Sonntag, 06.10.2002

Zarizyno - eine Zarinnen-Laune

Das Projekt von Zarin Katharina der Grossen wurde erst 2008 zu Ende gebaut (Foto: Kuhlmann/.rufo)
Laune einer Zarin, so könnte man Zarizyno übersetzen. Eigentlich heißt Zarizyno „Zarenort“ und gehörte zunächst dem Vater des Satirikers und Dichters Kantemir. Doch dann hatte Katharina die Große so eine ihrer Launen ...
Katharina erwarb das Anwesen 1775, um hier eine Sommerresidenz anlegen zu lassen. Die deutschstämmige Kaiserin, die ihr Reich eigentlich von St. Petersburg aus regierte, wollte „in Moskaus Nähe wie eine einfache Gutsbesitzerin leben", wie sie es laut Geschichtsschreibern ausdrückte.
Die Koordinaten
Dolskaja Uliza

Nächste Metro: Zarizyno oder Orechowo
Der beauftragte Architekt baute einen neogotischen Palast. Doch auf Neogotik hatte die Zarin keine Lust. Also ließ sie den fast fertiggestellten Bau 1785 erst einmal wieder einreißen. Ein neuer Architekt, ein neuer Palast mussten her. Doch auch der zweite Bauversuch hielt den Launen der Zarin nicht stand. Noch bevor er beendet war, hatte Katharina an Zarizyno ganz das Interesse verloren. Die Bauarbeiten wurden schließlich 1793 eingestellt.
Hauptpalast, Wirtschaftsgebäude, Pavillons, Brücken: alles blieb halbfertig stehen. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden bloß noch ein paar Parkpavillons im neoklassizistischen Stil zu Ende gebaut.
Wozu die wählerische Zarin keine Lust hatte, erfreut heute die Moskauer. Sie erholen sich im weitläufigen Park beim Spazieren gehen zwischen Ruinen und Teichen.
Bootsverleih und klassische Konzerte im Opernhaus (am Wochenende) machen die Fahrt nach Zarizyno auch für Spaziermuffel interessant.