Sonntag, 20.03.2005

Geschichte Moskaus – vom Dorf zur Metropole

Weithin sichtbar: Die roten Mauern der Kreml-Befestigung (Foto: Archiv)
Der Deutsche sagt „Moskau“, der Brite „Moscow“ und der Russe, das letzte „a“ betonend, „Maskwa“. Trotz sprachlicher Differenzen sind sie sich einig: So etwas wie Moskau existiert kein zweites Mal.
Es ist die Historie, die in dieser Stadt praktisch in der Luft liegt. Ihre Geschichte ist wie ihre Seitengassen – durcheinander, manchmal schmuddelig, und doch malerisch. Nur eines ist sie nicht: langweilig. Denn Moskauer Geschichte ist russische Geschichte.
Am Anfang war das Dorf
Wann genau Moskau gegründet wurde, kann heute niemand mit Sicherheit sagen. Die ersten Siedler waren, wie Ausgrabungen bestätigten, Jäger und Sammler. Um 950 n. Chr. finden hier die slawischen Stämme Wjatitschi und Kriwitschi neue Heimat. Vermutungen zufolge bildeten Wjatitschi den Kern der Urbevölkerung, von dem theoretisch die späteren Moskauer abstammen.



Woher der Name „Moskau“ kommt, versuchen gleich mehrere Ethymologen zu klären. „Moskau“ sei von slawischen Worten wie „Vollkornbrot“ und „Pfütze“ abgeleitet. Von beidem gibt es in der russischen Hauptstadt reichlich.
1147 – Moskau zum ersten Mal erwähnt

Erstmalig taucht Moskau 1147 in den Annalen auf. Dies Jahr gilt als das Gründungsjahr Moskaus. Fürst Jurij Dolgorukij („Der Langarmige“) soll der Grundsteinleger gewesen sein. Die Geschichte verschweigt allerdings, ob dem auch so gewesen ist: Vielmehr gab Dolgorukij in jenem Jahr zu Ehren seines Fürsten-Kollegen Swjatoslaw Olgowitsch von Tschernigow ein Festessen. Einige Historiker vermuten, dass Dolgorukijs Bankett auf dem Besitz des Bojaren Kutschka stattfand. Dolgorukij könnte ihrer Meinung nach das Land des Feudalen zuvor mit Gewalt erobert haben.

n1156 – Der erste Kreml steht
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nElf Jahre nach dem sagenumwobenen Dinner wird in Moskau die erste Befestigungsmauer aus Holz, der „Detinez“, hochgezogen. 200 Jahre später erhält die hölzerne Burgmauer den Namen „Kreml“, was zu deutsch so viel wie „Burg“ bedeutet.
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nNeben dem angrenzenden Fürstentum von Wladimir und Susdal entwickelt sich Moskau zu einem wichtigen Handelsknoten und dehnt sich auf das fünf- bis sechsfache seiner ursprünglichen Größe aus.

1326 – Adel und Klerus unter einem Dach

Iwan I. Kalita, damaliger Herrscher über das, was später Russland geworden ist, befiehlt den Umzug der geistigen Obrigkeit von Wladimir nach Moskau.

Im Laufe des gesamten 14. Jahrhunderts erweitern Moskauer Fürsten ihren Landbesitz. Von russischen Kleinfeudalen beherrschte Städte wie Kolomna und Moschajsk werden angeschlossen.

Seine Expansion hat das Moskauer Fürstentum unter anderem den Tataren zu verdanken. Das Reitervolk überrannte russische Ländereien und Kleinstädte, plünderte, brandschatzte und tötete in Scharen. Der Enkel Iwan Kalitas, Fürst Dmitrij Donskoj, schlägt die MongolischenTataren 1380 in der Schlacht bei Kulikowo.

Die besiegten Tataren geben jedoch nicht so leicht auf: 1382 stürmten mongolische Truppen Moskau und brennen es mitsamt Kreml und der Bevölkerung nieder.

Ende 14. Jahrhundert – Eine neue Stadt entsteht

Während Dmitrij Donskojs Herrschaft kommt die Stadt zu neuem Gesicht. Baumeister des Zaren bauen einen neuen Kreml, diesmal aus Stein. Gleichzeitig werden Klöster errichtet. So entstanden binnen kürzester Zeit die Klöster Wysokopetrowskij (1380), Roschdestwenskij (1386), Srtetenskij (1397), Danilow (1382), Andronikow (1362) und Simonow (1379).

Zeit für Reformen – Iwan III. europäisiert Moskau



1462 wird Iwan III. zum Moskauer Großfürsten ernannt. Das Moskauer Reich nimmt an Größe zu. Der Herrscher befreit Jaroslawl, Nowgorod, Twer, Wjatka und Perm von mongolisch-tatarischen Fremdherrschaft. Die Städte schießen sich Moskau an.



Iwan III. gibt sich mit den neuen Ländereien allein nicht zufrieden. Er lädt italienische Architekten nach Moskau ein. Sie sollen die Stadt nach seinen Vorstellungen verschönern. So kreiert zum Beispiel der italienische Architekt Fioravanti die Mariä-Entschlafens-Kathedrale (Uspenskij Sobor). Andere Italiener legen bei der Erzengel-Kathedrale und dem "Iwan der Große"-Glockenturm Hand an.
Nach dem Umbau werden der Rote Platz und Kitaj-Gorod zu Marktvierteln. Die Stadt wächst bis über den heutigen Gartenring hinaus. Der Kreml wird als eine der sichersten Festungen Europas angesehen.

(ali/.rufo)