 |
|
| Hinter den nächtlichen Glitzerfassaden geht es oft nur um eins: Hormonspiegel-Regulierung gegen Cash (foto. jst/rufo) | |
Dienstag, 14.02.2006
Prostitution in Moskau - Eine Nacht im Boar-House
Moskau. Täglich werden in Moskau angeblich 5 Mio. US-Dollar im horizontalen Gewerbe umgesetzt. Ausländer sind daran nicht unbeteiligt: Eine Nacht in einem fast nur von Ausländern besuchten Club macht das deutlich.
|
|
Es ist Freitagnacht. Unterwegs mit einem mir bis vor wenigen Stunden unbekannten Begleiter aus Kalmückien. Auf einem Fest habe ich ihn kennen gelernt, nun heizen wir im Taxi quer durch die Stadt. Um drei Uhr morgens kommen wir bei der Metro Kurskaja an und gehen in das kleine geduckte Gebäude mit der Aufschrift Boar-House. Was soviel wie „Schweineladen“ bedeutet.
|
Eintritt müssen wir nicht bezahlen, man scheint sich zu kennen. Auch an der Garderobe wird mein Begleiter mit Handschlag begrüßt. Geradezu hineingelockt in den Laden hat er mich: Als „Korrespondent“, wie er mich fortwährend nennt, müsse ich diesen Club gesehen haben. Auch die Abgründe Moskaus müsse man schließlich kennen.
|
Rote Pappherzen und blonde Frauen hängen herum
|
Der Laden ist voll und an der Decke drehen sich rote Papp-Herzen im Zigarettenqualm. In der Ecke tanzen einige, andere spielen Billiard, an der Bar stehen Paare und viele einzelne Frauen. „Sprich mit den Frauen“ raunt mir der Kalmücke ins Ohr. Nicht so schnell, denke ich. Doch da spricht mich schon eine Dame an, um die 30 und sehr blond. Sehr bald kommt sie zum Ziel des Gesprächs: ob ich Interesse an ihr habe. Ich verneine vorsichtig und schon ist sie weg.
|
Das Flirten kann man sich hier sparen
|
Doch es kommen andere. Kein Mädchen weicht auch nur einem Blick aus. Viele stehen für sich und scheinen zu warten, mit den Augen die Männergruppen abtastend. Sie spielen mit den Männern eine extrem kurze Variante des Kennenslernens, um dann schnellstens zum Wichtigsten zu kommen.
|
Neben uns drei Engländer, alle um die 40. Mit jungen Mädchen, die ihre Töchter sein könnten und an ihnen hängen. „150 US-Dollar“, schwärmt der eine mit dem zerfurchten Gesicht, „mit 150 US-Dollar kannst Du jedes Mädchen hier haben“. Seit zwei Jahren sei er nun in Moskau und das Boar-House sei definitiv der beste Club der Stadt.
|
Frauen für die Briten - und was zu lesen für die Deutschen ...?
|
Fast nur Ausländer kämen hier her, sagt Julia, ein Mädchen, das sich zu mir an die Bar gestellt hat. Vor dem WC liegt stapelweise eine deutsche Zeitung aus und scheint ihre Leser zu finden. Doch auch ein paar Russen wanken vorbei: Ein Dicker in Anzug und Krawatte scheint das passende Mädchen gefunden zu haben, stützt sich auf dieses und schwankt Richtung Ausgang.
|
Es ist sechs Uhr, eine gewisse Torschlusspanik scheint sich breit zu machen. Was ich heute Abend vorhabe. Ob ich den Abend nicht mit ihr verbringen wolle, flüstert mir Julia ins Ohr. Doch ich will nicht, habe genug von alldem, hole mein Mantel und gehe. Mein kalmückischer Begleiter bleibt noch. Er ist offensichtlich nicht zum ersten Mal hier.
(jst/.rufo)
|
|
|
|
Leser-Kommentare zu diesem Artikel (und Kommentare zu Kommentaren): ↓
Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar, nachdem Sie sich hier unten für Kommentare neu registriert haben. Sie können hier oder im Forum (www.forum.aktuell.ru) mitdiskutieren.
Bisher gibt es zu diesem Artikel noch keine Leserkommentare
Überblick aller Leserkommentare zu allen Artikeln >>>