Steinere Genies vor der Moskauer Staatsuniversität (Foto: Knelz/.rufo)
Montag, 24.01.2005
250 Jahre Wissenschaft: Die Universität Moskau
Von Alexej Knelz, Moskau. Die staatliche Lomonossow-Universität Moskau – Russlands Elite-Hochschule – feiert am 25. Januar ihr 250-jähriges Bestehen. Was in Europa als ein relativ junges Alter für eine Uni angesehen wird, ist hierzulande anders: Die Bildungsstätte war bei ihrer Gründung im Jahr 1755 die erste richtige Universität Russlands.
Er gilt als Vater der russischen Wissenschaft und Universalgenie. Der Historiker, Mechaniker, Chemiker, und Mathematiker Michail Lomonossow (1711-1765) studierte zunächst in Sankt Petersburg. Später ging er für drei Jahre nach Deutschland, wo er an der Universität Marburg Naturwissenschaften studierte.
Bei seiner Rückkehr forderte der Wissenschaftler den Bau einer Forschungsanstalt in Moskau. Es gab zwar seit 1711 eine Universität in Sankt Petersburg. Diese war jedoch der Akademie der Wissenschaften unterstellt und nur für die adlige Elite zugänglich. Das Multitalent Lomonossow konnte die russische Zarin Elisabeth von seiner Idee überzeugen. Und so gründete die Kaiserin am 12. Januar 1755 – am 25. Januar nach der neuen Zeitrechnung – die Universität Moskau.
Der 12. Januar war gleichzeitig ein orthodoxer Feiertag zu Ehren der Heiligen Tatjana. Sie gilt seither als Schutzpatronin für alle Studenten Russlands und bewahrt sie vor schlechten Noten und unfreiwilligen Exmatrikulationen.
Das alte Universitätsgebäude steht in der Nähe des Kreml (Foto: MGU)
Anfangs standen drei Studiengänge an der neuen Hochschule zur Auswahl. Alle Studenten mussten im Grundstudium die Philosophie meistern. Erst im Hauptstudium konnten sie sich für Medizin, Jura oder einen weiterführenden Philosophie-Studiengang entscheiden. Die Hellsten unter ihnen hatten die Chance auf ein Auslandsstudium. Die Vorlesungen wurden in Latein und Russisch abgehalten und waren für jedermann frei zugänglich.
In den Anfangsjahren war die Uni im alten Apothekengebäude unmittelbar am Roten Platz, wo das heutige Historische Museum steht, untergebracht. In den Räumlichkeiten wurde es aber schon bald ziemlich eng, weswegen an der Mochowaja-Straße nach und nach ein neuer Gebäudekomplex entstand.
1812, kurz nach dem Umzug, fiel Napoleon in Russland ein. Die Franzosen schafften es in kürzester Zeit bis nach Moskau. Um den feindlichen Truppen den Winter so unangenehm wie möglich zu gestalten, zündete Moskauer ihre Hauptstadt an. Die Franzosen hatten somit keine Winterquartiere mehr. Die neuen Gebäude der Uni brannten mit aus. Die Bibliothek wurde vollständig vernichtet. Nach dem Abzug der Franzosen wurde die Hochschule auf Kosten von reichen Wohltätern wieder aufgebaut.
Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts unterstützte die Univesität die Gründung öffentlicher Einrichtungen. So entstanden das heutige Puschkin-Museum und der Moskauer Zoo.
Nach der Oktoberrevolution 1917 brachen schwere Zeiten für die Hochschule herein. Zwar übernahm der Staat die Finanzierung des Schulwesens und die Proletarier durften an der so genannten „Arbeiterfakultät“ studieren. Es wurden aber massenhaft Professoren und Wissenschaftler, die den Bolschewismus ablehnten, entlassen, die Studiengänge restrukturiert und der Lernprozess neu gestaltet. So wurde das „Brigaden-Lernen“ ohne Vorlesungen eingeführt. Die Studenten mussten in einer „Brigade“ aus drei bis fünf Mann ihren Stoff selbst erarbeiten. Das System hatte sich freilich nach einem Jahr ausgelebt.
Das Hochhaus auf den Sperlingsbergen sollte die Überlegenheit der kommunistischen Forschung untermauern (Foto: MGU)
Ein anderes schweres Kapitel aus der Uni-Geschichte war der 2. Weltkrieg. Zum Zeitpunkt des Angriffs auf die Sowjetunion im Juni 1941 waren 5.000 Studenten an der Moskauer Lomonossow-Universität, kurz MGU, eingeschrieben. Viele wurden für die Front mobilisiert, die komplette Forschungseinrichtung wurde demontiert und evakuiert. Erst als der Kampf um Moskau im Februar 1942 zu Ende war, nahm man die Vorlesungen wieder auf. Zum Gedenken an die 3.000 Uni-Angehörigen, die während des Krieges gefallen sind, wurde 1975 das „Ewige Feuer“ -Ehrenmal auf dem Uni-Gelände aufgestellt.
Der Sieg über Deutschland und die sowjetische Überzeugung, der Kommunismus besitze die fortschrittlichste Wissenschaft, feuerten den Enthusiasmus von Studenten und Lehrenden an. Auf den persönlichen Befehl Stalins wurde 1949 ein Gebäude-Komplex auf den Sperlingsbergen (Vorobjowy Gory) errichtet. Im neuen Komplex wurden zunächst ausschließlich die naturwissenschaftlichen Fakultäten einquartiert.
Die ersten Vorlesungen im prunkvollen Bildungstempel am höchsten Punkt Moskaus fanden am 1. September 1953 statt. Das Gebäude ist gleichzeitig Wohnheim für 6.000 Studenten.
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Die Staatliche Lomonossow-Universität ist heute mit über 40.000 Studenten, 29 Fakultäten und 94 Studiengängen die größte Uni Russlands.. Ferner gehören ihr 15 Forschungsinstitute und vier Museen an. Die Physik-Fakultät hat außerdem einen eigenen Teilchenbeschleuniger.
(ali/.rufo)
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