Dienstag, 07.02.2012

Flucht vor dem Stau: VIP-Beamte erhalten Hubschrauber

Nichts geht mehr. Die Staus in Moskau sind alltäglich (Foto: Ballin/.rufo)
Moskau. Die Moskauer Stadtverwaltung setzt im Kampf gegen die chronischen Staus auf Hubschrauber. Derzeit werden Pläne diskutiert, Top-Beamte zur Arbeit einzufliegen. Bislang rasten sie immer mit Blaulicht am Stau vorbei.
Die schwarz getönten Edellimousinen mit Blaulicht und Signalhorn sind für Russlands Autofahrer inzwischen ein rotes Tuch. Während für den Konvoi von Präsident Dmitri Medwedew und Premier Wladimir Putin stundenlang wichtige Ausfahrt- und Einfallstraßen gesperrt werden, nehmen sich andere VIP-Fahrzeuge die Vorfahrt selbst. Rücksichtslos drängeln deren Fahrer am Stau vorbei, rasen auf der Gegenfahrbahn und nehmen anderen Fahrzeugen die Vorfahrt.

VIP-Unfälle häufig


Die Diskussion kochte hoch, nachdem der Dienstwagen des Lukoil-Vizechefs Anatoli Barkow auf dem Moskauer Leninski Prospekt mit einen entgegen kommenden Citroen kollidierte. Die beiden Insassen des Kleinwagens wurden bei dem Unfall getötet. Die Polizei erklärte anschließend pauschal die Opfer für schuldig, obwohl Dutzende Zeugen erklärten, das VIP-Fahrzeug sei mit hoher Geschwindigkeit auf der Gegenfahrbahn unterwegs gewesen.

Seither gab es zahlreiche weitere VIP-Unfälle. Zuletzt crashte im Dezember der Dienstwagen des Swerdlowsker Gouverneurs Alexander Mischarin in ein entgegen kommendes Fahrzeug. Dessen Fahrer wurde getötet, Mischarin – früher übrigens mal stellvertretender Verkehrsminister – wurde schwer verletzt.

Hubschrauber für Tiefflieger


Dass die VIP-Fahrzeuge den Verkehr unnötig behindern, haben inzwischen auch das Verkehrsministerium und die Moskauer Stadtverwaltung erkannt. Sie sollen daher zugunsten von Hubschraubern abgeschafft werden, erklärte ein anonymer Sprecher der Stadtregierung.

Dafür ist ein deutlicher Ausbau der Fluginfrastruktur von Moskau und Umgebung nötig. Derzeit gibt es in der russischen Hauptstadt gerade einmal 13 Landeplätze (davon acht in Krankenhäusern) Geplant ist angeblich der Bau von zehn weiteren Hubschrauberlandeplätzen in Moskau und 40 Landeplätzen im Moskauer Gebiet.

Investitionen belaufen sich auf 150 Mio. Euro


Die Investitionen belaufen sich auf sechs Milliarden Rubel (150 Mio. Euro), davon stammen 1,2 Mrd. Rubel (30 Mio. Euro) aus dem Stadtbudget, den Rest soll der föderale Haushalt beisteuern.

Experten kritisieren die Maßnahme als ineffizient. Der Himmel über Moskau wird vom präsidialen Sicherheitsdienst FSO überwacht, die Anzahl der Flüge über der russischen Hauptstadt ist damit eng begrenzt.

„Entsprechend der Verordnung „Über spezielle Licht- und Akustiksignale“ gibt es derzeit in Moskau 887 Fahrzeuge mit Blaulicht. Alle diese Passagiere können nicht auf Hubschrauber umgesetzt werden“, erklärte der Leiter des Luftfahrtanalysezentrums Aviaport Oleg Pantelejew.

Die restriktiven Sicherheitsvorschriften hatten schon ein anderes hochfliegendes Projekt der Moskauer Stadtregierung beerdigt.

Schon vor neun Jahren wurden Pläne publik, Lufttaxis über Moskau kursieren zu lassen, mit denen gut betuchte Bürger schnell von ihren Edelvororten nach Moskau jetten können. Das Projekt wurde damals auf Kosten von rund 400 Mio. USD taxiert.