Montag, 24.05.2010

Ein unerlaubter Blick von der Lomonossow-Universität

Nur der Blick vom Fernsehturm in Ostankino ist möglicherweise noch schöner. (Foto: Schultz/.rufo)
Moskau. Der Turm der Lomonossow-Universität ragt 235 Meter in den Himmel und bietet einen fantastischen Blick auf Moskau. Normalerweise ist er für Touristen nicht zugänglich, doch der Einlass kann erschlichen werden.
In den obersten Etagen der Lomonossow-Universität, der staatlichen Hochschule Moskaus (MGU), sind verschiedene Ausstellungen des Museums für Erdwissenschaften untergebracht, die dem Besucher nicht nur über tektonische Besonderheiten informieren, sondern auch einen fantastischen Blick auf die russische Hauptstadt ermöglichen.

Das Museum der Erdwissenschaften selbst ist unscheinbar. Nur wenige Fahrstühle fahren überhaupt bis in die 28. Etage. Eine schwere vergitterte Eisentür versperrt den Weg ins Museum.

Exponierte Lage

Um Zugang zu erhalten, muss der Türring fest gegen das Eisen geschlagen werden. Ein dumpfer Laut ertönt, und die diensthabende Museumsaufseherin gewährt Einlass in einen dunklen Raum, der bis zur Decke gefüllt ist mit Exponaten.

Zwischen Meteoritensplittern und Vulkangesteinen blickt man auf die Moskauer Skyline – auf den Moskwa-Fluss und das Luschniki-Stadion, auf die goldenen Kuppeln des Neujungenfrauenklosters sowie die Türme der Kremlkirchen.

In der Ferne kann man die Ringstraßen, die sich wie konzentrische Kreise um das Stadtzentrum legen, erahnen. Von den anderen sechs Stalin-Hochhäusern, die majestätisch in den Himmel ragen, fühlt man sich als Betrachter geradewegs umzingelt.

Eingeschränkter Zutritt

Die Lomonssow-Universität ist mit 235 Meter die größte der „Sieben Schwestern“, wie die Monumentalbauten im Zuckerbäckerstil auch genannt werden. Leider ist sie für Touristen nicht zugänglich und darf nur mit Studentenausweis betreten werden.

Die Studenten wissen um den elitären Blick, den ihre Universität auf Moskau gewährt und helfen gerne aus. Ohne Weiteres besorgen Sie dem neugierigen Besucher einen Studentenausweis. Mit etwas Glück ähnelt der generöse Spender sogar einem selbst.

Ernste Miene zu heiterem Spiel

So passiert man dann schnellen Schrittes und mit ernster Miene den Eingangsbereich. Bei 40.000 Studenten reicht den Wächtern ein kurzer Blick auf den Aufweis, den man möglichst authentisch auf Brusthöhe kurz auf- und zuklappt, bevor man Wächter und Metalldetektoren passiert.

Ohne Ausweis bleibt immer noch die Möglichkeit, das Blaue vom Himmel zu lügen. Nach Auskunft der Studenten ist die Ausrede, dass jemand aus Sektor A auf einen Besuch warte, am vielversprechendsten.

Der Ausblick auf Moskaus Silhouette lohnt jedenfalls. Nirgendwo sonst, kann man so ungestört auf die Moskauer Skyline blicken, denn Studenten oder Professoren verirren sich nur selten in die Ausstellungsräume. Das Museum ist unscheinbar, aber der Blick auf Moskau einzigartig.

(Schultz/.rufo)