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Blitzende Achtzylinder, knappe Röcke - Der Moskauer Awtosalon 2006 (Foto: Jahn/.rufo)
Blitzende Achtzylinder, knappe Röcke - Der Moskauer Awtosalon 2006 (Foto: Jahn/.rufo)
Mittwoch, 06.09.2006

Awtosalon: Deutsche Autobauer setzen auf Russland

Moskau. Die Motorshow „Awtosalon 2006“ läuft noch bis zum 10. September. Auf dem Gelände der „Krokus Expo“ stellen alle wichtigen Produzenten ihre neuen Modelle aus. Auch deutsche Hersteller sind stark vertreten.

Glanz und Glamour – dafür sind Automessen bekannt. Die großen Hersteller fahren ihre neuesten Modelle professionell ins rechte Licht. Alles blitzt und funkelt. Und um die metallenen Träume der PS-Fans herum posieren langbeinige Frauen in zum Teil sehr knappen Röcken. Auch beim Moskauer „Awtosalon 2006“ dürfte die getunte Weiblichkeit so manchen männlichen Messebesucher vorübergehend vergessen lassen, warum er eigentlich auf das Ausstellungsgelände „Krokus Expo“ gekommen ist.

VW-Russland-Chef Keller will 5000 Touaregs verkaufen (Foto: Jahn/.rufo)
VW-Russland-Chef Keller will 5000 Touaregs verkaufen (Foto: Jahn/.rufo)
Auf dem Gelände direkt an der Ringautobahn MKAD auf mehr als 40.000 Quadratmetern präsentieren sich unter anderem amerikanische, englische, französische oder asiatische Hersteller. Die deutschen Produzenten sind auf der Moskauer Motorshow auffallend stark vertreten. DaimlerChrysler, Audi, Porsche, Volkswagen oder BMW – alle sind sie da.

Russen kaufen Image


Deutsche Produkte sind in Russland beliebt. Das Adjektiv „deutsch“ gilt schon fast als Synonym für „qualitativ hochwertig“. Auch bei den potenziellen Autokäufern stehen „deutsche Herkunft und Qualität“ hoch im Kurs. Das kann VW-Russland-Chef Hans-Dieter Keller bestätigen. „Die russischen Käufer von Volkswagen und anderen deutschen Markenfahrzeugen kaufen in erster Linie Qualität, kaufen Image ein“, so Keller, der mit seiner Frau seit anderthalb Jahren in Russland lebt und nach eigener Aussage viele russische Freunde hat.

Qualität für kleines Geld


Bei Russland-Aktuell
• Fotogalerie Awtosalon 2006
Die Vorliebe für „deutsche Qualität“ finde man übrigens bei allen Käufergruppen – unabhängig vom Geldbeutel. Wenn sich der Kunde keinen Wagen der gehobenen Preisklasse leisten könne, dann wähle er eben ein Fahrzeug in der Preisklasse zwischen 13.000 und 16.000 US-Dollar (zwischen 10.000 und 13.000 Euro).

VW ist in Russland gleich in allen Segmenten vertreten. Spitzenreiter bei den Verkaufszahlen ist laut Keller aber der Geländewagen Touareg. Volkswagen will im vergangenen Jahr insgesamt 5.000 Exemplare ausgeliefert haben, deren Preis in Russland zwischen 57.000 und 79.000 US-Dollar (zwischen 46.000 und 64.000 Euro) für den Benziner liegt und bis zu 94.000 US-Dollar (rund 76.400 Euro) für den Diesel betragen kann.

Kaufkräftige Schichten wachsen


Die russische Mittelschicht kauft immer mehr ausländische Autos (Foto: Jahn/.rufo)
Die russische Mittelschicht kauft immer mehr ausländische Autos (Foto: Jahn/.rufo)
Aber ist Russland wirklich ein Markt für Autos der höheren Preisklassen? Das Durchschnittseinkommen liegt landesweit offiziell bei rund 250 Euro im Monat. In Großstädten dürfte es bei rund 750 Euro liegen.

Auch das Management von DaimlerChrysler musste sich mit dieser Frage auseinander setzen, bevor der Luxuswagen-Hersteller den Schritt nach Russland machte. „Im Grundsatz stellen wir fest, dass sich hier auch eine Mittelschicht herausbildet. Natürlich gibt es ein großes Gefälle zwischen Reich und Arm. Das ist zweifellos so. Aber die Mittelschicht wird größer. Insbesondere in den großen Städten, wo inzwischen gut verdient werden kann. Die Lohn- und Gehaltsstrukturen sind mächtig in Bewegung und in Russland gibt es nahezu Vollbeschäftigung“, so der nach Russland entsandte Verkaufs- und Marketing-Direktor von DaimlerChrysler Eberhard Kern zu Russland-Aktuell.

Autokauf auf Pump


Die Marktparameter entwickeln sich also offenbar zugunsten des Luxuswagen-Herstellers. Dennoch: Um den Besonderheiten des Markts entgegen zu kommen, fährt DaimlerChrysler in Russland eine Doppelstrategie. Zum Einen bietet der Konzern auch Autos an, die in der Preisspanne zwischen 20.000 und 25.000 Euro liegen, wie etwa den A- und den B-Klasse-Mercedes oder den Dodge Caliber. Zum Zweiten bietet der Stuttgarter Autohersteller die Kreditfinanzierung an – gleichermaßen für Firmen- und Privatkunden.

Bei Russland-Aktuell
• BMW zeigt Wasserstoffauto auf Moskauer Motorshow (01.09.2006)
• Autoschmiede Lada kommt unter Staats-Kontrolle (25.11.2005)
• Chinesische Autos kommen bald aus Kaliningrad (17.02.2006)
• Asiaten bei Autosalon Moskau präsent (25.08.2005)
• Mercedes mit neuer Verkaufszentrale in Moskau (25.04.2005)
„Wir stellen fest, dass, ähnlich wie in anderen entwickelten Märkten, Leasing und Versicherung immer mehr an Bedeutung gewinnen. Die Kunden gehen auch hier in Russland dazu über, komplette Mobilitätslösungen zu kaufen und nicht nur Fahrzeuge. Das ist mit ein Grund, warum wir eine eigene Bank hier gründen werden“, begründet Kern. Autokauf auf Pump – offenbar ein renditeträchtiges Geschäftsfeld.

Hohes Wachstumspotenzial in Russland


Die deutschen Autoproduzenten haben die Absatzpotenziale östlich der EU-Grenzen offenbar erkannt. „Der russische Markt ist inzwischen bereits der fünftgrößte in Europa. Mit rund 1,7 Millionen Gesamtzulassungen in diesem Jahr. Für uns ist Russland neben China, Indien und Brasilien einer der vier Wachstumsmärkte in der Welt. Von daher ist es für uns von allergrößter Bedeutung hier richtig und gut aufgestellt zu sein“, erklärte DaimlerChrysler-Mann Kern.

Und auch für Volkswagen gehört Russland zu den wichtigen Märkten. „Die Entscheidung für unseren russischen Produktionsstandort Kaluga hat gezeigt, wie wichtig der Markt für uns ist. Russland gehört zu den drei Märkten – Russland, Indien, China –, die in Zukunft auch noch wachsen werden“, so VW-Russland-Chef Keller.

(cj/.rufo)


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