Dienstag, 28.05.2002

GUM – Das größte Kaufhaus Russlands

Auf drei Etagen reihen sich die Geschäfte nebeneinander (Foto: Schütt/.rufo)
Einst gab Zar Nikolaus II. den Bau eines repräsentativen Handelszentrums am Roten Platz in Moskau in Auftrag. Schon bei der Eröffnung 1893 galt es als Weltwunder und repräsentierte das aufstrebende Russland.
Während des Kommunismus avancierte das GUM zum größten Kaufhaus der Sowjetunion, heute präsentiert es stolz internationale Haute Couture und ist im Besitz einer internationalen Aktiengesellschaft.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begann die umfangreiche Modernisierung Moskaus. Die Stadt zog mit Metropolen wie Paris, Brüssel oder New York gleichauf.

In diesem Zusammenhang erfolgte auch der Abriss der alten und heruntergekommenen Handelsreihen am Roten Platz. Nach einem Architektenwettbewerb beauftragte Zar Alexander III. 1888 den Petersburger Architekten A. N. Pomeranzew mit dem Bau des GUM.

Dach aus Glas und Stahl


Nach einer dreijährigen Bauzeit vollendete der Architekt 1893 seinen Bau. Das gefeierte GUM war fortan der repräsentative Warenumschlagplatz des aufsteigenden Russlands. Die Dachkonstruktion aus Glas und Stahl in diesen Dimensionen und in ihrer Leichtigkeit hat sicher dazu beigetragen, dass das Gebäude damals wie ein Weltwunder betrachtet wurde.

Pomeranzew immitierte in seiner Bauanlage die traditionellen russischen Handelsreihen, also ein Gebäude, in dem sich einzelne Geschäfte aneinanderreihen. Das GUM besteht aus drei solchen Reihen, die jeweils drei Etagen umfassen. Diese Proportionalität ist kein Zufall.


Pomeranzew folgt den Geflogenheiten der italienischen Renaissance und verbindet diese mit russischen Stilelementen. Bögen erinnern an Paläste in Rom, elegante Brücken verbinden die Gebäude und erinnern an Spaziergänge in Venedig.

Die Zeit bis 1950 überstand das GUM unbehelligt. Dann machte die Leitung der Sowjetunion eine Regierungsinstitution daraus. 1953 wurde es mit höchster Priorität unter Aufbietung von Technologie und Können aus allen Teilen der UdSSR saniert und im gleichen Jahr als ihr größtes Kaufhaus wiedereröffnet. Bis zu ihrem Zusammenbruch repräsentierte es die Leistungsfähigkeit der Produktion und verstand sich als ihr Aushängeschild.


Koordinaten
Adresse: Roter Platz
Metro: Teatralnaja, Ochotny Rjad, Ploschtschadj Rewoljuzii
Öffnungszeiten: täglich 10-22 Uhr
Internet: www.gum.ru

Neue Zeit, neuer Name


Die Privatisierungswelle der 90er Jahre ging auch am GUM nicht spurlos vorbei. Der Name GUM ist der gleiche. Nur das G hat seine Bedeutung gewechselt: von gossudarstwenny zu glawny - also von staatlich zu zentral. Universalny Magasin ist es auch weiterhin - ein universales Geschäft.

Heute wird die Betreiber AG von Bosco di Ciliegi kontrolliert. Durch dieses italienische Label betreibt der russische Geschäftsmann Michail Kusnirowitsch seine Modegeschäfte in Russland. Im Gegensatz zu den Besitzverhältnissen sind die Geschäfte aber international.

Heute haben sich alle internationalen Designer in den Boutiquen des GUM eingefunden. Ein Rundgang durchs Haus liest sich wie ein Who is Who der Modebranche. Dazwischen finden sich aber auch russische Pelzmoden und Juweliere. Abgerundet wird das Konzept des Hauses durch gehobene Sportartikel- und Technikanbieter.
Kleine Cafes und Restaurants erhöhen den Wohlfühlfaktor in der Flaniermeile, Kunstausstellungen runden das Bild ab.

(khs/.rufo)