Samstag, 19.10.2002

Museum für Moderne Geschichte – Krieg und Frieden

Das Museum für moderne Geschichte (Foto: Strache/.rufo)
Einen Einblick in Russlands bewegte jüngere Vergangenheit bietet das Museum für Moderne Geschichte: Ohne offensichtliche Verfälschungs-absichten, aber doch hin und wieder mit einer sehr eigenen Darstellungsweise.
Links Porträts der letzten Zaren, rechts ist Putin in verschiedenen Positionen abgelichtet – gleich im ersten Auststellungsraum werden einem die Ansprüche des Museums für Moderne Geschichte klar: nicht weniger als einen Gesamtüberblick über die letzten 150 Jahre russischer Geschichte will es bieten.

Dazu füllt es rund 30 Räume in einem klassizistischen Bau an der Twerskaja Uliza. Der kleine Palast steht etwas zurückversetzt von der Strasse. Hier hat früher der Englische Klub Moskaus 150 Jahre nobel residiert, bevor schon 1924 ein Revolutionsmuseum eingerichtet wurde, das wiederum 1998 seinen heutigen Namen erhielt.

Ein Museum der Kriege


Im Hof des Museums sogleich die anscheinend wichtigsten Artefakte zeitgenössischer russischer Geschichte – Kriegsmaschinen. Das Sujet zieht sich durch die ganze Ausstellung: Japanischer Krieg, Revolution, Vaterländischer Krieg und so weiter. Die Ausstellungsmacher halten sich aber zum Glück zurück mit der Präsentation von Uniformen oder Schlachtplänen. Viel mehr versuchen sie die blutigen Ereignisse nicht bloß mit Bildern von Kampfhandlungen, sondern ihre verschiedensten militärischen und zivilen Facetten darzustellen und auch die Gründe für die Entstehung der Konflikte einzubeziehen.

Die Koordinaten
Twerskaja Ul. 21
Metro: Twerskaja
Di, Mi, Fr, So: 10 bis 18 Uhr
Do und Sa: 11 bis 19 Uhr
Mo: geschlossen
Erwachsene 150, Kinder und Studenten 70 Rubel.
Es ist ein sehr visuelles Museum. Im Zentrum stehen Fotografien und Alltagsgegenstände, die in den hohen Räumen des Klubs mit altem Parkett und Kronleuchtern, etwas deplaziert wirken. Die Exponate sind nur auf russisch erklärt. Dafür gibt es in jedem Raum eine englischsprachige Erklärung zum jeweiligen Ausstellungskonzept und dem Geschichtsabschnitt.

Ehrlich, aber...


Typisch Historiker, die konsequent eingehaltene Chronologie. Von der Industialisierung Ende des 19. Jahrhunderts bewegt man sich von Raum zu Raum näher an die Wilden 90er. Auf diesem Weg werden heikle Themen wie der Bürgerkrieg Anfang der 20er Jahre nicht ausgelassen. Auch Hungerkatastrophen oder der Terror unter Stalin bekommen ihren Platz. Leider etwas stiefmütterlich in wenigen Zeilen abgehandelt und nicht so pompös inszeniert wie der Kampf gegen Nazi-Deutschland.

Die Qualität der einzelnen Austellungsräume nimmt immer mehr ab, je näher sie an der Gegenwart liegen. Für an der Geschichte der ersten Hälfte des 20 Jahrhunderts Interessierte lohnt sich ein Besuch. Will man aber etwas über die Umwälzungen der 90er Jahre erfahren, nur dann, wenn man diese wie die Austellungsmacher auf Aktivitäten Putins und ein paar Dosen Cola reduziert. (ldc/.rufo/Moskau)