Donnerstag, 12.05.2005

Wyssotzki und die Metro: Abstieg als Aufstiegschance

Wladimir Wyssotzki nimmt kein Blatt vor den Mund (Foto: Kulitchki.com)
Die Metro hat auch Eingang in das Werk des größten russischen Liedermachers, Wladimir Wyssotzki, gefunden. Er beschreibt sie als eine Möglichkeit, dem grauen Alltagsallerlei zu entfliehen.
Die Arbeit unter Tage in Moskau blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg eine Möglichkeit, die persönlichen Lebensbedingungen zu verbessern. Dies beschreibt Wyssotzki 1975 in dem Lied „Ballade über die Kindheit“.

Abstieg in die Metro als Aufstiegschance

„Die Kinder früherer Sergeanten und Majore“ seien „in hohe Breitengrade und Stellungen vorgedrungen, weil es sich ihnen anbot, aus jenen Korridoren zunächst in die Tiefe und nicht in die Höhe zu steigen“. Damit konnten sie die langen Korridore mit den schlechten Wohnbedingungen der „Kommunalkas“ („für 38 Zimmerchen ein einziger Abort“ verlassen.

Anspielung auf politische Verfolgung

Denn „Korridore enden an der Wand“, die Tunnel hingegen „führen ans Licht“. Diese Zeilen sind Anspielungen auf die Massenerschießungen der 1930er Jahre. Wer für die Metro arbeitete, konnte nicht nur besser leben sondern war auch sicherer vor Verhaftung und Hinrichtung. Das Projekt war zu wichtig, um Arbeitskräfte in Lager nach Sibirien zu deportieren.

(adu/.rufo)