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Wieviele Kunstwerke will die Hauptstadt noch verlieren, fragt dieser Demonstrant mit seinem Plakat (Foto: Kurizina/.rufo)
Wieviele Kunstwerke will die Hauptstadt noch verlieren, fragt dieser Demonstrant mit seinem Plakat (Foto: Kurizina/.rufo)
Freitag, 20.11.2009

Architekturdenkmäler vor dem Aus: Brand und Abriss

Moskau. Jahre ohne Pflege, dann ein Brand und schließlich der Abriss; das traurige Schicksal hat eine Reihe historischer Gebäude im Stadtzentrum getroffen. Die Brände sind kein Zufall, glauben Moskauer und protestieren.

Rund 50 Menschen in roten Feuerwehrhelmen und roten Schutzmänteln standen am Donnerstagnachmittag vor einem Jugendstil-Haus mit frischen Brandspuren in der Nähe der Metrostation Majakowskaja.

Bei Russland-Aktuell
• Fotogalerie: Großbrand im Zentrum - Heiße Sanierung eines Jugendstilhauses
• Fotogalerie: Brand in der Manege
Mitgebracht hatten sie rote Löschfahrzeuge – in Spielzeuggröße. In den Händen hielten sie Plakate mit Aufrufen an die städtischen Behörden, alte Architektur würdig zu pflegen und Brandfällen vorzubeugen.

Stadtverwaltung hat oft kein Interesse an der Pflege


Das Anfang des 20. Jahrhunderts erbaute Haus, vor dem sich die Menge versammelt hatte, ist eines der wenigen in dieser Straße, die „aus den alten Zeiten“ noch erhalten geblieben sind. Obwohl es den Status eines Architekturdenkmals besitzt, hatte es jahrelang unbewohnt und ungenutzt da gestanden, bis es in diesem Herbst brannte.

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Nach dem Brand steht das Gebäude nun ohne Dach und Fensterscheiben da, eingehüllt in ein grünes Baunetz. „Es braucht nicht so viel, aber mindestens ein provisorisches Dach, um den Winter zu überstehen. Wir sind bereit zu helfen, aber die Behörden schweigen“, klagt die Aktivistin Julia Mesenzewa.

Ihrer Meinung nach ist die Stadtverwaltung an einer Renovierung in solchen Fällen oft gar nicht interessiert. „Nach ein paar Wintern können die Gebäude für abrissreif erklärt werden, auch wenn sie bisher als Architekturdenkmäler nicht abgerissen werden durften,“ so Mesenzewa.

Nicht der einzige Fall im Moskauer Stadtzentrum


Ein solches Verwahrlosungsszenario bei historischen Gebäuden, mit oder ohne Brand, ist keine Ausnahme in den zentral gelegenen Stadtvierteln, wo der Boden besonders teuer ist. Die gesellschaftliche Bewegung ArchNadsor, die die Kundgebung am Donnerstag organisierte, verfolgt diese Fälle seit drei Jahren in ihrem eigenen „Roten Buch“.

Nach den Angaben von ArchNadsor gibt es im heutigen Moskau mehr als 200 Architekturdenkmäler, die von Abriss, einer das historische Bild verfälschenden Renovierung oder aber Verwahrlosung und langsamer Zerstörung bedroht sind.

„Die meisten dieser Häuser gehen verloren“, sagt der ArchNadsor-Leiter Rustam Rachmatulin. Investoren und Stadtbehörden hätten im Stadtzentrum einvernehmliche Interessen, und alle Unfälle mit den Gebäuden sähen formal immer wie ein Zufall aus, meint Rachmatulin.

Trotzdem veranstalten die Aktivisten von ArchNadsor regelmäßig ihre Aktionen, um die Behörden auf den Zustand des jeweiligen Gebäudes aufmerksam zu machen. „Man kann uns doch nicht ewig ignorieren,“ hoffen sie.

Wenig Interesse bei der Bevölkerung


So eine Behandlung historischer Bauten sei für die Behörden vor allem auch deshalb möglich, weil viele Stadtbewohner selbst solche Fälle gleichgültig hinnehmen würden, meinten die Organisatoren der vierstündigen Kundgebung.

Auch an der Majakowskaja-Station kamen nur wenige Passanten auf die Demonstranten zu, um nach dem Anlass ihrer Versammlung zu fragen. Einige von ihnen setzten ihre Unterschriften unter einen öffentlichen Brief. Einige gingen die Menschenreihe in Rot langsamer entlang, um das zu lesen, was auf den Plakaten stand.

Auf einem der Plakate war das in Russland bekannte Gedicht „Borodino“ über die Schlacht mit Napoleons Truppen zu lesen, allerdings das Wort „Franzose“ war dort ersetzt: „Sag Oheim, nicht umsonst in Flammen/ Brach unser Moskau einst zusammen/ Vor des Investors Macht?“



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Abendstimmung im neuen Petersburger Meeres-Passagierhafen. Die Saison hat gerade erst angefangen, die Piers sind noch fast alle leer. In wenigen Wochen wird sich das Bild ändern, denn mit Beginn der Weißen Nächste setzt der Kreuzfahrtschiff-Run auf die russische nördliche Hauptstadt ein. (Topfoto: Brammerloh/.rufo)



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