Donnerstag, 24.11.2011

82.000 Moskauer stehen Schlange vor orthodoxer Reliquie

Dicht an dicht stehen die Menschen in Moskau, um den Gürtel der Gottesmutter berühren zu dürfen. (Foto: newsru.com)
Moskau. Noch bis zum 27. November ist in Moskau der Gürtel der Gottesmutter, eine der wichtigsten orthodoxen Reliquien, zu sehen. Zurzeit warten 82.000 Menschen 26 Stunden lang auf Einlass in die Christus-Erlöser-Kathedrale.
Die Warteschlange der Gläubigen vor der Moskauer Christus-Erlöser-Kathedrale, in der der Gürtel der Jungfrau Maria ausgestellt ist, wird Tag für Tag länger; jetzt ist sie bereits auf fünf Kilometer angewachsen.

Aktuell warten 82.000 Menschen 26 Stunden lang bei knappen Minusgraden, bis sie sich vor der Reliquie verneigen können, meldet die Nachrichtenagentur Ria Nowosti.

Die Polizei hat Feldküchen zur Verköstigung und 195 Reisebusse zum Aufwärmen der Gläubigen bereitgestellt. Außerdem sind nachts 25 Shuttle-Busse zu den Bahnhöfen im Einsatz, weil viele Gläubige von weit her angereist kommen.

Zum ersten Mal in Russland


Die Heilige Jungfrau Maria, sagt die Legende, hat sich den Gürtel selbst aus Kamelhaar gewoben und während ihrer Schwangerschaft getragen. Er liegt in einer reich verzierten rechteckigen Schatulle. In Russland ist das Heiligtum, das seit 200 Jahren ein Kloster auf dem Berg Athos in Griechenland nicht mehr verlassen hatte, zum ersten Mal zu sehen.

Kirill, der Patriarch der Russisch-orthodoxen Kirche, hatte es am 19. Oktober in Moskau am Flughafen in Empfang genommen. Zuerst war der Gürtel vier Tage in St. Petersburg zu sehen, dann trat er eine lange Tournee durchs Land an.

Unter anderem machte er Station in Jekaterinburg im Ural, in Wladiwostok an der Pazifik-Küste, in Samara an der Wolga und in Russlands westlichster Stadt Kaliningrad.

Schlange wird noch länger


In der russischen Hauptstadt sind bisher mehr als 400.000 Menschen an der Reliquie vorbeigezogen. Sie soll Gesundheit und besonders Fruchtbarkeit verleihen. So wundert es nicht, dass die meisten Gläubigen Frauen sind; auffällig stark vertreten ist die Altersstufe zwischen 30 und 40 Jahren.

Das Heiligtum ist noch bis 21 Uhr am 27. November zugänglich; die Kirche ist rund um die Uhr geöffnet. Es wird erwartet, dass die Zahl der Wartenden noch größer wird, besonders am bevorstehenden Wochenende.

Trotz der Strapazen, die die Menschen auf sich nehmen, beschreiben Beobachter die Stimmung in der Schlange als gelassen und freundlich.