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Dienstag, 26.07.2005
Chauvinismus und Unverständnis für Lesben
Moskau. Russen sind konservativer und chauvinistischer als die restlichen Europäer. Die Angst vor Chauvinisten geht soweit, dass Moskauer Lesben ihre Treffpunkte verheimlichen.
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Russlands Homosexuelle haben es nicht leicht. Doch nach jahrzehntelanger - von der Sowjetgesetzgebung legitimierter - Verfolgung von Schwulen und Lesben ziehen diese jetzt gegen die konservative Gesellschaft für ihre Rechte in den Kampf.
Die homosexuellen Frauen treffen sich jedes Jahr traditionell zum Ausflug am Seliger-See im Waldai-Gebiet und veranstalten im Anschluss daran ein Singfest in der Nähe Moskaus. Beide Veranstaltungstermine werden unter strengster Geheimhaltung ausschließlich unter Gleichgesinnten weitergeben.
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Regenbogen über Moskau
Wie die Zeitung „Moskowskij Komsomolez“ berichtet, wollen homosexuelle Frauen aus Moskau dieses Jahr zudem eine Schiffsrundfahrt auf dem Moskwa-Fluss unter dem Namen „Regenbogen über Moskau“ machen. Jelena Bootsmann, die Veranstalterin mit dem passenden Pseudonym, will jedoch keine genaueren Angaben machen: „Ich habe noch drei Jahre bis zu meiner Rente und die will ich in Ruhe verbringen“, so die lesbische Frau.
Es habe in der Vergangenheit des öfteren Fälle von Verfolgung aufgrund sexueller Orientierung gegeben, sagt Jelena. So sollen Studenten einmal durch Zufall auf einer Lesben-Internetseite auf das Bild ihrer Dozentin gestoßen sein. Prompt hätten die Jugendlichen die Universitätsleitung informiert und eine Mobbing-Aktion gestartet. Sie habe ihre Stelle nur deswegen nicht verloren, „weil die Universitätsleitung kollektiv im Urlaub war“, glaubt Jelena Bootsmann.
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Beamten- und Zeitungs-Chauvinismus
Verständnis finden die Frauen auch nicht bei den Beamten: Sie hätten schon mehrmals versucht, ihren Lesben-Verein zu registrieren - bisher vergeblich. Der Antrag wurde jedes Mal kommentarlos zurückgewiesen.
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Keine Ausnahme bildet hier auch die Zeitung „Moskowskij Komsomolez“. Den Artikel über die lesbischen Frauen taufte das Blatt kurzerhand „Lesben go home“, darunter war der Witz zu lesen: „Eine richtig gefesselte Lesbe unterscheidet sich nicht im geringsten von einer Hetero“.
Die Homosexuellen haben also ein schweres Gefecht gegen stumpfsinnige Gegner auszutragen. Ob dieses Scharmützel allerdings jemals zu einem großangelegten Feldzug werden wird, ist fraglich - für homosexuelle Liebe bringt die russische „Normalbevölkerung“ kaum Verständnis auf. Ein Christopher Street - Day würde hierzulande fast schon als gesellschaftliche Apocalypse betrachtet werden.
Doch auch die Lesben zeigen sich nicht immer von der liberalen Seite. „Zu homosexuellen Männern haben wir kein gutes Verhältnis“, erzählt Elena Bootsmann. „Ein Schwuler ist eben kein richtiger Mann“.
(ali/.rufo)
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