Freitag, 31.05.2002

Basiliuskathedrale - Ruhm und Hohn für den Zaren

Basiliuskathedrale auf dem Roten Platz (Foto: khs/.rufo).
Eigentlich heißt sie Pokrowski Sobor Wassilija Blaschenowo. Weil das für Deutsche mindestens zwei komplizierte Worte zu viel sind, hat ihr ein kluger Kopf einen einfachen Namen gegeben: Basilius-Kathedrale.
Orientalisch-fremd für westliche Augen sehen die neun Türme aus, die da aus dem Roten Platz auftauchen. Das Wahrzeichen Moskaus ist heute nur noch Denkmal, Gottesdienste finden hier schon lange nicht mehr statt.

Eigentlich besteht die Basilius-Kathedrale aus acht kleineren Kapellen, die in streng geometrischer Regelmäßigkeit um die mittlere Turmkirche herum angeordnet sind. Jede Kapelle hat ihren eigenen Turm, alle zusammen bilden einen gemeinsamen überdachten Komplex.

Gebaut haben das Meisterwerk 1555 bis 1561 die Baumeister Barma und Postnik für Iwan den Schrecklichen. Anlass war die Eroberung von Kasan im Krieg gegen die Tataren.

Eine Kirche von blendender Schönheit


Nach der Vollendung soll der schreckliche Iwan angeordnet haben, dass man die beiden Herren Architekten blenden lässt. Doch die leicht makabre Legende beweist nur, wie sehr das Bauwerk die Zeitgenossen beeindruckte. Denn vier Jahre nach des Zaren Ableben, so viel ist durch Quellen verbürgt, fügten die angeblich Geblendeten eine weitere Kapelle an.
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Da hieß die ganze Kirche noch Mariä-Schutz-Kathedrale, nach dem Feiertag, an dem Kasan fiel. Doch die neue Kapelle hatte es in sich. Sie war über dem Leichnahm des Gottesnarren Wassilij (Basilius) gebaut worden, der in jenem selben Jahr gestorben war, als Iwan Kasan einnahm.

Gottesnarren waren Wandermönche. Im Volk und oft auch bei den Zaren äußerst populär, wurden sie nicht selten sogar als Heilige verehrt. So auch Wassilij. Offen hatte er die Gewaltherrschaft Iwans angeprangert und bekam nun dennoch eine eigene Kapelle in des schrecklichen Zaren Prachtkirche.
Nach und nach wurde aus der Mariä-Schutz-Kathedrale die Basilius-Kathedrale, dem Zaren zum Hohn. Doch der hätte es vielleicht ausnahmsweise mit Gleichmut genommen. Schließlich war auch er ein Fan seines närrischen Kritikers.