Nach Feierabend wurde die Stadtverwaltung von Chimki von Demonstranten ausgeräuchert (Foto: runewsweek.ru)
Donnerstag, 29.07.2010
Chimki: Molotow-Cocktails gegen die Wald-Rodung
Moskau. Die Auseinandersetzungen um den Autobahnbau und die Abholzung eines Waldgeländes bei Chimki steigerten sich gestern mit Pro- und Contra-Demos. "Waldschützer" warfen Molotow-Cocktails in die Stadtverwaltung.
Noch während sich etwa 100 Wald- und Umweltschützer am Nachmittag im Zentrum von Chimki zu einer Protestkundgebung sammelten, trafen im benachbarten Stadtpark Busse mit Demonstranten für den Autobahnbau ein.
Die friedlichen Demonstranten für den Autobahn-Bau ... (Foto: .rufo)
Organisiert von der kremlnahen Bewegung "Molodaja Gwardia" (Junge Garde) entrollten die etwa 300 Autobahnbefürworter Dutzende von Transparenten und Plakaten gegen die "Pseudo-Ökologen" und "Psychopathen".
Antifa-Überfallkommando kam per Vorortzug
Wenig später trafen mit einem Vorortzug aus Moskau angeblich bis zu 400 Anarchisten und Antifa-Leute in Chimki ein, skandierten "Rettet den russischen Wald", zogen vor die Stadtverwaltung, hämmerten mit Äxten gegen die geschlossenen Türen und bewarfen das Gebäude mit Molotow-Cocktails und Feuerwerkskörpern.
... unterscheiden sich in Optik und Verhalten wenig von den einheimischen Projekt-Gegnern (Foto: .rufo)
Der "russische Wald muss vor Faschisten geschützt" werden, die von einem Bischof angeführt würden, hieß es. Angeblich ist der Direktor der Holzfällerfirma "TeploTechnik" Bischof der Baptisten-Kirche in Moskau.
Ebenso schnell, wie sie gekommen waren, verschwanden die Demonstranten auch wieder – noch bevor die Miliz nennenswert auf das Geschehen reagieren konnte. Das Demonstrations-Kommando entfernte sich in Richtung Moskau, wieder mit dem Vorortzug. Wie Moskau.ru von Augenzeugen erfuhr, soll es sich aber nicht um 400, sondern um etwa 50 Antifa-Vertreter gehandelt haben.
Die Vertreterin der Waldschutz-Bewegung Jewgenia Tschirikowa versicherte später, sie kenne niemanden von diesen Demonstranten – und lehne auch solche Aktionsformen prinzipiell ab.
Polizeisperren sollen Demonstranten am Vordringen zu den Rodungsflächen hindern (Foto: .rufo)
Festnahmen von Rodungs-Gegnern im Wald
Tatsächlich waren zur gleichen Zeit etwa 100 Umweltschützer und Journalisten bereits in das heiß umkämpfte Waldstück gefahren, um die Rodungsarbeiten dort zu behindern. Selbst einige Assistenten des LDPR-Vorsitzenden Wladimir Schirinowski schlossen sich an, obwohl die Proteste bisher eher von Linken, Liberalen und Grünen organisiert wurden.
Ein Großaufgebot von Miliz und Sondereinheiten verstellte ihnen aber kurz vor den Rodungsflächen den Weg. Am späten Abend zog dann noch eine kleine Truppe von zwölf Umweltschützern und vier Journalisten in den Wald, um dort zu übernachten.
Wenig später wurden alle Beteiligten vorläufig festgenommen. Bis auf zwei, die unterwegs entwischen konnten, wurden die anderen am Donnerstagmittag noch auf der Milizstation in Chimki festgehalten.
Das Wetter ist zwar nun deutlich kühler geworden, doch einige Moskauer genießen die letzten Sonnenstrahlen des Sommers im Stadtpark von Lefortowo. ( Topfoto: Ballin/.rufo)