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| Von außen bietet das Bolschoi immer noch einen faszinierenden Anblick. Doch innen ist es schon ziemlich marode (Foto: Djatschkow/.rufo) | |
Freitag, 01.07.2005
Bolschoi-Renovierung wird teuer
Moskau. Das Bolschoitheater schließt am Samstag zur Renovierung. Es wird mit 580 Mio. Euro der teuerste Theater-Umbau in Russland. Das Mariinski Theater in St. Petersburg kam mit der halben Summe aus.
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Die Königliche Covent Garden Oper in London wurde ebenfalls zum halben Bolschoi-Preis generalüberholt. Selbst die Rekonstruktion des Kremls war billiger. Der Leiter der russischen Kultur- und Filmbehörde Michail Schwydkoi wollte ursprünglich sogar eine Mrd. USD (826 Mio. Euro) für die bekannteste Ballett- und Opernbühne Russlands haben, doch Präsident Wladimir Putin mahnte zur Sparsamkeit.
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250 Millionen Euro eingespart
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Eingespart wurde der unterirdische Parkplatz. Die Renovierung der Bolschoi-Werkstätten, wo Bühnenbilder, Kostüme etc. angefertigt werden, wurde mit der Begründung, sie gehörten nicht zum Hauptgebäude, auf unbestimmte Zeit verschoben. Es wird trotzdem teuer, erstens weil die alte Bausubstanz morsch ist und oft buchstäblich zusammengeklebt werden muss, und zweitens weil mitten in der Moskauer Altstadt nur eine Erweiterung nach unten möglich ist.
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Man gräbt sich in die Erde hinein, obwohl sie ein von kleinen Strömen durchsetzter Morast ist. Ein weiteres zu umgehendes Problem ist die ebenfalls dort fahrende Metro. Doch die Erweiterung des Gebäudes in die Tiefe ergibt zusätzlich 50.000 qm.
Garderoben und Toiletten, ein kleiner Saal und anderes mehr werden nach unten verbannt, irgendwo zwischen der bekannten Säulenpforte und dem Springbrunnen. Eine unterirdische Mauer rund um das Theater soll umliegende Bauten vor unerwünschten Einflüssen und das Bolschoi vor Grundwasser schützen. Rolltreppen bringen die Zuschauer dorthin.
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Bühnenmechanik kostet das Meiste
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Zusammen mit Fundamenten soll der unterirdische Bau ein Drittel des Geldes verschlingen. Noch mal soviel wird die eigentliche Gebäuderenovierung kosten. Ein neuer Vorhang ist längst fällig. Sowjetwappen werden endlich aus dem Zuschauerraum entfernt. Bosch Rexroth baut die gesamte Bühnenmechanik inklusive einer Rollbühne für Ballettaufführungen ein. Dazu gehören auch Beleuchtung und Akustik. Ein Vertrag im Wert von sieben Mrd. Rubel (gut 200 Mio. Euro) wurde abgeschlossen.
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Neubau wäre billiger gewesen
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Sollte das Bolschoi jetzt abbrennen, würde der Neubau den russischen Staat viel weniger kosten, heißt es provokanterweise. Erst vor einem Jahr war die Manege am Kreml abgebrannt. Brandstiftung kann bis heute nicht ausgeschlossen werden. Die hohen Ausgaben für die Restaurierung der wichtigsten Ballettbühne des Landes lohnen sich freilich allemal. Es gibt bereits viel zu viele Neubauten in Moskau.
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Männer für die Schmutzarbeit
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Natürlich werden Kulturchef Schwydkoi und Bolschoi-Direktor Anatoli Iksanow ganze Arbeit gegen den Widerstand von Missgönnern leisten müssen. Ein Insider-Scherz des Bolschoitheaters sagt, in der Kunst könne nicht jeder ein Gott sein. Die Quadriga des Apollo über der Säulenpforte werde ja schließlich auch von Pferden gezogen.
(adu.rufo)
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