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| Schwere Technik reißt in der Siedlung Retschnik die Häuser ab (Foto: TV) | |
Dienstag, 26.01.2010
Häuserkampf in Moskau: Bulldozer gegen Bürger
Moskau. Um die Moskauer Kleinhaussiedlung „Retschnik“ ist ein handfester Konflikt entbrannt. Miliz und schwere Technik gehen gegen die Bewohner vor, die ihre Häuser bei klirrender Kälte gegen den Abriss verteidigen.
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Die Siedlung „Retschnik“ wurde in den 50er Jahren von Mitarbeitern der staatlichen Fluss-Schifffahrt gegründet – direkt am Ufer der Moskwa. 1985 wurde eine Gartensiedlung daraus. 1998 wurde das Gebiet der Naturschutzzone „Moskworezki“ zugeschlagen. In der Zone ist das Bauen von Häusern, abgesehen von Gartenlauben, verboten.
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Cottages verboten, Vieretagenhäuser rechtens Doch natürlich stehen in Retschnik Häuser. Es sind Einfamilienhäuser, nicht die Vier-Etagen-Häuser der Elite-Nachbarsiedlung „Insel der Phantasien“, die die Stadtregierung für rechtens hält – obwohl sie ebenfalls im Naturschutzpark errichtet wurde.
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Und so gibt es seit Jahren einen Rechtsstreit um die Siedlung „Retschnik“. Nun hat ein Moskauer Gericht den Klagen der Moskauer Staatsanwaltschaft stattgegeben und die Moskauer Stadtverwaltung hat die Bulldozer in Bewegung gesetzt. Geschützt wird die schwere Technik von der Moskauer Polizei.
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Kein Vertrauen in „Umweltschützer“ Luschkow Die Bewohner von Retschnik glauben nicht an die Liebe zur Umwelt von Moskaus Oberbürgermeister Juri Luschkow. Eben jener Luschkow, der vorschlägt, Schnee- und Regenwolken von der Luftwaffe mit chemischen Reagenzien zerschießen zu lassen und die Ströme Sibiriens nach Mittelasien umzuleiten. Sie glauben wirklich nicht an seine Umweltfreundlichkeit.
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Stattdessen vermuten sie, dass es um lukratives Bauland gehe. Der Hektar Land kostet dort drei Millionen Dollar, heißt es. Ein Haus kostet sogar etwa elf Millionen Dollar, hat der Präfekt von West-Moskau Juri Alpatow errechnet. Nebenbei: Luschkows Ehefrau, Milliardärin Jelena Baturina ist Besitzerin des Baukonzerns Inteko.
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Bulldozer zerstören die Siedlung Seit letzter Woche sind die Bulldozer im Einsatz. Die ersten Häuser wurden schon zerstört, die Bewohner auf die Straße gesetzt, trotz Schnee und Eis. Auch heute sind die schweren Maschinen wieder im Einsatz. Am Morgen wurde ein halbfertiges Haus abgerissen.
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Doch die Bewohner wehren sich. Sie verbarrikadieren sich in ihren Häusern, versperren den Bulldozern die Straße und haben die Presse um Hilfe gerufen. Einige gehen sogar noch weiter: Alexander Morosow, ein ehemaliger Armeeberichterstatter, erklärte im russischen Fernsehen, dass er sich selbst anzünden werde, wenn sein Haus angetastet werde.
Selbstverbrennung angedroht „Ich kann sowieso nirgendwohin, wenn mein Haus abgerissen wird. Ich habe für mich entschieden, dass ich mich, dann mit Benzin übergieße und verbrenne“, sagte er dem Sender Ren-TV.
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Bisher hat selbst die Kritik der Medien das Vorgehen der Gerichtsvollzieher kaum hemmen können. Luschkow hat Erfahrung im Wegräumen renitenter Bürger. 2006 ließ er die Holzbausiedlung „Juschnoje Butowo“ nach ihrer Eingemeindung nach Moskau abreißen, um dort eine Hochhaussiedlung hinzustellen.
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Die Bewohner der Siedlung bezeichnete er als „gierig“. Sie spekulierten nur auf eine hohe Abfindung und behinderten den Bau billiger Sozialwohnungen, wetterte der Stadtvater. Nun sind die Bewohner von Retschnik Umweltsünder.
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Warten auf Putin Und trotzdem hoffen die Einwohner der Moskwa-Siedlung noch auf ein Wunder. Vielleicht kommt ja Premier Wladimir Putin vorbei, hofft ein Anwohner. Immerhin habe er auch das Städtchen Pikaljowo gerettet.
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„Ohne Putin geht hier nichts“, sagt auch Morosow. Doch bisher hat sich der Premier nicht blicken lassen. Dabei fährt er jeden Tag die Strecke entlang – von seinem Haus an der Rubljowka, einem Villenvorort von Moskau, bis ins Weiße Haus, dem Regierungssitz im Zentrum Moskaus.
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