Flucht vor dem Stau: VIP-Beamte erhalten Hubschrauber
Putin verspricht den Demonstranten mehr Demokratie
Startseite


Der Rote Platz ist gemeinsam mit dem angrenzenden Kreml das Wahrzeichen Moskau
Der Rote Platz ist gemeinsam mit dem angrenzenden Kreml das Wahrzeichen Moskau

Weltberühmtes Pflaster: Der Rote Platz

Der Rote Platz ist für Russen ein mythischer Ort. Viele tausend Kilometer kommen sie mit dem Zug nach Moskau, vor allem, um einmal über das berühmte, buckelige Kopfsteinpflaster des Paradeplatzes geschlendert zu sein.

Schauen Sie mal hin, wenn sie dasselbe tun: Die Augen und Münder dieser russischen Durchschnitts-Familien sind noch größer, als die der Touristen aus Deutschland und Amerika. Der Rote Platz ist wie kein anderer Ort Symbol für die Geschichte Russlands. Und wenn auch nur in den Köpfen der Menschen.

Vor allem die Sowjetmacht lud den Platz mit Geschichtssymbolik förmlich auf. Rauchen war hier zu Sowjetzeiten verboten. Vor Lenins Marmor-Sarkophag sollten die Ritzen des Pflasters nicht mit unästhetischen Kippen aufgefüllt werden.

Rauchen verboten


Heute ist Rauchen vielleicht immer noch verboten. Das weiß keiner mehr so genau. Ist aber auch nicht wichtig, denn mit den Hunderte Meter langen Schlangen vor der einst wichtigsten Staatsleiche der UdSSR verschwand auch die symbolische Daueraufladung des Platzes mit Geschichte.

Heute lässt man sich vor der Kulisse des Historischen Museums am Eingangstor zum Platz vom Profi-Fotographen zwischen zwei lächelnden Doubles ablichten. Links Iwan der Schreckliche, rechts Lenin, der unsterbliche Revolutionär.

Und der Platz neben der Basilius-Kathedrale wird, seit hier der deutsche Abenteurer Mathias Rust 1987 mit seinem Sportflugzeug landete und die Sowjetunion ins Wanken brachte, im Volksmund "Scheremetjewo 3" genannt.

Vor- und Frühgeschichte des Roten Platzes


Bis Ende des 15. Jahrhunderts standen hier bis an die Kremlmauer Häuser. Den Platz, der dann entstand, nannten die Moskauer zuerst "torg" (=Handel). Erst im 17. Jahrhundert kam der Name Krasnaja Ploschtschad auf. Krasnaja bedeutete damals noch sowohl rot als auch schön. Erst im 20. Jahrhundert wurde allmählich aus dem "Schönen Platz" der "Rote Platz".

Da, wo jetzt Lenins Mausoleum steht, gab es bis 1812 noch einen 30 Meter breiten Festungsgraben entlang der Kremlmauer. Als die Franzosen abgezogen waren und die Stadt teilweise ganz neu aufgebaut werden musste, schüttete man den Graben zu.

Hier wurde Pugatschow geköpft


Der Rote war schon immer ein politischer Platz. Hier verlasen Herolde die Zarenerlasse. Hier wurden so berühmte Staatsfeinde wie der Bauernführer Stenka Rasin, 2.000 Strelizen und der Kosaken-Rebell Pugatschow gevierteilt, geköpft oder sonst wie hingerichtet.

Bei den Strelizen soll Peter I. sogar selbst das Beil geschwungen haben. Die Hinrichtungen fanden meist genau vor der Rundtribüne statt, manchmal auch auf ihr.
Video bei aktuell.RU
Ein Video Rundblick von Basilius-Kathedrale bis Scheremetjewo 3
Zuerst wurden die öffentlichen Hinrichtungen abgeschafft, nach dem August-Putsch 1991 schließlich auch die Militärparaden zum Jahrestag der Revolution, dem 7. November. Ebenfalls mit dem Arbeiter- und Bauernstaat abgeschafft: die Arbeiteraufmärsche am 1. Mai, dem Tag der Arbeit.
Der Rote war aber auch immer schon Handelsplatz. Zuerst gab es lange Budenreihen, wie heute noch an vielen Metrostationen außerhalb des Zentrums. Ende des 19. Jahrhunderts wurde dann das lange Zeit größte Kaufhaus Russlands gebaut: Das GUM (Staatliches Universal-Geschäft).

Moskau siegreich über Tataren


Und er war immer ein Platz der Kirchen. Zeitweise hieß er sogar Dreifaltigkeitsplatz, nach einer Kirche, die hier einst stand. Mitte des 16. Jahrhunderts ließ Iwan der Schreckliche im Angedenken an seine Siege gegen die Tataren Moskaus Wahrzeichen errichten: Die Basilius-Kathedrale. Und Fürst Poscharski ließ 1635 hier die Kasaner Kathedrale bauen.

Das kleine Kirchlein war der Dank an Gott für die Befreiung Russlands von den polnischen Invasoren. Die hatte der Fürst vorher mit Hilfe des Metzgers Minin-Sochoruk und dessen Volksheer eigenhändig in die Flucht geschlagen. Beide Helden sind im Denkmal verewigt, das nun vor der Basilius-Kathedrale steht. Die Kasaner Kathedrale wurde in den dreißiger Jahren abgerissen, inzwischen wurde sie wiederaufgebaut.

Platz der Wissenschaften


Was nur wenige wissen: Der Rote war fast 120 Jahre lang auch Platz der Wissenschaften. 1755 nahm hier die erste Moskauer Universität, die zweite im Lande, den Lehrbetrieb auf. Seit 1871 steht an jener Stelle (zwischen Kasaner Kathedrale und Kremlmauer) der dunkelrote Backsteinbau des Historischen Museums. Die Uni wurde damals ein paar Hundert Meter weiter an die Mochowaja Uliza verlegt.

Was wäre der Rote Platz ohne Stalin! Zumindest um eine rote Attraktion ärmer. Er war es, der Lenin gegen dessen letzten Willen, in eine klimatisierte Gruft mit Marmorhülle an die Kremlmauer setzen ließ.

Eigentlich wollte Lenin selbst hier gar nicht liegen


Lenin war im Januar 1924 nach den offiziellen Trauerfeiern zuerst in einem provisorischen Holzmausoleum ausgestellt worden. Der jetzige Bau entstand 1930 und hatte auch eine ganz pragmatische Funktion: Er war Regierungstribüne bei den Militärparaden und Aufmärschen von Arbeitern, Bauern, Komsomolzen.

Links und rechts davon baute man gleich noch ein paar Ehrentribünen für 10.000 Gäste. Und nach und nach wurde aus dem kleinen Garten an der Kremlmauer ein kleiner Promi-Friedhof.

Promi-Friedhof


Stalin, der sich nach seinem plötzlichen Tod 1953 selber neben den Gottvater Lenin ins eigene Mausoleum hatte legen lassen, wurde 1961 von Nachfolger Chruschtschow an die Kremlmauer verlegt.

Andere Persönlichkeiten, denen man hier begegnet, sind: Lenins Frau Nadeschda Krupskaja, die deutsche Clara Zetkin, Kalinin, Breschnew und die sowjetische Antwort auf Elvis Presley, Jurij Gagarin, erster Mensch im Kosmos und bei einem Flugzeugabsturz 1968 heldenhaft verunglückt.
Gruft und Promi-Friedhof kann man nur zusammen besuchen. Rucksäcke und Kameras müssen zu Hause bleiben, man kann sie auch am Touristen-Eingang in den Kreml abgeben (Alexandergarten).

Dauerschlange vor dem Mausoleum


Heute, wo die Dauer-Schlange vor dem Mausoleum nur noch auf alten Fotos weiterlebt, sind die Lenin-Besuchszeiten stark eingegrenzt. Dann wird der ganze Rote Platz abgesperrt, und man glaubt, die Uhr drehe sich zurück.

Zwischen Kremlmauer und Historischem Museum wächst an der Absperrung eine Lenin-Schlange! Also schnell alle Hämmer (Lenin liegt unter Glas) und Fotoapparate abgeben und selber einreihen.
Leider ist Schlangestehen hier kein originär sowjetisches Erlebnis mehr. Vorder- und Hinterleute sprechen meist irgendeine unbekannte Fremdsprachen, und im Unterschied zur realsozialistischen Schlange weiß man auch, wofür man trotz Regen ansteht.
Über die aktuellen Öffnungszeiten informiert eine kleine Tafel rechts neben dem Mausoleum. Viel Spaß!

Artikel versenden Druckversion





nach oben
Alle Berichte aus dieser Rubrik
Alle Artikel vom Samstag, 01.06.2002
Zurück zur Hauptseite







Wie tief das Thermometer auch sinkt - die größte Ikonenauswahl gibt es auf der "Vernisage" (Foto: Mrozek/.rufo)
Die populärsten Artikel der letzten drei Tage


Mail an die Redaktion schreiben >>>



Moskau espresso
Schnelle Stadtnachrichten

06.02.2012Wirtschaftsclub lädt zum Neujahrsempfang ein
06.02.2012Polizist bei Kontrolle von Mercedes angefahren
03.02.2012Protest-Tag: Wo und wann in Moskau demonstriert wird
03.02.2012Frieren gegen Putin: Die Opposition geht auf die Straße
03.02.2012Erste Moskauer Superstaus 2012: nichts geht mehr
03.02.2012Erste Moskauer Superstaus 2012: nichts geht mehr
02.02.2012Amtsarzt warnt vor Demonstrationen bei bitterer Kälte
01.02.2012Oppositionelles Riesenbanner am Kreml: “Putin, geh!“
30.01.2012Moskauer Sexual-Serienmörder bekommt lebenslang
30.01.2012Moskauer Lehrer sollen am 4. Februar zur Pro-Putin-Demo
26.01.20124. Februar: Oppositionsmarsch in Moskau ist genehmigt
25.01.2012Medwedew sieht sich nicht am Ende seiner Laufbahn
25.01.2012Stadtverwaltung lehnt Massendemo im Zentrum ab
24.01.2012Protestdemos in Russland: 4. Februar „sakrales“ Datum
24.01.2012Temperatur in Moskau fällt auf Minus 26 Grad Celsius

Veranstaltungskalender Moskau >>>

Als Chef vom Dienst ist für Sie
im Moment im aktuellen Einsatz
André Ballin, Moskau

Schnell gefunden
Russland Veranstaltungen und Kultur-Events in D+A+CH

Die Top-Themen
Kaliningrad
Moskaus Ex-Bürgermeister macht jetzt Mist in Ostpreußen
St.Petersburg
Petersburg: Kerzen auf dem Eis für russischen Winter
Thema der Woche
Russlands Syrien-Veto: UN-Resolution ist einseitig
Moskau
Wirtschaftsclub lädt zum Neujahrsempfang ein
Kopf der Woche
Reuiger Sünder Putin will radikal reformieren
Kommentar
Russische Lehren aus dem Arabischen Frühling
Der Russland-Aktuell
Nachrichten-Monitor
Dienstag, 7. Februar
10:42 

Flucht vor dem Stau: VIP-Beamte erhalten Hubschrauber

08:56 

Onischtschenko verbietet Import von ukrainischem Käse

01:01 

Russland Geschichte: Frieden, Musik und Atomphysik

Montag, 6. Februar
18:51 

Russlands Rechnungshof beklagt Korruption in Sotschi

18:20 

Wenn Russen spielen: Eindrücke von der Spielwarenmesse

17:45 

Moskaus Ex-Bürgermeister macht jetzt Mist in Ostpreußen

16:19 

Petersburg: Kerzen auf dem Eis für russischen Winter

15:07 

Russlands Syrien-Veto: UN-Resolution ist einseitig

13:58 

Wirtschaftsclub lädt zum Neujahrsempfang ein

13:16 

Putin verspricht den Demonstranten mehr Demokratie

11:18 

Russlands Syrien-Position für Westerwelle unverständlich

10:20 

Putin-Demo als "Beweis" für Sieg in der ersten Runde

09:00 

Polizist bei Kontrolle von Mercedes angefahren

01:06 

Russland Geschichte: Anschlag in Moskauer Metro

Sonntag, 5. Februar
01:01 

Russland Geschichte: Heldentod, erste Wahl in Kirgisien

Samstag, 4. Februar
19:41 

Konkurrenz der Demos: Je 100.000 für und gegen Putin

01:01 

Russland Geschichte: Stalin, Churchill, Roosevelt in Jalta

Freitag, 3. Februar
19:33 

Protest-Tag: Wo und wann in Moskau demonstriert wird

18:30 

Frieren gegen Putin: Die Opposition geht auf die Straße

16:26 

Zaren-Rubel : Teuerste Münze in Deutschland versteigert

15:12 

Kälte killt: Die Todesopferzahlen steigen rasant

14:09 

Patriarch Kyrill: Orthodoxe Russen demonstrieren nicht

13:18 

Gennadi Gudkow: „Die Obrigkeit hat die Macht usurpiert“

11:32 

Putin macht Zugeständnisse: Annäherung mit Wählerliga?

09:46 

Russland und NATO einig über Transit aus Afghanistan

08:55 

Erste Moskauer Superstaus 2012: nichts geht mehr

01:01 

Russland Geschichte: erste weiche Mondlandung geglückt

Donnerstag, 2. Februar
19:25 

Visaanträge für Deutschland werden extern angenommen

18:07 

Blau statt grau: Neue Uniformen für Russlands Polizei

17:44 

Ukraine: Hacker erklären dem Staat den "Cyber-Krieg"

16:33 

Chodorkowski: Zweiter Wahlgang wird Putin ändern

15:21 

Kaliningrad: Universität gedenkt deutschen Ehrendoktors

14:45 

Eisige Kälte fordert erneut 20 Tote in der Ukraine

12:47 

Amtsarzt warnt vor Demonstrationen bei bitterer Kälte

12:22 

Russlands APO will im Sonderzug durch Sibirien rollen

Unseren kompletten
aktuellen News-Uberblick
finden Sie bei
russland-news.RU

Alle Berichte bei Russland-Aktuell ab 2000 finden Sie in unserem Archiv
Weitere Nutzung im Internet oder Veröffentlichung auch auszugsweise nur mit
ausdrücklicher Genehmigung der Redaktion (Chefredakteur: Gisbert Mrozek) und mit Quellenangabe www.aktuell.ru
E-mail genügt
www.Russland-Aktuell.ru (www.aktuell.ru) ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten.


Basis-Information aus Russland, der Provinz und der GUS auf deutschen Internetseiten:
www.kasachstan.ru, www.russlanddeutsche.ru, www.georgien.ru, www.abchasien.ru, www.ossetien.ru, www.waldikawkas.ru, www.grosny.ru, www.sibirien.ru, www.wolga.ru, www.baikalsee.ru, www.kaukasus.ru, www.sotschi.ru, www.baltikum.ru, www.nowgorod.ru, www.nischni-nowgorod.ru, www.nowosibirsk.ru, www.rubel.ru, www.kultur.ru, www.puschkin.ru, www.wladiwostok.ru, www.sotschi.ru ... und noch einige andere mehr!
Russia-Now - the English short version of Russland-Aktuell





google.com
yahoo.com