Montag, 24.12.2007

Dom Literatorow: Vom Feinsten

Dia Atmosphäre hinter der Fassade des Restaurants ist entsprechend prachtvoll und elitär (Foto: mosday)
Man könnte meinen in diesem über 100 Jahre alten Gemäuer habe schon Zar Nikolaus gespeist: Die Wände sind mit roter Seide bespannt, Brockatvorhänge zieren die Ecken, unter der alten Holzdecke hängt ein schwerer Lüster und an der Stirnseite des Saals führt eine gothisch verzierte Treppe in die zweite Etage.
russland-aktuell.RU-Rating
Atmo: prima
Küche: delikat
Service: perfekt
Preise: elitär
Kreditkarten: ja
Hat der Besucher den oberen Treppenabsatz erreicht, fällt sein Blick auf einen riesigen flämischen Wandteppich aus dem 17. Jahrhundert, der eine arkadische Landschaft zeigt. Auf der Empore vor dieser Idylle spielt jeden Abend eine Harfespielerin oder ein Streichquartett.

Im Obergeschoss befindet sich außerdem ein Separé für private Besprechungen, ein Kaminraum und ein Clubraum im englischen Stil. In den hohen Ohrensesseln können die Herren nach dem Essen in Ruhe ihre Havanna oder Davidoff schmauchen, die selbstverständlich in dem ausgesuchten Zigarren-Laden im Eingangsbereich des Restaurants zu erwerben sind.


An diesen Räumlichkeiten lässt sich noch der ehemalige Club-Charakter des Restaurants erkennen. Von 1932 bis 1990 war der Speisesaal nur für die Mitglieder der im Nachbargebäude untergebrachten Literatenvereinigung zugänglich. Nach der Wende wurde das Gebäude nach alten Fotos restauriert und steht nun von zwölf Uhr Mittags bis zwölf Uhr Abends allen zahlenden Gästen zur Verfügung. Trotzdem sind hier immer noch Schriftsteller anzutreffen – genauso wie reiche Ausländer oder VIPs.

Auch Politgrößen wie Jelzin und Luschkow waren im “Dom Literatow” schon zu Gast – nur auf Präsident Putin wartete man bisher vergebens. Dafür gibt sich zuweilen der deutsche Botschafter die Ehre. Schließlich liegt seine Residenz nur ein Häuschen weiter.


Adresse
ul. Powarskaja 50
nächste Metro: Barrikadnaja

Telefon 291-15-15
Das Restaurant bietet mit seinen beiden Chefköchen aus Russland und Italien die feinsten Köstlichkeiten. “Bei uns ist selbst Salat Olivje – der sonst ordinäre russische Kartoffelsalat – außergewöhnlich”, sagt die Restaurant-Managerin Irina Pjemowa. Wie dürfte da erst der Lachs a lá “Zar Nikolaus” schmecken? Leider konnten wir es nicht ausprobieren, da ein Abendessen für rund 100 Euro unser Budget überstieg.

(sp 04/03, aktualisiert am 24.12.07)