Dienstag, 14.10.2008

Goldener Ring Moskaus – Kulturpfad durch Russlands Herz

Die Basilius-Kathedrale auf dem Roten Platz gehört zu den Wahrzeichen Moskaus (Foto: Archiv)
Moskau. Seit über zehn Jahren arbeiten die Stadtväter am „Goldenen Ring Moskaus“. Im Herbst 2008 ist der Wanderpfad entlang des Boulevard-Rings bis zum Viertel Samoskworetschje zu 40 Prozent fertig.
Die Idee der Route mit besonders attraktiven Sehenswürdigkeiten hatte die Moskauer Stadtregierung noch 1998. Renommierte Historiker und Archäologen wurden angeheuert, die kulturell wertvollsten Objekte des alten Moskau auszuwählen.

Zeit und Geld stehen außer Frage


Ein Jahrzehnt später weiß man, dass die Zeit in diesem Fall irrelevant ist: „Es ist sowieso ein ewiges Projekt“, sagt Wassili Pankratow, Verwaltungschef im Moskauer Stadtzentrum - und meint damit, dass die historischen Gebäude und Objekte ständig gewartet und renoviert werden müssen.

Auch die Geldfrage spiele keine große Rolle: eine konkrete Investitions-Summe wurde nicht genannt. Jedoch seien für 2009 allein für das Projektieren der Wanderrouten 200 Millionen Rubel (etwa 5,7 Millionen Euro) einkalkuliert worden. Für den Ausbau einzelner der über 100 Objekte sei Moskau bereit, nochmals etwa 50 Milliarden Rubel zu investieren.

Der Geist des alten Moskau


Der eigentliche Sinn dieser Wanderpfade sei es, dem Besucher dabei zu helfen, „den Geist des alten Moskau besser verinnerlichen zu können“, sagt Pankratow. Damit nebst Geist auch der Körper was davon hat, wollen die Stadtväter die Gastronomie mit aufpolieren. So müssen alle angrenzenden Restaurants ihre Speisekarten übersetzen und Kellner mit Fremdsprachenkenntnissen anstellen. An den „kultigsten“ Sehenswürdigkeiten entlang des Pfads sind Ruhepavillons geplant – wie zum Beispiel an der Fontäne der Künste, einem beliebten Treffpunkt bei Moskauer Jugendlichen.

Außer jugendlich-kultigen Locations führt die Route zu alten Kirchen und Klöstern. Später wird sie auch die wichtigste Kathedrale der russisch-orthodoxen Kirche – die Christ-Erlöser-Kathedrale – umranken. Zuvor müssten jedoch das Kathedralen-Ensemble und die angrenzende Pretschistenka-Straße noch auf Vordermann gebracht werden.

Werbung und Autos müssen gehen


Dass eine Stadt nicht von Sehenswürdigkeiten allein, sondern auch von der Infrastruktur lebt, haben letztlich auch die hiesigen Stadtväter begriffen: „Im Zentrum wird nichts mehr gebaut, was das Stadtbild zerstören könnte“, verspricht Pankratow. Vorbei die Zeit der geschmacklosen Konsumpaläste also.

Auch wird die Außenwerbung – wegen ihren Hektar-Dimensionen fast schon berüchtigt – mit der Zeit verschwinden: die Verträge für hauswandgroße Billboards werden zukünftig einfach nicht mehr verlängert.

Als reine Fußgängerzonen sind die Kulturpfade jedoch nicht geplant. Anliegende Restaurants und Boutiquen brauchen ja eine Zufahrt. So wie auch die staatlichen Institutionen im Zentrum, deren Mitarbeiter ohne Limousine und Martinshorn ihrer Existenz beraubt wären.

So sexy wie Paris


Was sich vorerst nicht ändern wird, sind die Bedingungen im Hotelgewerbe: Preiswerte Hotels in der City seien wirtschaftlich nicht tragbar. Selbst die Vier- und Fünfsterne-Etablissements brauchen zwischen 15 und 17 Jahren bis zum Break-Even. Das Nächtigen mit dem Blick auf den Kreml wird also weiterhin ein Privileg bleiben.

Nichtsdestoweniger wird Moskau in Zukunft wohl ein etwas angenehmerer Flecken: „Wir wollen eine tourismusattraktive Stadt schaffen. Eine Stadt, die Paris und anderen Hauptstädten in nichts nachsteht“, resümiert Pankratow.

(ali/.rufo)