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Gelmann Galerie

Moskau. Die Galerie von Marat Gelmann war einer der ersten privaten Ausstellungsräume im post-sowjetischen Russland und entwickelte sich schnell zu einer Instanz . Bekannt wurde Gelmann durch provokative Polithappenings.

„Ich hatte, als wir die Galerie 1990 eröffneten, eine Reihe von Kontakten zu Künstlern und Ideen - von denen nicht alle besonders gut waren“, erinnert sich Marat Gelmann. Eine der Ausstellungen, die in die Geschichte eingegangen ist, war „Kompromat“ (1996) – eine kritische Auseinandersetzung mit den Enthüllungsgeschichten über russische Politgrößen, die damals die Schlagzeilen der Zeitungen füllten.

Mit solchen Aktionen wurden Künstler wie die Waleri Koschljakow, Alexander Brodski, Avdej Ter-Oganjan, Oleg Kulik oder Dmitri Gutow international bekannt. „Die Suche nach neuen Talenten ist wie eine Droge“, sagt Marat Gelmann. Mit jungen, vielversprechenden Künstlern hat er schon zusammengearbeitet bevor die Galerie eröffnete. Progressiv, immer direkt am künstlerischen Prozess beteiligt, dem allgemeinen Trend voraus, ist es Marat Gelmann oft gelungen, aus einem unbekannten Künstler einen Star zu machen.


rnEiniges hat sich in den letzten Jahren verändert: „Lang Zeit hab ich neue Künstler gesucht – jetzt suchen sie mich“, sagt Gelmann. Mittlerweile hat er sich etwas aus dem Moskauer Betrieb zurückgezogen und widmet sich anderer Projekte. Unter anderem seiner Galerie in Kiew, die vor zwei Jahren eröffnete. Die Organisation in Moskau hat seine Frau Julia übernommen. rn

rnWie es zu der Galerie kam, sagt Marat Gelmann, „war eine Verkettung von Zufällen“. Seinen ersten Kontakt mit der Kunstszene hat der Student der Telekommunikation durch seinen Hilfsarbeiterjob bei einem Moskauer Theater. Nach dem Studium arbeitete er in Kischinow, der Hauptstadt von Moldavien - einer langweiligen Stadt, sagt Gelmann: „Ich habe versucht, möglichst häufig nach Moskau zu reisen und deshalb Artikel über Ausstellungen in der russischen Hauptstadt für moldawische Zeitungen geschrieben.rn

rnMit der Perestroika begann er Ausstellungen zu organisieren und gründete eine eigene Galerie. Von dem Geld, dass das neue Geschäft einbrachte, begann Marat selber aktuelle Kunst zu sammeln: „Sonst gab es damals in Moskau ja noch nicht viel zu kaufen“, erklärt er schmunzelnd.rn

rnDie Schwerpunkte der Galerie waren zu allen Zeiten unterschiedlich. Anfangs holte Gelmann vor allem Künstler von außerhalb in die russische Hauptstadt. „Der Moskauer Konzeptualismus war ja schon weltbekannt und brauchte keine Galerie mehr.“rn


Seit 1993 stand die soziale Kunst, die mit Ereignissen des wahren Leben zusammenhängt, im Vordergrund. Durch kritische und oft skandalöse Ausstellungen erarbeitete sich die Galerie den Ruf einer demokratischen Institution.rn

rnSeit 1995 sagt Marat Gelmann, hätte er „den Status der bekanntesten russischen Galerie ausgenutzt. Damals bin ich zum Schluss gekommen, dass eine Galerie nur weiße Wände braucht und keine Ideen - die haben ja schon die Künstler.“ Denen wird aller Raum gelassen sich frei zu entfalten. Bei deren Auswahl legt Gelmann allerdings hohe Maßstäbe an. Denn: „Das Niveau einer Galerie wird durch die schlechteste Ausstellung ermittelt.“rn

rnNeben den Ausstellungen in den eigenen Räumen bemüht sich Gelmann um die Zusammenarbeit mit Museen, um aktuelle, kritische Kunst im öffentlichen Raum zu etablieren und den Menschen näher zu bringen.rn

rnEines der größten derartigen Projekte war „Art versus Geographie“ in Zusammenarbeit mit dem Russischen Museum in St. Petersburg vor zwei Jahren: Kunstwerke der Gelmann-Sammlung reisten durch zwanzig russische Städte. Mit dem Projekt sollte die Monopolstellung von Moskau und St. Petersburg auf dem Kunstsektor kritisiert und für einen Moment nivelliert werden. „Früher“, sagt Gelmann „gab es Künstlerwettbewerbe und Ausstellungen, zu denen alle anreisten. Jetzt fehlen diese Kommunikationswege.“ Nach dem Projekt überließ Gelmann einen Teil der Exponate dem Russischen Museum, das für die Werke extra einen neuen Saal einrichtete.rn


Adresse:
Malaja Poljanka Straße, 7/7, Bau 5
Metro: Oktjaberskaja
Tel./fax 7 (095) 238-8492,
238-2783, 238-4040
E-mail: polyanka@guelman.ru

Öffnungszeiten: Mo-Fr 12.00-18.00,
Sa-So geschlossen
Ein weiteres Groß-Projekt: Die Galerie will über zehn Jahre Elektronische Kunst sammeln, um sie dann auszustellen. Außerdem bemüht sich Gelmann die russische Kunst im Ausland zu propagieren. Deutschland ist momentan der beste Markt. Für 2004-2005 plant der Galerist eine Wanderausstellung seiner Kollektion in den großen skandinavischen Museen.
„Das ist schon keine Galerie mehr“, scherzt Gelmann. „ Das ist ein Monster“.

(sp/rufo)

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