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Die Bewohner der Einfamilienhäuser in Butowo befinden sich seit Montag im Belagerungszustand (Foto: www.vesti.ru)
Die Bewohner der Einfamilienhäuser in Butowo befinden sich seit Montag im Belagerungszustand (Foto: www.vesti.ru)
Mittwoch, 21.06.2006

Butowo: Putin soll Stadtteil-Räumung verhindern

Moskau. Die Bewohner des Moskauer Vororts Butowo haben ein Hilfegesuch an Präsident Putin gerichtet. Darin heißt es: Die korrupte Moskauer Stadtregierung verfolge mit dem Abriss ihrer Wohnhäuser eigene Interessen.

Mit einem Hilfegesuch haben sich die Bewohner des Moskauer Vororts Butowo an den russischen Staatspräsidenten Wladimir Putin gewandt. In dem Schreiben werfen sie der Moskauer Stadtregierung vor, sie sei korrupt und verfolge mit der Räumung des Stadtteils und dem Abriss vieler alter Wohnhäuser Eigeninteressen.

Juristische Unterstützung erhalten die Bewohner von Butowo unter anderem vom russischen Staranwalt Anatoli Kutscherena, der sich zuletzt in einem Aufsehen erregenden Fall für einen misshandelten Rekruten eingesetzt hatte.

Entscheidung ist gesetzwidrig


„Die Entscheidung des Gerichts ist ein gesetzwidriger Akt, der die Interessen korrupter Moskauer Machtkreise verfolgt“, heißt es in der Erklärung. „Wir bitten den Präsidenten, die Staatsanwaltschaft einzuschalten, um die Möglichkeit eines Strafverfahrens gegen diese Interessengruppen festzustellen. Außerdem bitten wir den Generalstaatsanwalt, das Vorgehen der Richter in diesem Fall zu überprüfen.“

Bei Russland-Aktuell
• Plattenbauten statt Holzhäuser: Schlacht um Butowo (20.06.2006)
• Traum oder Albtraum: Kampf den Chruschtschow-Slums (15.03.2006)
• Illegale Datschen: Abriss-Drama am Istra-Stausee (01.03.2005)
• Bürgerinitiativen gegen Bauwahnsinn in Moskau (07.12.2004)
Der Konflikt zwischen den Bewohnern des südlichen Moskauer Stadtteils Butowo und der Stadtregierung ist am Montag dieser Woche eskaliert. Die Die Behörden das Viertel räumen lassen. Ein beauftragtes Bauunternehmen soll die alten, einstöckigen und teilweise aus Holz erbauten Wohnhäuser abreißen und auf dem Gelände Hochhäuser errichten. Die alten Bewohner sollen in Zwei- bis Dreizimmer-Neubauwohnungen umgesiedelt werden.

Astronomische Bodenpreise


Besonders delikat an der Angelegenheit: Einige der Bewohner des Vororts Butowo waren bereits früher einmal von der Stadtregierung umgesiedelt worden. Damals hatten sie ihre Wohnungen im Moskauer Zentrum verlassen müssen, damit dort Renovierungs- und Bauarbeiten durchgeführt werden konnten. Dafür hatte ihnen die Stadtregierung ein Haus mit Garten in Butowo zur Verfügung gestellt.

Wegen der Wohnraum-Knappheit in Moskau haben die Grundstücke in Butowo mittlerweile einen enormen Wert. Hundert Quadratmeter werden zu rund 20.000 US-Dollar gehandelt.

Wer hat den längeren Atem?


Die Moskauer Stadtregierung versucht derweil die Angelegenheit auszusitzen. Soldaten und Bulldozer wurden am Dienstagabend vom Gelände abgezogen. Eine Strategie, die aufzugehen scheint. Allmählich weicht die Front der Hausbesitzer auf. Die ersten Bewohner haben das Angebot der Stadt angenommen und ziehen in neue Wohnungen um. „Ich wurde hier geboren und habe 30 Jahre lang in Butowo gelebt. Natürlich bin ich sehr traurig“, hauchte Tatjana Nowitschkowa sichtlich bedrückt ins Mikrofon eines TV-Reporters. Die junge Frau verlässt ihr Holzhaus und zieht in den nächsten Tagen in eine neue Dreizimmerwohnung.

(cj/.rufo)


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