Dienstag, 28.01.2014

Bank macht Betriebsfete in Moskauer Synagoge

Russische Bank feiert in der Moskauer Gedenksynagoge (Foto: Mk.ru)
Moskau. Um die Moskauer Gedenksynagoge im Moskauer Siegespark entbrennt ein Skandal. Eine Bank hat dort ein Betriebsfest organisiert, die Gemeinde ist empört. Der Jüdische Kongress allerdings bleibt gelassen.
In einem Gotteshaus lässt es sich offenbar gut feiern: Mit Schaschlik, Wodka und lauter Disco-Musik hat einem Bericht der Tageszeitung „Moskowski Komsomolez“ nach dieser Tage eine russische Bank ihre Jubiläumsfeier in der Moskauer Gedenksynagoge begangen.

„Ein riesiges Transparent neben der Synagoge lautete: ‚Die Bank wird 20 Jahre alt’, und der grelle Torbogen auf der Seite des Kutusowski-Prospekts lockte die Besucher mit riesigen Attrappen von 5-Rubel-Stücken und der Aufschrift ‚Fest für die die ganze Welt’“, berichtete das Blatt.

Tanz auf den Knochen


Das Spektakel blieb nicht unbemerkt. In der jüdischen Gemeinde des Stadtbezirks Fili macht sich Ärger breit: „Das ist genauso, als würde man eine Fete am Ewigen Feuer veranstalten und auf den Knochen herumtanzen“, kritisierte der Rabbi Tanchum Busin. Er habe die Bank um eine Verlegung der Betriebsfete gebeten, doch dort sei er mit den Worten, dass alles schon fest bestellt worden sei, abgewimmelt worden, klagte er.

Die Synagoge wurde 1998 in Erinnerung an die Opfer des Holocaust im Moskauer Siegespark in Anwesenheit des damaligen Präsidenten Boris Jelzin eingeweiht. Das Geld für die Errichtung kam vom Russischen Jüdischen Kongress (RJK), dem im Gegenzug das Pachtrecht für 49 Jahre zugestanden wurde.

Synagoge mit Repräsentationsfunktion


Zwei Jahre wurde die Synagoge laut Busin tatsächlich als Gotteshaus genutzt, dann wurden die Gläubigen auf die Straße gesetzt und die Synagoge diente nicht mehr religiösen, sondern repräsentativen Zwecken - beispielsweise feierte der Kongress dort auch im vergangenen September das jüdische Neujahrsfest in eben jener Synagoge. Um dem Anspruch gerecht zu werden, wurde in der Synagoge ein Bankettsaal eingerichtet. Um heute in der Gedenksynagoge beten zu können, müsse man Wochen vorher bereits einen Termin holen, klagt Busin.

Der RJK sieht hingegen kein Problem in der artfremden Nutzung. „Im Unterschied zu Gebetshäusern anderer Religionen ist die Gedenksynagoge im Siegespark weniger ein Tempel als ein Klub“, erklärte der Pressedienst des RJK. Und so hat juristisch gesehen alles seine Ordnung: Die Bank hat die Räume für die Feier angemietet und großzügig bezahlt. Nach Angaben des RJK sollen mit dem Geld Wohltätigkeitsprogramme finanziert werden.

Banken-Dialektik verbindet Materialismus und Idealismus


Auch bei der Bank sieht man keine moralischen Probleme: „Die Bank ist ein Depot für Geld, die Synagoge im Siegespark ein Depot für das Gedenken. Wir streben nach einer Vermehrung der materiellen und geistigen Werte und darum war der Ort gut gewählt, alle waren zufrieden“, erklärte ein Vertreter der Bank.

Um welche Bank es sich handelt, geht aus den Berichten nicht hervor. Es gibt eine Reihe russischer Bankiers, die gute Beziehungen zum RJK haben.