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Die erste Metrilinie im Bau: Ochotny Rjad im Jahre 1934 (Foto: Metro.da.ru)
Die erste Metrilinie im Bau: Ochotny Rjad im Jahre 1934 (Foto: Metro.da.ru)

Ein Mammutprojekt: Der Bau der Metro

Die Metro war und ist ein Prestigeobjekt, ihr Bau hatte in Stalins Moskau Priorität. An Ressourcen wurde alles verwendet, was in den 1930er Jahren verfügbar war. Selbst kapitalistische Technik kam zum Einsatz.

Beim Bau der ersten Strecke von „Sokolniki“ bis zum „Park Kultury“ waren vor allem Bauern beschäftigt. Sie waren im Zuge der Kollektivierung enteignet worden und suchten nun Arbeit in Moskau. Die Arbeit beim Metrobau war ein Geheimtipp, der sogar vor der Verbannung nach Sibirien und dem Lager retten konnte. Wer bei der Metro anfing, wurde von Stalins Schergen nicht mehr behelligt. Das Projekt war zu wichtig, um Metro-Arbeitskräfte zu verschicken oder im Gulag verrotten zu lassen.

Schlechte Arbeitsbedingungen und Handarbeit

Viel besser als in Sibirien waren die Arbeitsbedingungen aber auch nicht. Die Menschen arbeiteten für einen Hungerlohn. Die Verpflegung war schlecht, statt moderner Technik und großen Gerätschaften gab es nur Spitzhacken, Spaten und Schubkarren. Eine Folge war ein Streik im Frühjahr 1933. Daraufhin wurden die Löhne heraufgesetzt und die Bauern durch junge, vom Aufbau des Sozialismus überzeugte Komsomolzen abgelöst.

Der Mann für’s Grobe: Kaganowitsch

Geleitet wurde das Projekt von Lasar Kaganowitsch. Er war der richtige Mann am richtigen Platz. Zwar kaum mit bürgerlicher Bildung ausgestattet war er aber ein grosses Organisationstalent. Seine Fähigkeiten, große Dinge konsequent und rücksichtslos umzusetzen, hatte er schon bei der Kollektivierung der Landwirtschaft in der Ukraine bewiesen. Ebenso wichtig: Er war ein enger Vertrauter Stalins.

Deutsche schuften für Stalin

Deutsche Kommunisten, die Anfang der 1930er Jahre vor Hitler nach Russland flohen, stellten eine ganze Reihe von Ingenieuren und Arbeitern. Ihre Disziplin und Ordnung sollte den anderen am unterirdischen Palastbau Beteiligten ein Vorbild sein. Extra für sie wurden im damaligen Moskauer Vorort Kunzewo Wohnbaracken gebaut. Verdient haben sie monatlich 300 Rubel, was für die damalige Zeit ein guter Verdienst war.

Ein Anreiz für die Erbauer der Metro war die Chance, später eine erfolgreiche Karriere zu starten. Wie Flieger oder Polarforscher wurden auch die Metrobauer von der sowjetischen Propaganda zu Helden stilisiert, denen es nachzueifern galt.

Es stellte sich aber schnell heraus, dass auch mit vielen Freiwilligen die Baufrist nicht einzuhalten war, wenn weiter auf Handarbeit gesetzt würde.

Kapitalistische Technik für kommunistischen Prunk

Väterchen Stalin im Nacken musste auf ausländische Technik zurückgegriffen werden. Zur Bearbeitung der mit unterirdischen Strömen und Karsthöhlen durchsetzten Moskauer Erde wurde in England eine Vortriebs-Tunnelbohrmaschine gekauft. Sie wühlte sich durch den Boden und ließ hinter sich einen fertigen Stollen. Anhand von britischen Konstruktionsunterlagen wurden in der UdSSR weitere Maschinen gebaut. Die kapitalistische Technik hatte über den stalinistischen Einsatz von Menschenmassen gesiegt.

Der Metrobau wurde selbst in der schwersten Zeit des Zweiten Weltkrieges, als deutsche Truppen dicht bei Moskau standen, nicht eingestellt. Er wurde nur ausgesetzt. Als die schlimmste Gefahr für Moskau gebannt war, wurde der Bau sofort weitergeführt. So entstanden bis 1945 sieben U-Bahnhöfe.

Umbenennung unter Chruschtschow

Bei ihrer offiziellen Einweihung am 15. Mai 1935 wurde die Metro noch nach ihrem Baumeister Kaganowitsch benannt. Von Nikita Chruschtschow wurde sie 1955 in „Lenin-Metro“ umgetauft. Er wollte den Namen seines Rivalen nicht weiter an den Metroeingängen prangen sehen.

(adu/.rufo)


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Da kommt mal wieder Freude auf: wer immer noch versucht, mit dem Auto zur Arbeit zu kommen, sollte die Thermoskanne und einen Stullenvorrat mitnehmen. ( Topfoto: zr/.rufo)

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