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Die Demonstration vor dem Moskauer Bürgermeisteramt konnte sich nicht formieren (Foto: ak/.rufo)
Die Demonstration vor dem Moskauer Bürgermeisteramt konnte sich nicht formieren (Foto: ak/.rufo)
Dienstag, 29.06.2010

„Moskau ohne Luschkow“ – nicht auf der Twerskaja

Moskau. Luschkow in die Rente, die Stadtduma auflösen – derartiges wollte die Opposition am Montag Abend auf dem Twerskaja-Platz einfordern. Doch jeden Versuch, diese Forderungen zu artikulieren, unterband die Miliz.

Drei Stunden vor Beginn der Protestaktion war der Platz vor der Stadtverwaltung bereits von Sperrgürteln der Miliz umgeben. Rund um das Denkmal des Stadtgründers Juri Dolgoruki standen mehr als 20 Busse für Festgenommene bereit. Mitarbeiter der Miliz-Spezialeinheit OMON patrouillierten auf der Twerskaja.

Die Protestteilnehmer wollten dem Moskauer Bürgermeister Juri Luschkow und der ihrer Meinung nach nicht legitimen Stadtduma ihr Misstrauen aussprechen. Auch waren auch Slogans gegen hohe Wohntarife und Verkehrssteuern, eine gesetzeswidrige Baupolitik, Korruption und Milizwillkür angekündigt.

OMON-Milizionäre griffen jene Demonstranten ab, die etwas laut zu sagen wagten (Foto: ak/.rufo)
OMON-Milizionäre griffen jene Demonstranten ab, die etwas laut zu sagen wagten (Foto: ak/.rufo)

Viel Miliz für Gegner der Stadtverwaltung


Die Miliz beugte jedoch der Verkündung dieser Mottos vor. Die Organisatoren Lew Ponomarjow und Sergej Udalzow wurden schon beim Betreten des Platzes, wenige Minuten vor Veranstaltungsbeginn, festgenommen. Mit ihnen zusammen wurden etwa fünf weitere Aktionsteilnehmer zu den vergitterten Bussen gebracht.

Die verbliebenen Protestler, etwa 200 Menschen, darunter auch viele Rentner, rief die Miliz dazu auf, den Platz und die Gehwege auf dessen Seiten zu räumen. „Stört nicht die Fußgänger!“ erklang es immer wieder aus den Megafonen.

Beendet ohne anzufangen


Weitere Versuche der Teilnehmer, ihre Aktion durchzuführen, kamen fast nicht zustande. Eine Gruppe junger Menschen skandierte zweimal „Russland ohne Putin! Moskau ohne Luschkow!“ und wurde dafür in einen der OMON-Busse geschleppt.

Eine ältere Frau in einem Bühnenkostüm trat kurz hervor und hielt ein schwarzes Schild mit dem Wort „Nein“ hoch. Die Polizisten hakten sich auch bei ihr gleich unter und schleiften sie ebenfalls weg. Die auf dem Trottoir stehenden Leute riefen dazu „Schande! Schande!“ und begleiteten die Dame mit Applaus zum Bus.

Bei Russland-Aktuell
• SPB: Nemzows Putin-kritisches Buch beschlagnahmt (17.06.2010)
• Moskauer Denkmalschützer kämpfen gegen die Abrissbirne (16.06.2010)
• Tauwetter: Luschkow darf wieder in die Ukraine reisen (04.06.2010)
• Demos zum 31.: Putin-Wort hilft Opposition bedingt (01.06.2010)
• Wie üblich: Moskauer Schwulen-Parade verboten (20.05.2010)

Die Aktion war nicht erlaubt


Die Protestaktion unter dem Motto „Moskau ohne Luschkow“ war von der „Bewegung für Menschenrechte“, der „Linken Front“, den „Verteidigern des Chimki-Waldes“ und weiteren Mitorganisatoren in der vorigen Woche angemeldet worden.

Die städtischen Behörden genehmigten aber wie üblich auf dem Twerskaja-Platz, direkt vor den Fenstern der Stadtverwaltung, nichts und boten stattdessen andere Orte in der Stadt an – was der Protestbewegung aber nicht passte.

Derartige Aktionen gegen Bürgermeister LUSVHK und seine Politik fanden nicht zum ersten Mal statt. Die ersten zwei Demos, im März und im Mai dieses Jahres, waren von den Behörden ebenfalls nicht sanktioniert worden und endeten auch mit Festnahmen. Bei der aktuellen Demo wurden rund 30 Protestierende festgenommen.

Gegen Mitternacht seien sie wieder freigelassen worden, jetzt drohe ihnen aber eine 15-Tage-Haft wegen „Übertretung der Regeln der gesellschaftlichen Ordnung“, teilte Alexander Sachnin von der Bewegung „Linke Front“ mit.



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