Montag, 13.08.2007

Skating in Moskau: Sommer-Karneval in der Nacht

Tricks und Kostüme - wer die Show liebt, kann sich hier präsentieren (Fotos:  ak/rufo)
Moskau. Eine warme Nacht Anfang August. Um das Karl-Marx-Denkmal auf dem Theater-Platz kreist ein Weihnachtsmann, begleitet von Samurais, Elfen und geflügelten Kühen. Drogenrausch? Nein, traditionelles Stadt-Skating.
Mindestens 300 Leute sind es an diesem Freitagabend. Ihre Gesellschaft bietet einen seltsamen Anblick. Da rollt ein Neptun vorbei, blaue Schwimmflossen auf den Händen. Daneben genießen ein Weißbekittelter mit Mundschutz und ein Mann in Pampers ruhig ihr Bier aus einer Babyflasche. Drei Mädchen in langen Ballkleidern schnüren ihre Rollschuhe.

“Der lange Rock stört gar nicht, aber das Korsett ist furchtbar unbequem”, gesteht Marina, eine der drei. Ein vorbeikommender Busfahrer stoppt sein Fahrzeug am Rande des Platzes schießt mit seinem Handy ein Foto.


Punkt ein Uhr geht es los. Das Ziel der Fahrt ist Serebrjany Bor, am Moskwa-Ufer im Nordwesten der Stadt. Die geplante Ankunftszeit wird auf fünf Uhr morgens angesetzt.

Das kostümierte Nachtskaten durch Moskau findet nur einmal im Jahr statt, hat aber bereits seit einigen Jahren Tradition, erzählt „Smile“ - wie die meisten Skaters hier stellt sich auch Viktor Arwing lieber unter seinem Spitznamen vor. “Für uns ist das eine Art Neujahrskarneval, denn der Winter fällt als Skating-Saison schließlich weitgehend aus.”

Skater aller Stile, vereinigt euch!



Gemeinsame nächtliche Nachtausflüge an sich sind bei den Skatern keine Seltenheit. Seit der Saison-Eröffnung im April gibt es sie an jedem Wochenende, meistens freitags. Auch Einsteiger können kommen und mitfahren, man würde ihnen gern ein paar neue Tricks beibringen, sagt Smile.

Traditioneller Treffpunkt für die Nchtfahrten ist dabei die Statue des “Kapital”-Autors, der auf einem Postament gegenüber dem Bolschoj Theater steht. Über die Uhrzeit oder mögliche Änderungen informiert man sich am besten vorher auf der Seite der “Föderation für Rollersport” (unter rollerclub.ru/forum).

Wer sich in Moskau zum Skaten bei Nacht noch nicht reif fühlt, sollte beim Forum der FRS trotzdem vorbeischauen. Die Föderation bietet verschiedene Kurse für Anfänger (darunter auch kostenlose), in denen Grundfertigkeiten in Freeskate, Slalom und Speedskate vermittelt werden. Wenn es im Forum nicht anders abgesprochen wird, sind die Gruppen dienstags und freitags in der Allee Mira nahe der Metrostation Park Pobedy zu finden.


Bei Tageslicht dezentralisiert in der Stadt



Anders als bei Nacht ist die Skating-Geographie in Moskau tagsüber eher zerstreut. Die populärsten Treffpunkte sind der Poklonnaja-Berg am Park Pobedy, die Aussichtsplattform auf den Spatzenbergen, die Parks Sokolniki und Gorki oder die WDNKh.

Dort können auch Rollschuhe ausgeliehen werden: Im linken Flügel des Haupteingangstores befindet sich eine Verleihstation. Einen Verleih bieten auch die“Roll-Hall” nähe Metro-Station Tulskaja und der Skatepark “Adrenalin” neben der Metro Medwedkowo. Der Durchschnittspreis beträgt 150 Rubel.

Nach der Roll-Tour ein Sprung in die Moskwa



Für freiheitsliebende Skaters seien überdachte Stadien jedoch nur zum Überwintern geeignet, meint Smile. Darum sollten auch Einsteiger besser zu Treffen im Freien, ob bei Tag oder Nacht, kommen, sagt er.


Bei Nacht lohnt es sich sogar noch mehr: Die Routen der Nachtausflüge werden immer so geplant, dass der Endpunkt am Wasser liegt. So haben auch dieses Mal in Serebrany Bor viele Teilnehmer noch vor Sonnenaufgang im kühlen Wasser gebadet.
Eine tolle Erfrischung nach der langen Strecke, auch wenn sie dazu zuerst ihre raffinierten Kostüme ablegen mussten. Außer vielleicht der Neptun und das Pampers-Kind.

(Anna Kurizina/Moskau/rufo)