|
Die Stadtverwaltung nennt zwar Kabelbrand als Ursache- Aber Wahlleiter Alexander Weschnjakow sprach schon den bösen Verdacht der politischen Brandstiftung aus.
Während die letzten Wahllokale geschlossen wurden, hatte sich das Feuer in dem hölzernen Dachstuhl in Windeseile ausgebreitet. Die Flammen leckten höher als die Kremltürme und die Kuppel über Putins Arbeitszimmer in den Nachthimmel. Der Brand erschütterte die Moskauer nicht nur, weil er eine Fortsetzung der jüngsten Katastrophenserie ist, sondern auch, weil die Manege eines wichtigsten Architekturdenkmäler der Stadt ist.
„Die Manege war ein Symbol für den Wiederaufbau Moskaus nach dem Brand der Hauptstadt 1812 und dem Sieg über Napoleon. Der Brand ist ungeheuerlich“, sagt ein Künstler in der Menge der Schaulustigen.
Um die Brandursache ranken sich bisher nur Spekulationen. Wie Wahlleiter Alexander Weschnjakow widersprach auch Stadtarchitekt Alexej Kusmin der Kurzschlusstheorie: „Das Feuer brach in der Mitte des Saales aus. Dort gibt es keine elektrischen Leitungen.“
Ein politischer Brandstifter hätte jedenfalls – ähnlich wie die Selbstmordattentäterinnen auf dem Manegeplatz im vergangenen Herbst – blossgestellt, dass Putin auch die Lage direkt unter den Kremlzinnen nicht ganz kontrolliert.
Der Grossbrand in der Nacht seines Wahlsieges – direkt neben seinem Amtssitz – stellt Putin unübersehbar vor die Aufgabe, die Katastrophenserie im Lande zu beenden. Er müsste dafür Mafia und Vetternwirtschaft bekämpfen und vor allem Ersatz für die völlig ausgelaugten Altanlagen aller Art im ganzen Land schaffen. Katastrophenschutz in diesem Sinne ist gleichbedeutend mit der Modernisierung des Landes. Und dafür braucht Putin europäisches Geld und Know-how.
(mig/ab/.rufo)
|