Freitag, 31.05.2002

Christ-Erlöser-Kathedrale: Phönix unter Moskaus Kirchen

Die Christ-Erlöser-Kathedrale wurde erst über 70 Jahre nach ihrer Zerstörung wieder aufgebaut (Foto: rufo)
1812 – die kümmerlichen Reste von Napoleons Armee waren gerade der russischen Armee über die Grenzen nach Westen entkommen. Da lies Zar Alexander I. zu Ehren der siegreichen russischen Armee eine Kirche bauen.
Der Bau begann 1817. Doch das Projekt stand unter keinem guten Stern. Probleme mit dem Grundwasser zwangen die Baumeister schließlich, die Arbeiten wieder einzustellen. 1832 kam neue Bewegung in die Sache. Zar Nikolaus I. suchte persönlich eine andere Stelle aus. Genau am Ufer der Moskwa, unweit des Kreml, hier solle die neue Kathedrale entstehen.
Und so geschah es. Wenn auch gemächlich. Bis 1839 dauerte es, das der Grundstein gelegt wurde, 1862 war das Dach fertig und 1881 sogar die Fresken im Inneren. Über vierzig Jahre schließlich dauerte der Bau des 103 Meter hohen Gotteshauses. In seinem Inneren war genug Platz, um die Namen der russischen Heldenkämpfer gegen Napoleon in die Wände einzugravieren.
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Doch die Kirche stand an zu verlockender Stelle. Despot Stalin ließ sie 1931 in die Luft sprengen, um Platz für den Bau eines gewaltigen "Palastes der Sowjets" zu schaffen.

Das Hochhaus hätte der damals mit weitem Abstand höchste Wolkenkratzer der Welt werden sollen. Bis heute halten sich unzählige Legenden, warum dieser gigantomanische Plan nicht umgesetzt wurde. Nur die Baugrube des Wolkenkratzers wurde ausgehoben. Nach dem 2. Weltkrieg befand sich hier das beliebteste Freibad Moskaus.

Der Wiederaufbau der Kirche wurde nach dem Zerfall der UdSSR zum wichtigsten Bauprojekt der Orthodoxen Kirche und des Moskauer Bürgermeisters Jurij Luschkow, der seinen Hofkünstler Surab Zereteli mit der Innenausgestaltung beauftragte.



In nur wenigen Jahren wurde die Kirche für 250 Millionen US-Dollar in Tag- und Nachtarbeit wieder aufgebaut und erneut zur Hauskirche des russischen Patriarchen. Und mittlerweile haben sich auch die lautesten Gegner mit dem heftig umstrittenen Wiederaufbau der größten Kirche Moskaus abgefunden.

Von außen sieht die Christ-Erlöser-Kathedrale so aus, wie das Original aus dem 19. Jahrhundert.

In der wiederaufgebauten Kathedrale, die 10.000 Gläubigen Platz bietet, brauchen die orthodoxen Würdenträger heute aber weder auf einen modernen Konferenzsaal, noch auf eine Tiefgarage zu verzichten.
Seit einiger Zeit ist die Kathedrale auch wieder für Besucher zugänglich. Der nicht gerade billige Ausblick vom Turm lohnt sich.