mit den baden-württembergisch-russischen Wirtschaftsbeziehungen, reiste der Ministerpräsident des südlich gelegenen Bundeslands Günther Oettinger gleich mit zwei Ministern und zwei Staatsminister nach Moskau. Außerdem in der Delegation, die sich vom 13. bis zum 15. September in der russischen Hauptstadt aufhielt: Rund siebzig Unternehmer.
Auf dem Programm standen unter anderem Gespräche mit dem Moskauer Bürgermeister Juri Luschkow und Wirtschaftsminister German Gref, Eröffnungen der Filialen der Landesbank Baden-Württemberg und des Maschinenfabrikanten Trumpf sowie Besuche bei DaimlerChrysler und Ernst & Young Real Estate.
Auf einer eigenen Präsentation in der Niederlassung des Juweliers Wellendorff in der Straße Kusnezki Most stellten sich schwäbische Produzenten von Luxusgütern vor. Am Runden Tisch saßen neben Ministerpräsident Oettinger Vertreter von Porsche, Brenners Parkhotel und der Hausherr Christoph Wellendorff.
Wie steht es mit der Rechtssicherheit?
Am gestrigen Donnerstag versammelte sich ein Großteil der Reiseteilnehmer im Sitzungssaal des Baltschug Kempinski zum baden-württembergischen Unternehmerforum. Auf dem Podium stellten sich unter anderem Klaus Mangold, Vorsitzender des Ostausschusses der Deutschen Wirtschaft, Andrej Scharonow, Wirtschaftsminister Russlands, und der Sewerstal-Chef Alexej Mordaschow den Fragen der schwäbischen Unternehmer.
Eine Frage wird mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit bei fast jeder Veranstaltung dieser Art gestellt: Wie sieht es mit der Rechtssicherheit in Russland aus? Auf dem baden-württembergischen Unternehmertag allerdings konnte Bernhard Kühl, kaufmännischer Direktor bei Alfred Ritter, mit einem konkreten Problemfall aufwarten.
Praktisch, quadratisch, benachteiligt
Der bekannte Schokoladenproduzent, der auch auf dem russischen Markt mit seinen Tafeln vertreten ist, liegt im Clinch mit den russischen Finanzbehörden. Zwar, so Kühl, hätten die Gerichte die Rechtsstreitigkeiten zugunsten des schwäbischen Süßwarenproduzenten entschieden. Die Finanzbehörden ignorierten die Urteile aber einfach und erhöben weiterhin ungerechtfertigte Steuerforderungen gegen Alfred Ritter.
Konkret geht es um die Rückzahlung von geleisteter Mehrwertsteuer auf eingeführte Produktionsmaschinen an Alfred Ritter. Diese Frage, so der stellvertretende Wirtschaftsminister Scharonow werde bald zu Gunsten des Schokoladenproduzenten geklärt. Klaus Mangold vom Ostausschuss der deutschen Wirtschaft versprach das Problem bei einem Treffen der deutsch-russischen Strategiegruppe, einem Gesprächskreis deutscher und russischer Lobbyisten, auf die Tagesordnung zu setzen. „Wir werden sicher eine Lösung finden. Schön wäre es, wenn Sie unsere Besprechungen mit etwas Schokolade versüßen könnten“, scherzte Mangold.
Eine andere Frage, die den deutschen Mittelständlern auf den Nägeln brannte, konnten die Manager und Politiker auf dem Podium überzeugender beantworten. Zweifel an der Qualität der russischen Ausbildung räumte Klaus Mangold vom Ostausschuss der deutschen Wirtschaft aus. Besonders im technischen Bereich seien die russischen Hochschulabsolventen sehr gut ausgebildet. Englisch beherrschten sie in der Regel auch. Einziger Minuspunkt: Ein umfangreiches Wissen sei häufig gepaart mit mangelnden praktischen Fähigkeiten und Erfahrungen. Ein Missstand des russischen Bildungssystems, wie Andrej Schawronow ergänzte.
(cj/.rufo)
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... und in der Ferne glänzen die goldenen Kreml-Kuppeln vor dem Winterpanorama der Stadt Moskau. Das historische Moskau, das "Goldköpfige" genannt, hatte 40x40 goldene Kirchenkuppeln. ( Topfoto: mig/.rufo)