Montag, 19.07.2004

Spider & Mouse – Galerie im Moskauer Untergrund

Moskau. Die Ausstellungsräume von Spider & Mouse feierten in diesem Jahr ihr zehnjähriges Bestehen. Als Atelier von Igor Ioganson existieren die Räumlichkeiten allerdings schon seit den 70er Jahren.
Spider & Mouse sind das genenaue Gegenteil einer herkömmliche Galerie mit lichtdurchfluteten, großflächigen Räumen. In dem Kellergeschoß liegt der Schwerpunkt auf Performancekunst.
Hausherren des höchst ungewöhnlichen Platzes sind die Künstler Marina Perchihina (Mouse) und Igor Ioganson (Spider). Ihre Spitznamen standen dem ungewöhnlichen Galerienamen Pate, erzählt Marina im Gespräch. Und fügt hinzu: „Seien wir doch mal ehrlich, wo leben Spinnen und Mäuse im allgemeinen am liebsten? Im Keller doch wohl, oder?!“ Marina und Igor scheinen sich rundum wohl zu fühlen.

nGroße Besonderheit der Kellergalerie – ein erst vor zehn Jahren entdeckter Hohlraum, der sich in Marina’s und Igor’s Phantasie zum Geheimatelier eines unbekannten, wahrscheinlich repressierten Künstlers formte. Schrullig oder nicht, die Sache scheint wahr. Bei Renovierungsarbeiten des Ateliers fanden die beiden in einem Zwischenboden den knapp zehn Quadratmeter großen Raum. Da der Raum mehr in die Höhe ragt, als breit ist, lässt er sich nur schwer nutzen.

Auch die übrigen drei Räume der Galerie, sind für Maler grundsätzlich ungeeignet. Dafür bieten Spider & Mouse für Performance-Künstler die idealen Voraussetzungen. Zufall oder nicht, gerade auf diese Kunstform haben sich die beiden Galeristen besonders spezialisiert. Aufgrund der ständig herrschenden Dunkelheit sind die Räume für Lichtinstalltionen und Videoperformances geradezu prädestiniert. Doch auch literarische Projekte – Theater und Lesungen haben in dem Kunstkeller schon stattgefunden.

nDie Frage nach künstlerischen Prämissen, läßt Marina ins Grübeln geraten. Als Podium für zeitgenössische, engagierte Installations- und Performancekunst verstehe sich die Galerie und wolle vor allem ein Forum für die Moskauer und internationale Alternativ-Kunstszene bieten. „Und“, fügt sie hinzu, „Kurator unserer Ausstellungen ist der Raum. Dies hier sind keine gewöhnlichen Ausstellungsräume, der Raum diktiert die Aktion.“

Spider and Mouse
Leningradski Prospekt 58
(Hinterhof)
Metro: Aeroport
Tel: 287 13 60, 213 83 43

Die Galerie finanziert sich ausschließlich selbst und möchte als unkommerzielles Projekt mit Break-even-Points und Gewinnmargen nichts am Hut haben. „Wir haben nicht das Ziel, jeden Monat eine Ausstellung zu eröffnen und zur Moskauer Szene zu gehören. Da gibt es genug andere. Russland, vielleicht die ganze Welt, wird momentan von einer derart konservativen Welle überrollt, dass unabhängige Kunst es sehr schwer hat.“
Spider & Mouse arbeiten daher nicht für das Publikum, sondern für die Künstler. Interessierte sind trotzdem immer gern gesehen.
Wenn gerade keine Performances stattfinden, können die Besucher Skulpturen und Projekte von Marina Perchihina und Igor Ioganson und das „Geheimatelier des unbekannten Künstlers“ sehen. Geöffnet ist die Galerie jeden Donnerstag und Samstag von 17 bis 21 Uhr. Eintritt ist grundsätzlich immer frei.

(cu./rufo)