Mittwoch, 16.10.2002

Schachmatowo – Sommerheimat von Alexander Blok

Die Sommerresidenz des Dichters Blok wurde nach einem Brand wieder originalgetreu hergestellt (Foto: Schachmatovo Museum)
Rund 100 Kilometer nordwestlich von Moskau liegt Schachmatowo. Hier befindet sich die ehemalige Sommerresidenz des Dichters Alexander Blok. Er ist einer der berühmtesten Symbolisten in der russischen Poesie.
Das Gutshaus Schachmatowo kaufte Bloks Großvater 1874 auf Anraten seines guten Freundes, des weltbekannten Chemikers Dmitri Mendelejew. Mendelejew selbst war seit 1865 Besitzer des Guthauses Boblowo, etwa 7,5 km von Schachmatowo entfernt.
Der am 28. November 1880 in St. Petersburg geborene Alexander Blok wurde schon im Sommer 1881 zum ersten Mal nach Schachmatowo gebracht. Seit dieser Zeit verbrachte er in dem Haus fast jeden Sommer. Schachmatowo wurde zur geistigen Heimat des Dichters. Hier schuf er mehr als 300 Werke.

Wie um die Jahrhundertwende


Auf dem Gut lernte Blok auch Mendelejews Tochter, die Schauspielerin Ljubow Mendelejewa kennen. 1903 heirateten die beiden in der Erzengel-Michael-Kirche des Dorfs Tarakanowo, das zwischen Schachmatowo und Boblowo liegt.
Nachdem Blok das Gutshaus geerbt hatte, baute er es 1910 um. Unter anderem wurde im Obergeschoss die Bibliothek untergebracht.
Anfahrt aus Moskau:
Mit dem Auto: Leningrader Chaussee bis Solnetschnogorsk, an der Kreuzung Tarakanowskoje Chaussee nach rechts und 18 Kilometer bis zum Dorf Tarakanowo. Von dort 2,5 Kilometer zum Gutshaus Schachmatowo.

Mit dem öffentlichen Verkehr: Mit einer Elektritschka vom Leningrader Bahnhof bis zur Station Podsolnetschnaja. Dann mit dem Bus bis zum Dorf Tarakanowo und weitere 2,5 km zu Fuß zum Gutshaus Schachmatowo.
Im Juli 1921 brannte das Haus ab. Über die Ursachen des Feuers gibt es unterschiedliche Versionen: Eine besagt, dass plündernde Bauern das Gebäude angezündet haben sollen. Wiederaufgebaut und für Besucher feierlich eröffnet wurde es erst am 05. August 2001.

Die Innenausstattung des wiederaufgebauten Hauses ist dieselbe, wie vor dem Brand 1921. Möbel, Gemälde und sogar der Großteil der Bücher, die nach der Oktoberrevolution von den Bauern gestohlen wurden, wurden zur Museumseröffnung zurückgebracht. Auf diese Weise bekommen Besucher einen Eindruck, wie die Bloks um die Jahrhundertwende gelebt haben.

Perfekter Ort für Romantiker


Um das Haus herum erstreckt sich ein schöner Park. Zwischen den Bäumen findet man den Zaun mit der Pforte, wo Blok und seine zukünftige Gattin Ljubow ihre Rendezvous hatten. Hinter dem Zaun befindet sich ein kleiner Waldteich. Ein perfekter Ort für Romantiker!

Für Blok-Fans lohnen sich auch Ausflüge in die Umgebung zu weiteren Stationen aus Bloks-Leben – so zum Beispiel in das bereits erwähnte Dorf Tarakanowo: Am Dorfrand steht die ehemalige Dorfschule und daneben das Lehrerhaus. Seit einigen Jahren sind diese Häuschen in Museen verwandelt. Die Ausstellung erzählt sowohl von Alexander Blok, als auch von seinem berühmten Nachbarn und Schwiegervater Dmitri Mendelejew. Im Museum sind exklusive Familienfotos zu sehen.

Hundert Meter von der Dorfschule entfernt befindet sich die halbzerstörte Erzengel-Michael-Kirche, wo Blok und Ljubow Mendelejewa sich 1903 trauen ließen. Heute sind von der Kirche nur noch die Wände, das Dach und das Baugerüst, das schon seit mehr als 30 Jahren die Wände stützt, erhalten.

Wer erfand den Wodka?


Im ungefähr sechs Kilometer von Tarakanowo entfernten Dorf Boblowo befand sich das Gutshaus vom weltbekannten Chemiker Dmitri Mendelejew. Hier schrieb er mehrere Bücher und Lehrbücher und erstellte auch sein berühmtes Periodensystem der chemischen Elemente. Ob er an selber Stelle die Formel für Russlands Nationalgetränk Wodka herausgefunden hat, bleibt ein ungelöstes Rätsel.
Nach der Oktoberrevolution verbrannte das Obergeschoss des Hauses. Bis jetzt bleiben die Brandursachen unklar: geschah es aus Unachtsamkeit oder setzte Mendelejews Sohn Iwan selbst das Haus in Brand.
Nach dem Brand soll er den Bauern gesagt haben: „Nehmen sie alles, damit nichts verloren geht!“