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Alexander Pitschuschkin gestand vor dem Prozess 62 Morde (Foto: tv/rufo)
Alexander Pitschuschkin gestand vor dem Prozess 62 Morde (Foto: tv/rufo)
Mittwoch, 19.09.2007

Bizewski-Serienmörder: Experimente mit den Opfern

Moskau. Beim Prozeß gegen den Serienmörder Pitschuschkin werden immer mehr Details bekannt: Der „Bizewski-Maniak“ hat bei den Morden experimentiert. Er malträtierte seine Opfer mit einer Schusswaffe und Holzpflöcken.

Wie bei vielen Serientätern ist offenbar auch bei Alexander Pitschuschkin die Selbstwahrnehmung stark gestört. Während die Staatsanwaltschaft ihm 49 Morde vorwirft, beharrt der so genannte „Bizewski-Maniak“ auf einer höheren Opfer-Zahl. 62 Menschen will er im Moskauer Bizewski-Park umgebracht haben, nach dem er später von der Bevölkerung benannt wurde.

Pitschuschkin hält sich für wichtig



Laut seinem Verteidiger Pawel Iwannikow tut Pitschuschkin dies aus Geltungssucht: „Pitschuschkin will berühmt werden“, so der Anwalt gegenüber russischen Medien. „Deshalb hat er sich auch zu allen Morden bekannt. Ich denke, dass er in Wirklichkeit viel weniger begangen hat“, so Iwannikow, der ein mildes Urteil erwirken will.

Pitschuschkin weist deutlich hedonistische Charakterzüge auf. Gegenüber dem Moskauer Gericht verweigert er weiter die Aussage, da seiner Forderung nach einer Verlegung aus dem Gefängnis „Butyrka“ in das Gefängnis „Matroskaja Tischina“ nicht nachgekommen wurde. Pitschischkin, so meinen Beobachter, glaubt, dass im Gefängnis „Matroskaja Tischina“ die „wichtigeren Häftlinge“ einsitzen. Unter anderem war hier der Oligarch Michail Chodorkowski inhaftiert.

Der Freund war erstes Opfer



Der Prozeß gegen Alexander Pitschuschkin erhält viel Aufmerksamkeit. Die Vorverhandlungen sind gerade angelaufen, da sind die russischen Medien bereits voll von gruseligen Details über die Bluttaten des 33-jährigen Serienmörders.

Erstes Opfer wurde sein Jugendfreund Michail Odijtschuk. Im Jahr 1992 schlug der damals 18-jährige Pitschuschkin seinem 19-jährigen Freund vor, gemeinsam einen Mord zu begehen. Odijtschuk lehnte ab, woraufhin Pitschuschkin beschloss, den Freund selbst umzubringen.

Opfer bringt Mordwerkzeug mit



Bei der ersten Tat im Jahr 1992 kam auch gleich das Mord-Muster zur Anwendung, das Pitschuschkin bis zu seiner Verhaftung im Jahr 2006 in leichten Variationen anwenden sollte. Er lud den Freund ein, im Bizewski-Park auf seinen toten Hund zu trinken. Anders als bei den späteren Opfern, die Pitschuschkin erschlug, erwürgte er seinen Freund Michail allerdings. Dazu hatte er Michail extra aufgefordert, zu ihrem Treffen ein Seil mitzubringen. Den toten Freund warf Pitschuschkin in einen Abwasserschacht.

Nach dem Mord an seinem Freund Michail zog sich Pitschuschkin für gut neun Jahre zurück. Erst im Jahr 2001 begann er mit der Mordserie, die ihm den Namen „Bizewski Maniak“ einbrachte.

Tod im Abwasser



in diesem Abwasserschacht  starben die meisten der Opfer (Foto: tv/rufo)
in diesem Abwasserschacht starben die meisten der Opfer (Foto: tv/rufo)
In den Folgejahren bis zu seiner Verhaftung im Juli 2006 brachte Pitschuschkin laut den Ermittlern jährlich zehn und mehr Menschen um. Er ging dabei nach dem bewährten Muster vor. Er lockte seine Opfer, vorwiegend ältere Männer, unter dem Vorwand, auf seinen toten Hund, anstoßen zu wollen, in den Wald des Bizewski-Parks. Dort machte er die Opfer mit Alkohol wehrlos und stieß sie danach in einen Abwasserschacht.

Laut den Ermittlern waren die Opfer durch den Alkohol und beim Sturz erlittene Kopfverletzungen nicht mehr in der Lage, sich aus dem Schacht noch oben zu arbeiten. Sie ertranken im Abwasser.

Zunehmende Gewalt



Seine Opfer sprach Pitschuschkin in der Regel an einem der Ausgänge der Metro-Station „Kachowskaja“ im Süden Moskaus an. Die Ermittler erklärten, dass Pitschuschkin seine Opfer vor allem unter Obdachlosen, Alkoholikern oder Behinderten suchte. Er ging davon aus, dass niemand diese Menschen vermissen oder suchen werde.

Das Tatmuster änderte Pitschuschkin erstmals im Frühjahr 2002: Jetzt nahm der Serientäter zu seinen Treffen eine eiserne Zange oder einen Hammer mit. Mit dem Werkzeug schlug er auf den Kopf des betrunkenen Opfers ein.

Drei Opfer entkommen



Bei Russland-Aktuell
• Bizewski-Massenmörder verzichtet auf Verteidiger (13.09.2007)
• Prozess gegen Moskauer Serienmörder wird öffentlich (13.08.2007)
• Anklage gegen Moskauer Serienmörder in 49 Fällen (14.12.2006)
• Skinhead widerruft Geständnis von 37 Rassenhass-Morden (14.06.2007)
Drei Opfer konnten Pitschuschkin dennoch entkommen. Am 23. Februar 2002 lud der Mörder eine Frau ein, im Park mit ihm zu trinken. Als die Frau betrunken war, versetzte Pitschuschkin ihr mehrere Stöße mit dem Kopf und warf sie in den Abwasserschacht. Die Frau konnte jedoch durch eine zweite offen stehende Luke des Abwassersystems entkommen. Auf dieselbe Weise entkamen dem Mörder später noch ein 13-Jähriger und ein älterer Mann.

Im Herbst 2002 begann Pitschuschkin zu experimentieren und änderte das Tatmuster leicht, so die Ermittler. Jetzt setzte Pitschuschkin eine selbstgebaute Schusswaffe ein, mit der er die Opfer in den Kopf schoss. Laut Ermittlungsergebnissen benutzte Pitschuschkin Bleikugeln ohne Ummantelung, wie sie für Gas- und Signalpistolen gebraucht werden.

Unbegreiflicher Wahnsinn



Im Jahr 2003 sei Pitschuschkin auf der Straße zufällig zwei seiner entkommenen Opfer begegnet – dem 13-jährigen Jungen und dem älteren Mann. Diese Begegnungen hätten ihn verschreckt. Der Serienmörder legte daraufhin eine zweijährige Pause ein.

Erst im Jahr 2005 begann er wieder zu morden. Und jetzt vollbrachte er seine Mordtaten mit noch größerer Brutalität, erklärte die anklagende Staatsanwältin Marija Semenenko gestern den Geschworenen.

Um sicher zu gehen, dass seine Opfer wirklich tot waren, warf er sie nicht mehr in einen Abwasserschacht, sondern trieb den bereits schwer verletzten und am Boden liegenden Menschen einen Pfahl oder eine Wodka-Flasche in den Kopf.

Handynummer verrät Pitschuschkin



Im Jahr 2006 erschienen dann erste Zeitungsartikel, die von der vermeintlichen Verhaftung des „Bizewski-Maniak“ berichteten. Das, so die anklagende Staatsanwältin, habe Pitschuschkin aus dem Gleichgewicht gebracht. Er habe nun beweisen wollen, dass der „wahre“ Killer noch auf freiem Fuß war.

Pitschuschkin ermordete in der Folge noch fünf Menschen. Vier davon, so die Staatsanwaltschaft, seien Bekannte gewesen. Der „Bizewski Maniak“ wurde nach dem Mord an seiner ehemaligen Arbeitskollegin Marina Moskalewa festgenommen.

Die Frau hatte vor dem Spaziergang mit Pitschuschkin dessen Handynummer bei ihren Angehörigen hinterlegt.Über diese Nummer ermittelten die Behörden den Mörder. (cj/.rufo/Moskau)


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