Samstag, 19.10.2002

Majakowski-Museum - Dem Schreihals der Revolution

Der Eingang des Majakowski-Museums (Foto: Strache/.rufo)
Im Haus, wo Wladimir Majakowski wohnte und starb, ist ein Gedenk-Museum eingerichtet worden. Chaotisch, schwer zugänglich und einfach anders wird es der Person und dem Werk des Schriftstellers durchaus gerecht.
Ein kleines Kämmerchen in der vierten Etage des Hauses gegenüber der Lubjanka: Stuhl, Schreibtisch, Diwan – so wie sie Majakowski im Haus, in dem er von 1913 bis zu seinem Tod 1930 gelebt hatte, hinterließ. Das Zimmer steht in scharfem Kontrast zum Rest des Museums. Nach dem Blick auf dessen Ausstattung beginnt die Reise durch das Leben des Schriftstellers.

Die Koordinaten
Lubjanski Proezd 3/6
Metro: Lubjanka
10–18 Uhr, Do 13-21 Uhr
Mi geschlossen
Erwachsene 90, Studenten 50 Rubel
Zugang durch die Buchläden!
Es herrscht ein arrangiertes Chaos. Schwere Eisenträger wurden in grellen Farben bemalt. Durch gelbe, grüne oder rote Abschnitte bewegt man sich auf breiten Rampen dem Keller des Gebäudes entgegen. Überall scharfe Kanten und Ecken. Die Rampen ersetzen die frühere Inneneinrichtung. Aus der Zeit vor dem Museum ist nur das Treppenhaus, das noch heute zum Aufstieg zu Majakowskis Zimmer benutzt werden muss, übrig geblieben.

Eine grosse Collage


Es ist eigentlich ein Anti-Museum, das man Majakowski gewidmet hat: Schön angerichtet und ausgeleuchtete Vitrinen sucht man vergebens. Ebenso fehlen Kärtchen, die über die Bedeutung des Gezeigten Auskunft geben könnten, praktisch vollständig. Der Besucher kann sich aus der gewaltigen Collage entnehmen, was er will oder kann. Einen Roten Faden gibt einzig die Lebensgeschichte des Autors vor, die hier und da angedeutet oder in Symbolen dargestellt wird.

Fotografien, Zeitungsschnipsel, Plakate von Vorträgen oder Aufführungen wild durcheinander überall hingeklebt – dies ist ein Versuch, die Vielseitigkeit Majakowskis wiederzugeben. Der Futurist hatte gemalt, geschrieben, gefilmt und entworfen. Herausragend sind denn auch die vielen „ROSTA“-Fenster, die praktisch an jeder Wand zu finden sind. Sieht man über den propagandistischen Inhalt der Plakate hinweg, geben sie einen guten Einblick in die Schaffensweise des Autors: Auf das Notwendigste reduzieren und aufrütteln.
So ist das Museumskonzept sicherlich im Geist des Künstlers umgesetzt. Wenn auch die beiden übergroßen schwarzen und weißen Särge, die im letzten Raum an seinen Selbstmord erinnern, doch etwas zu pathetisch geraten sind. (ldc/.rufo/Moskau)