Donnerstag, 17.04.2008

Erste westliche Galerie in Moskau eröffnet

Volker Diehl aus Berlin stellt in Moskau die amerikanische Künstlerin Jenny Holzer aus. Foto: ldc/.rufo
Moskau. Ein Berliner Galerist eröffnet in Moskau als erster westlicher Kunsthändler eine Filiale. Er setzt auf das Wachstum des Marktes für zeitgenössische Kunst dank einer immer breiter werdenden Mittelschicht.
“Animalism is perfectly healthy”, “Eating too much is criminal” – auf einer gewaltigen Säule mit zig LED-Anzeigen tauchen unablässig neue Sätze, Wortfolgen und Satzfragmente auf. In pink, blau oder weiß laufen sie über die Anzeigen. Bleiben manchmal stehen, blinken.

Ein wundervoll buntes Ungetüm mit bissigem Inhalt. Die fünf Meter hohe Säule ist ein Werk der amerikanischen Künstlerin Jenny Holzer und gleichzeitig das Hauptobjekt der Ausstellung „Like Truth“ in der Moskauer Galerie „Diehl + Gallery One“.

Es ist die erste Ausstellung von Holzer in Russland und auch die erste der neuen Galerie. Ihr Betreiber Volker Diehl besitzt seit 20 Jahren in Berlin eine Galerie für zeitgenössische Kunst. Er arbeitet schon lange mit russischen Künstlern zusammen, reist seit Jahren regelmäßig nach Moskau. Aber mit der Eröffnung der Filiale in Moskau macht er einen Schritt, den vor ihm noch kein westlicher Galerist gewagt hat.

Mangel an zeitgenössischer Kunst

Jenny Holzer – „Like Truth“
18. April bis 18. Mai 2008
Di bis Sa: 11 bis 20 Uhr
Diehl Gallery One
Smolenskaja Nab. 5/13.
Metro: Smolenskaja
„Unser Ziel ist es, bekannte internationale zeitgenössische Künstler nach Moskau zu bringen,“ beschreibt Diehl bei der Eröffnung sein Konzept. In der Stadt herrsche bisher ein Mangel an Ausstellungen dieser Kunstform. Zugleich sollen aber auch immer wieder russische Künstler eine Ausstellmöglichkeit bekommen.

Über 600 Quadratmeter verfügt die Zweigstelle von Diehl. Unweit der Smolenskaja mit Blick auf die Moskwa gelegen, beherbergte das Lokal bis in die 90er Jahre unter dem Namen „Gallerie 1“ den staatlichen Kunsthandel. Diehl ist nur als Mieter eingezogen. Das Lokal ist heute im Besitz eines georgischen Geschäftsmannes und Freundes des Galeristen.

Kleine Moskauer Szene

Dieser habe ihn schon seit Jahren dazu bewegen wollen, in Moskau aktiv zu werden. Er selbst habe aber lange gezögert. Laut Volker Diehl ist der russische Markt für zeitgenössische Kunst noch recht klein. Nur gerade 12 Galerien gebe es in Moskau, die solche Kust anbieten.

Die Szene sei darum überschaubar und er mit all diesen Galeristen bekannt. Er ist denn auch überzeugt, dass ihn die bisherigen Marktteilnehmer nicht einfach als ausländischen Konkurrenten behandeln werden, sondern als jemanden, der hilft etwas aufzubauen.

Der kleine Markt und viele Vorurteile seien wahrscheinlich schuld, dass bisher noch kein westlicher Galerist den Schritt nach Moskau gewagt habe. Bürokratische Hürden hätte es natürlich auch für ihn zu überwinden gegeben.

Doch Diehl hofft auf die wachsende Mittelschicht Moskaus: „Meine anvisierten Kunden sind nicht primär neureiche Russen, sondern die gebildete gehobene Mittelschicht“, sagt er. Diese brächten denn auch das nötige Kunstverständnis mit.

(ldc/.rufo/Moskau)