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Marina Zwetajewa: bedeutende russische Dichterin des 20. Jh.
Marina Zwetajewa: bedeutende russische Dichterin des 20. Jh.

Marina Zwetajewa Museum: Radikal bis in den Tod

Marina Zwetajewa gehört zu den bedeutenden Schriftstellerinnen des 20. Jahrhunderts. Im Moskauer Wohnhaus wird ihre Lebensgeschichte greifbar. Fotos, Möbel und Dokumente berichten von einem bewegten Schicksal.

„Zwetajewa war eine schaffensfreudige Frau, mit einer männlichen Seele, entschlossen, kämpferisch, unbezähmbar. Ich fürchtete, dass für sie und ihre bedeutende Familie das Leben in Russland beschwerlich und beunruhigend sein würde. Die Tragödie dieser Familie übertraf bei weitem alle meine Befürchtungen." Boris Pasternak sagte dies über die Frau, die zu den bedeutendsten Dichterinnen des 20. Jahrhunderts zählt.

Oase der Ruhe


Bei Russland-Aktuell
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• Russland Geschichte: Puschkin-Museum eröffnet (13.06.2007)
Durch Revolution, Bürgerkrieg und Emigration wurde Marina Zwetajewa eine Heimatlose. Die radikale Dichterin und Liebende bezahlte ihre Radikalität mit dem Leben: Im Jahre 1941 wählte die 1892 in Moskau geborene Zwetajewa in Jelabuga, Tatarstan, den Freitod.

Die Moskauer Wohnung der Zwetajewas in der Straße Borisoglebnij Pereulok erscheint wie eine Oase der Ruhe. Lichte und dunklere Räume wechseln sich in der verwinkelten, drei Stockwerke umfassenden Wohnung ab.

Ende des Familienglücks



1914 zog die Dichterin mit ihrem Mann Sergej Efron und ihrer Tochter Ariadna ein. Ihre zweite Tochter Irina erblickte 1917 in der Wohnung das Licht der Welt.

Die Oktoberrevolution von 1917 veränderte das Familienleben dramatisch: Sergej Efron schloss sich der Weißen Armee an. Und 1922 verließ auch Marina Zwetajewa Moskau, um ihrem Mann nach Jahren der Trennung in die Emigration zu folgen.

Die Koordinaten
Borisoglebski Pereulok 6
Metro: Arbatskaja oder Smolenskaja
Täglich, außer Samstag,
12 bis 17 Uhr geöffnet
Eintritt frei

Möbel gegen Nahrung


Die Möbel, die heute in der Wohnung stehen, sind nicht original - bis auf wenige Ausnahmen im Kinderzimmer. Denn bereits bevor Zwetajewa Russland verließ, hatte sie viele ihrer Einrichtungsgegenstände verkaufen müssen, um in den Jahren der Moskauer Hungersnot überhaupt etwas Geld für Nahrungsmittel zu bekommen.

Noch bevor man in Zwetajewas Zimmer gelangt, kommt man durch einen fensterlosen Raum, in dem ein Flügel steht. Er erinnert daran, dass die Mutter der Dichterin – selbst eine Pianistin – aus der kleinen Marina ebenfalls eine Musikerin machen wollte.

Gedichte auf Tapeten



Auch wenn sie in ihrer Wohnung Klavier spielte: Marina wurde Dichterin. Gegen den Willen der Mutter, die für die Berufung nur Geringschätzung übrig hatte. Was vom mütterlichen Drill blieb: Das Gespür für Rhythmus, Melodie und Klang, das sich in Zwetajewas Dichtung zeigt.

Auf die Tapeten mit hellgrünen und rosafarbenen Blumenmustern an den Wänden in ihrem Zimmer sind Gedichte und Verse geschrieben. Doch auch diese kleinen, keinesfalls raumgreifenden Buchstaben in dunklem Rot erinnern nur an Zwetajewas Gewohnheit, das Notizbuch durch die Tapete zu ersetzen. Die Schrift an der Wand neben der Büchervitrine, dem Sekretär oder über dem Sofa ist nicht Zwetajewas Schrift. Nach ihrer Emigration wechselten mit den Bewohnern auch die Tapeten und die Wohnung wurde schließlich zur Kommunalka.

Rastlose Wanderschaft



Ein Dutzend Schwarz-weiß Fotos von Häusern in Berlin, Prag und Paris im Mansardenzimmer des zweiten Stocks zeigen die Stationen von Zwetajewas Emigration. Die manchmal in kurzer Folge wechselnden Daten unter den Fotos der Wohnhäuser lassen etwas von der Getriebenheit erahnen. Mehr als andeuten können sie dieses unruhige Leben, die von Armut und Isolation geprägte Unbehaustheit natürlich nicht.

Die Damen, die die Ausstellungsstücke in dem kleinen Museum beaufsichtigen,

wirken auf den ersten Blick vielleicht etwas distanziert. Tatsächlich aber freuen sie sich sehr, wenn sie über Leben und Werk der großen Dichterin Auskunft geben können – und es klingt dann so als sprächen sie über eine gute, wenn auch von ihnen sehr verehrte Bekannte.(abi/.rufo/Moskau)


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