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| Architekt Denis Romodin zeigt Moskauern den Jugendstil in ihrer Stadt (Foto: ak/.rufo) | |
Donnerstag, 25.09.2008
Durch Moskau spazieren – dem Denkmalschutz zuliebe
Moskau. “Das Moskau, das es nicht gibt” ist eine Vereinigung von Moskauern, die gegen die Bau-Politik im historischen Stadtkern auftreten. An Herbstabenden bietet sie Spaziergänge durch alte Stadtviertel an.
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Seit Mitte September ist abends vor einer der Metro-Stationen Borowizkaja, Tschistye Prudy oder Poljanka oft folgendes Bild sehen: Menschen mit Kameras treffen sich und tragen sich in eine Liste ein, bis eine Gruppe von rund 20 Personen gebildet ist. Um 19 Uhr geht es dann los und die Gruppe schwenkt gleich in eine der nächsten alten Gassen ein.
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Im Prinzip ist dies ein typischer Stadtrundgang. Doch die Organisatoren sind kein Reisebüro und die Teilnehmer – keine Touristen. Alle sind sie Moskauer, die sich durch die Internet-Seite moskva.kotoroy.net gefunden haben. Ihr Ziel ist es, auf den Zustand mancher historischer Denkmäler aufmerksam zu machen.
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Chronik einer schwindenden Altstadt Der Name der Website moskva.kotoroy.net bedeutet so viel wie “Das Moskau, das es nicht gibt”. Die kleine NGO wurde 2004 ins Leben gerufen – als Reaktion auf den Beschluss der Stadtverwalteung, eines der markantesten Jugenstilbauwerke im Kreml-Denkmalschutzgebiet, das Kaufhaus Wojentorg, abreißen zu lassen.
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Auf der Internet-Seite führte die Organisation eine Chronik der abzureißenden Häuser, veröffentlichte alte Fotos und stellte auch einen Bildband über das alte Moskau zusammen – wie die Stadt einst aussah und wie es sie zu großen Teilen nicht mehr gibt.
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Nach einem Jahr fing “moskva.kotoroy.net” dann auch mit Aktionen an. Die NGO mit nur zwei Mitarbeitern und einigen ehrenamtlichen Interessierten kämpft seither für die Erhaltung vieler Architekturdenkmäler, die auf dem teuren Moskauer Boden vom Abriss bedroht sind.
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Architekten und Stadthistoriker als Guides In diesem Jahr kam “Das Moskau, das es nicht gibt” gemeinsam mit den Lesern der Seite auf die Idee, abends zusammen spazieren zu gehen und jene Straßen besser anzusehen, durch die man am Tag nur zur Arbeit rast, ohne sich umzuschauen.
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Die Spaziergänge finden zwei- bis dreimal in der Woche statt. Als Führer treten Architekten, Stadtforscher oder Journalisten auf, die selbst bei Aktionen der NGO schon mitgemacht haben.
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Paläste und Ruinen - gleichermaßen interessant Jeder der Guides hat dabei sein eigenes Programm. So führt der junge Architekt Denis Romodin gern durch das Jugendstil-Moskau und erzählt Geschichten und Geschichtchen zum jeweiligen Stadtviertel und dessen einzelnen Häusern.
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Sein Kollege Alexander Moschajew zeigt Herrensitze aus dem 17. Jahrhundert bzw. deren Spuren und Überbleibsel in schon mehrmals umgebauten Häusern. Er scheint alle Innenhöfe im Bezirk Chamowniki zu kennen: Und an jeder Ruine findet er zusammen mit der Gruppe unter abgeschlagenem Fassadenputz Linien der einst zugemauerten Bogenfenster oder Spuren ursprünglicher Schmuckelemente.
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So stoßen die Teilnehmer in Kitaj-Gorod auf ein Haus, in dem Puschkin 1826 seine Tragödie “Boris Godunow” vorlas, und an der Borowizkaja auf die Kremlapotheke aus dem 17. Jahrhundert.
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Gegen die Gleichgültigkeit, wenn der nächste Altbau abgerissen wird “In der letzten Zeit wird großer Wert auf Schallschutzfenster und moderne Standards gelegt. Wir möchten aber, dass Leute durch unsere Spaziergänge wieder Häuser mit Geschichte schätzen. So bleiben sie nicht gleichgültig, wenn der nächste Altbau vor ihren Augen abgerissen wird,” sagt Julia Mesenzewa, die Organisatorin der Führungen und Redakteurin der Internet-Seite.
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Und Interesse scheint bei den Moskauern tatsächlich zu bestehen. Allein innerhalb einer Septemberwoche stieg die Zahl der Interessenten für die Führungen von 150 auf knapp 250, so Mesenzewa.
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Viele Führungen müssen deshalb wiederholt werden, damit alle Angemeldeten sie besuchen können, sagt die Organisatorin. Ein früher Kälteeinbruch sei dabei kein Hindernis, die Saison für Ausflüge innerhalb der Stadt habe ja gerade erst angefangen.
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