Regine Zimmermann ist Emilia Galotti (Foto: Deutsches Theater Berlin)
Mittwoch, 30.11.2005
Regine Zimmermann: Tschechow finde ich toll
Moskau. Das Deutsche Theater Berlin spielte “Emilia Galotti” schon in Rom, Prag und Tokio - und letzte Woche auch in Moskau. Russland-Aktuell sprach mit der Hauptdarstellerin Regine Zimmermann (Emilia).
Russland-Aktuell: Wie sind Ihre Eindrücke vom Net-Festival für neues europäisches Theater?
Zimmermann: Wir haben leider vom Festival nicht viel mitbekommen, weil wir erst vor 2 Tagen gekommen sind. Wir haben nur die Vorstellung gespielt und konnten nichts anderes sehen, aber wir haben einen guten Eindruck vom Land bekommen. Ich bin zum ersten Mal in Moskau und in Russland überhaupt.
Russland-Aktuell: Warum Lessing?
Regine Zimmermann: Das Stück hat der Regisseur selbst ausgesucht. Als er es uns vorstellte, hat er erzählt, dass ihn die Mathematik an diesem Stück interessiert. Alles spielt sich an einem Tag ab und es spitzt sich an diesem einem Tag wahnsinnig viel zu. Nach jedem Baustein folgt der nächste. Emilia soll den Grafen heiraten. Sie und der Prinz treffen sich in der Kirche und sie verlieben sich. Dann wird dieser Plan ausgedacht. Marinelli, der Kammerherr des Prinzen, spinnt seine Intrige und dann stirbt der Graf. Das ist alles fast ganz mathematisch.
Russland-Aktuell: In wieweit können Sie sich mit Emilia identifizieren?
Zimmermann: Komisch, die Frage wird immer gestellt. Es ist eine schwierige Figur. Vor allem auch, weil es bei Lessing um den Verlust der Ehre geht, was man sich heute nicht mehr so wirklich vorstellen kann. Sie ist jung, erhebt Anspruch auf eine große Liebe, aber das geht eben im Leben nicht. Sie will sich dann nicht damit arrangieren, sondern sie bevorzugt den Tod. Ich finde, mit dem Gedanken kann man ja was anfangen.
Russland-Aktuell: Es gab keine Bühnenbilder in dem Stück. Wie schafft es Michael Thalheimer, Sie in die richtige Stimmung bzw. Atmosphäre zu versetzen?
Zimmermann: Wir hatten von Anfang an diese Musik, von den ersten Proben an, und die sollte dann am Ende wieder wegfallen. Sie ist sehr bekannt, kommt aus einem Kinofilm und deshalb sollte dann eine andere Musik gesucht werden. Aber sie gehörte doch schon irgendwie zu diesem Stück. Vor allem die Musik hat mit der Stimmung zu tun. Außerdem hatte der Regisseur von Anfang an klare Vorstellungen, er hat immer versucht, uns das zu vermitteln.
Russland-Aktuell: Würden Sie gerne auch in einem russischen Theaterstück spielen?
Zimmermann: Ich habe schon in „Drei Schwestern“ die Irina gespielt. Diese Zusammenarbeit mit Michael Thalheimer hat mir sehr gefallen. Die Tschechow-Stücke finde ich alle sehr toll.
Russland-Aktuell: Gibt es etwas Besonderes, was Ihnen im russischen Theater gefällt?
Zimmermann: Das Problem ist, dass ich das russische Theater sehr wenig gesehen habe. Irgendwie gibt es das nicht so oft in Deutschland. Aber ich denke, das russische Theater ist viel psychologischer als das deutsche und sehr klassisch bei den Bühnenbildern. Ich finde beides toll. Am schönsten ist es, wenn man mal das machen kann und mal das. Ich glaube, ich könnte jetzt nicht nur das traditionelle Theater machen, weil es so viele spannende Wege gibt. Aber eine gute traditionell gespielte Aufführung mag ich auch sehr gerne.
Russland-Aktuell: Was ist für Sie wichtig in Ihrem Beruf und in Ihrer Arbeit?
Regine Zimmermann: Bei der Arbeit auf der Bühne ist das wichtigste, dass man die Gedanken, die man sich macht, Gefühle, oder alles, was man wichtig und toll findet, dass man das vermitteln kann. Es gibt nichts Schlimmeres als dass, wenn man denkt, dass das Stück gelungen ist, aber die Leute verstehen es nicht oder eben anders. Das wichtigste im Beruf ist, dass man eine gute Gruppe findet, Regisseur, Kollegen, mit denen man als mit Menschen gerne zusammen ist, und trotzdem auch tolle Arbeit machen kann. Je länger ich diesen Beruf mache, desto wichtiger finde ich das.
Russland-Aktuell: Vielen Dank für Ihr Gespräch.
Das Interview führte Jekaterina Maximowa.
(kam/.rufo)
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