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So sah der berühmt-berüchtigte Tscherkisowo-Markt von oben aus, jetzt wird das Areal rundum erneuert. (Foto: synews.ru)
So sah der berühmt-berüchtigte Tscherkisowo-Markt von oben aus, jetzt wird das Areal rundum erneuert. (Foto: synews.ru)
Donnerstag, 30.07.2009

China: Eine Mrd. Dollar für eine Chinatown in Moskau

Moskau. Moskau bekommt seine China-Town: China will eine Milliarde USD in den Aufbau eines riesigen Marktkomplexes mit eigenen Hotels, Polizei und Zollstelle investieren. Der neue Markt ersetzt den Schmuggelmarkt Tscherkisowo.

Der Tscherkisowo-Markt war in den wilden 90er Jahren vom umtriebigen Geschäftsmann Telman Ismailow gegründet worden. Gehandelt wurde mit allem, was Geld brachte: Klamotten, Lebensmitteln und Haushaltswaren, aber illegal auch mit Drogen, Frauen und billigen Arbeitskräften. Der tägliche Umsatz lag bei schätzungsweise 250 Mio. USD.

Paradies für Immigranten und Schmuggler

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• Peking greift in Konflikt um Chinesenmarkt in Moskau ein (21.07.2009)
• Bandenkrieg in Moskau: Bombe zerreißt zehn Menschen (21.08.2006)
• Tscherkisowo-Markt: Aids, Syphilis, Tuberkulose (17.07.2009)
Der Markt entwickelte sich schnell zu einem Treffpunkt für Immigranten, legale wie illegale. Vor allem Chinesen bevölkerten das undurchsichtige Gewirr aus Verkaufsständen, Markthallen und Werkstätten, Imbissbuden und sogar illegalen Wohnheimen.

Geschätzte 100.000 Menschen arbeiteten und lebten auf dem Tscherkisowo-Markt, vorwiegend Gastarbeiter aus Zentralasien und China.

Dass der Markt mit den verführerisch niedrigen Preisen ein Umschlagplatz für Schmuggelgut (meist aus dem Reich der Mitte) war, war seit Jahren bekannt. Doch die Regierung schreckte wohl mehr, dass Besitzer Ismailow aus diesen Einnahmen nicht nur eines der teuersten Hotels weltweit in der Türkei aufmachte, sondern auch gleich noch die türkische Staatsbürgerschaft mit beantragte.

Kurzer Prozess mit Tscherkisowo

Es drohte der Kontrollverlust über das Imperium. Daher machten die russischen Behörden kurzen Prozess mit Tscherkisowo: Nachdem Schmuggelgut im Wert von über zwei Mrd. USD entdeckt worden war, wurde der Markt geschlossen. Die Arbeiter und Händler – legal oder illegal – standen auf der Straße.

Nun hat sich die chinesische Regierung eingemischt. Es ist davon auszugehen, dass der Schmuggel chinesischer Klamotten und Arbeitskräfte mit wohlwollendem Wissen der dortigen Machthaber stattfand – wichtig war nur, dass der Export angekurbelt wurde.

Dennoch hat Peking offiziell die Unterbindung des Schmuggels begrüßt, um im Anschluss sofort die schnelle Schließung des Markts ohne Vorwarnung für die dortigen Händler zu bedauern.

Neue Chinatown in Moskau

Beschlossen wurde der Neuaufbau eines chinesischen Markts. Der Komplex wird fast so riesig wie der alte Tscherkisowo-Markt. Die Moskauer Stadtregierung will dafür mehrere Grundstücke zur Verfügung stellen.

Die Rede ist von einem 140 Hektar und einem 60 Hektar großen Areal. Wo genau gebaut werden sollen, ist noch unklar. Bislang teilte die Stadtverwaltung lediglich mit, dass diese China-Town abseits bestehender Wohnsiedlungen errichtet werden soll.

China will seinerseits etwa eine Mrd. USD investieren, um einen diesmal auf dem Gesetz basierenden Riesenmarkt aufzubauen. In dem Komplex sollen neben den Markthallen ein Logistikzentrum, mehrere Zweisterne-Hotels, eine eigene Zollstation und eine Polizeistelle für die nötige Registrierung der chinesischen Händler untergebracht werden.

Die Fertigstellung ist in zwei bis zweieinhalb Jahren geplant. Noch herrscht auf beiden Seiten Vorsicht. Die Chinesen fürchten neue Verluste, nachdem ihnen durch die schnelle Schließung Waren im Wert von fünf Mrd. USD verloren gingen.

Die Russen hingegen wollen keinen Staat im Staate: „Wir hoffen, dass die Händler nicht nach nationalen Gesichtspunkten ausgesucht werden, zumal der Komplex ja auf unserem Territorium gebaut wird“, erklärte Alexander Brod von der Bürgerkammer dazu.



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