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| Sergej Andrija arbeit an Moskaus ungewöhnlichster Bildergalerie (Foto: privat) | |
Mittwoch, 20.12.2006
Moskauer Metro: U-Bahn als Kunstwerk
Moskau. Im Frühjahr 2007 bekommt die Moskauer U-Bahn eine rollende Bildergalerie. Bei der Gestaltung eines neuen Zugs arbeiten der Maler Sergej Andrijaka und der Metro-Direktor Dmitri Gajew zusammen.
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Der russische Künstler Sergej Andrijaka lebt in Moskau und leitet hier eine Aquarellschule und eine nach ihm benannte Galerie. In seinem Interview gegenüber Russland-Aktuell verrät Sergej Andrijaka einige Geheimnisse seiner Arbeit an dem geplanten „Zug für bildende Künste”.
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R-A.: Können Sie schon ein wenig über den zukünftigen Zug erzählen?
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Andrijaka: Ich wundere mich nur, wie schnell bekannt wird, was wir öffentlich noch gar nicht ausgesprochen haben. Der Zug ist als eine fahrende Galerie gedacht: In den Wagen hängen Gemälde an Stelle von Werbepostern. Dabei werden meine Aquarelle und die meiner Schüler ausgestellt. Auch von außen wollen wir den Zug ungewöhnlich gestalten. Er wird mit etwa fünfzigfach vergrößerten Fragmenten meiner Bilder, vorwiegend Blumenstillleben dekoriert.
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| Panorama des alten Moskau (Foto: Andrijaka-Galerie) |
Ursprünglich gab es auch andere Entwürfe für die Außenansicht: ich könnte mir zum Beispiel für die ganze Länge des Zuges mein Bild „Panorama des alten Moskau” gut vorstellen. Aber das letzte Wort hatte die Metro-Administration, und sie war eindeutig für Blumenbilder. Ein derartiges Muster muss eine rein dekorative Funktion erfüllen und auffallend sein, wohl wie eine Bonbon-Verpackung. Die echte Kunst beginnt erst innen.
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R-A.: Wer hatte die Idee?
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Andrijaka: Das war eine gemeinsame Idee von mir und dem Direktor der Metro, Dmitri Gajew. Er hatte schon lang bestimmte Vorstellungen mit sich herumgetragen, als ich mit einem konkreten Vorschlag zu ihm kam. Seit diesem Tag besprechen wir sowohl die technische, als auch die künstlerische Seite unseres Projekts zusammen.
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R-A.: Und wie konnte alles aus technischer Sicht gelöst werden?
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Andrijaka: Extra für uns wurde ein Zug hergestellt, in dem es Sitzplätze und Fenster nur an einer Seite der Wagen gibt. Die Gegenwand ist dann für Kunstwerke frei: Man steigt ein, setzt sich und sieht sich Gemälde an.
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Für die Außenwände wird dann eine spezielle Folie verwendet, auf die das Muster abgedruckt wird. Diese Aufgabe war doppelt schwierig: erstens wegen der Größe und zweitens wegen der Einschränkung der farblichen Gestaltungsmöglichkeiten durch Brandsicherheitsvorschriften.
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Dann wird es immer noch an der inneren Gestaltung gearbeitet. Wie in jeder Galerie spielen auch hier Farben und eine richtige Beleuchtung eine wichtige Rolle. Außerdem müssen wir an Schutzverglasung denken, die die Gemälde vor Vandalen schützen soll. Menschen sind doch verschieden…
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R-A.: Von wem wird das Projekt finanziert?
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Andrijaka: Mit der Finanzierung habe ich kaum etwas zu tun. Meine Galerie und ich sind nur für eine Aufgabe verantwortlich: das Abdrucken von Reproduktionen. Allein das wird uns schon viel kosten. Für alle Verträge ist Dmitri Gajew zuständig.
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R-A.: Welche Aufgaben stellen sie für einen derartigen Zug?
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Andrijaka: Mit diesem Projekt möchte ich dazu beitragen, die Aggression zu mildern, die auf uns von allen Seiten einstürzt. Der moderne Mensch ist erschöpft. Sehen Sie sich doch um: Überall herrscht Werbung. In der U-Bahn, auf der Straße, in der Zeitung, auf dem Bildschirm – man hat die Nase voll von ihr! Und wenn man dieser Flut in irgendeiner Weise entgehen kann, muss das versucht werden. Darum unterstütze ich auch den Wunsch von Gajew, in einigen Metrostationen Fotoausstellungen durchzuführen.
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R-A.: Welche Reaktion erwarten Sie persönlich von den Passagieren?
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Andrijaka: Ich bin auf die verschiedensten Reaktionen gefasst. Der Mensch ist im Grunde genommen konservativ, darum werden manche Leute unser Projekt auch missbilligen. Meiner Meinung nach ist das aber eine tolle und würdige Idee.
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Bislang habe ich nur sehr polare Urteile gehört. Die einen sind davon begeistert, andere halten es für unangebracht, Kunstgegenstände in solch einem überfüllten und geräuschvollen Ort auszustellen.
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Darum wird der Zug nur zu einer bestimmten Zeit und vermutlich auf der dunkelblauen Linie fahren, weil diese nicht so stark überlastet ist. Vielleicht wird er auch im Voraus angekündigt. Es hätte keinen Sinn, einen derartigen Galerie-Zug während der Stoßzeit zu nutzen. Metrogäste müssen bereit sein, Kunst wahrzunehmen.
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Das Interview führte Anna Kurizina.
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