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Die Zaren haben es vorgemacht: Peter der Große liebte seine Villa Monplaisir als Wohnung - und repräsentierte nebenan im prunkvollen Peterhof  (Foto: ld/.rufo)
Die Zaren haben es vorgemacht: Peter der Große liebte seine Villa Monplaisir als Wohnung - und repräsentierte nebenan im prunkvollen Peterhof (Foto: ld/.rufo)
Donnerstag, 23.06.2011

Hauptstadt-Auszug: Erste Standorte werden erörtert

Moskau. Mit seiner Idee eines Umzugs von Hauptstadt-Instanzen ins Moskauer Umland hat Präsident Medwedew Planer und Beamte aufgescheucht: Erste Standorte für einen Regierungssitz im Grünen werden geprüft.


Dmitri Medwedew sagte auf dem Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg nur ein paar Sätze über eine geografische Strukturreform in der Hauptstadtzone – aber wie in Russland üblich, werden derartige Überlegungen von höchster Stelle weiter unten gleich als Handlungsanweisungen verstanden. Zumal Medwedew auch die Kremladministration und die moskauer Stadtverwaltung anwies, Konzepte zu erarbeiten.

Bei der Regierung des Moskauer Gebietes hat man jedenfalls schon drei potentielle Standorte für eine Verwaltungs-Trabantenstadt ausgeguckt, die nun auf ihre Vor- und Nachteile abgeklopft werden – und intern sicher auch auf die damit verbundenen Interessen und Geschäftsmöglichkeiten für einflussreiche Leute.

Medwedew: Moskau ausdehnen, aber Zentrum entlasten


Medwedew hatte davon gesprochen, die administrativen Grenzen der Stadt Moskau auszudehnen - was natürlicherweise auf Kosten des bislang von der Metropole politisch selbstständigen umliegenden Moskauer Gebietes gehen würde.

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Außerdem sollten zentrale Verwaltungseinrichtungen – also staatliche Behörden, Ministerien, vielleicht auch die Regierung und das Parlament – aus den Innenstadtbezirken „aus Moskau heraus verlegt“ werden.

Dies würde, so Medwedew, das Stadtzentrum einerseits entlasten, andererseits auch Platz schaffen für die Moskau gerne zugeschriebene Rolle als ein neues Weltfinanzzentrum.

Auch sprach der Präsident nebulös davon, einen „hauptstädtischen Föderationskreis“ in der russischen Kernregion einzurichten. Dies wäre die einzige Maßnahme, die Medwedew einfach per Ukas selbst umsetzen könnte, denn der Zuschnitt der Amtsbezirke der „Generalgouverneure“ ist Sache der Präsidentenverwaltung, der sie angehören. Gegenwärtig gehören Moskau und sein Umland noch um Föderationskreis Zentralrussland, der von Twer bis Woronesch reicht.

Kandidat 1: Militärgelände bei Swenigorod


Nach einem heutigen Bericht der Zeitung „Kommersant“ hat eine Arbeitsgruppe der Moskauer Gebietsregierung bisher nur einen ersten Standort näher begutachtet: Es handelt sich dabei um ehemaliges Militärareal zwischen Swenigorod und Istra, etwa 30 Kilometer westlich der Moskauer Ringautobahn MKAD gelegen. Das Verteidigungsministerium verfügt hier über 30.000 Hektar, die früher als Truppenübungsplätze genutzt wurden.

Diese Gegend gehört heute allerdings zu einem weitläufigen Naturpark-Areal, das nach den bisherigen Flächennutzungsplänen des Gebietes für Naturschutz- und Erholungszwecke reserviert war. Selbst bei den Planungen für eine den Ballungsraum Moskau weitläufig umgehende zweite Ringautobahn wurde es verschont und die Trasse in diesem Bereich um 30 bis 40 Kilometer weiter nach außen verlegt.

Territorium Nr.2: Sberbank-Gelände am MKAD


Als zweite Standortvariante betrachtet man ein 430 Hektar großes Gebiet im Bereich Rubljowo-Archangelskoje, ebenfalls westlich von Moskau, aber nur drei Kilometer jenseits der Ringautobahn.

Hier wollte ursprünglich der Multimilliardär Suleiman Karimow eine „Millionärsstadt“ für 30.000 begüterte Menschen errichten, doch die Krise stoppte das ambitionierte Projekt – und er verkaufte es für satte 5,3 Mrd. Dollar. Gegenwärtig, so die Zeitung, kontrolliert die mehrheitlich staatliche Sberbank zu 60 Prozent das Areal, auf dem bislang noch nichts gebaut wurde.

Drittes Gelände: Südlich von Domodedowo


Der dritte Vorschlag betrifft ein Areal etwa 40 Kilometer südlich der Ringautobahn im Bereich von Barybino, wo 18.000 Hektar Land von drei ehemaligen Landwirtschaftsbetrieben zur Verfügung stehen.

Auch hier wollte ein Privatunternehmen, der Developer Coalco, ursprünglich Teile seines Mammutprojektes „Groß-Domodedowo“ unterbringen, das eines Tages 1,5 Milliionen Menschen Wohnraum in neuen Satellitensiedlungen mit bevorzugt niedriger Bebauung bieten sollte.

Gute Verkehrsanbindung per Luft, Schiene und Strasse


Bei allen drei Standorten gibt es eine relative Nähe zu Flughäfen (Moskau-Domodedowo oder Moskau-Kubinka) und nicht weit entfernte Bahnlinien, die allerdings stark ausbaubedürftig wären.

Kubinka war der wichtigste Militärflughafen im Westen Moskaus, an der Fernstrasse nach Minsk gelegen. Es gab bereits einige Projekte, Kubinka als neuen zivilen Großflughafen für Moskau auszubauen. Er sollte Moskau-Scheremetjewo ersetzen oder ergänzen, weil dort die nötige Verlängerung der Rollbahnen sehr problematisch ist.

Eine gute Verkehrsanbindung – sowohl durch die Luft als auch auf der Schiene – soll jedenfalls ein Schlüsselkriterium bei der Auswahl des Bauplatzes für die neue Regierungs-Stadt werden.

Ohne Planungsvorgaben keine Entscheidung


Professionelle Stadtplaner sind momentan aber noch vorsichtig mit ihren Urteilen: Gegenwärtig sei es noch unverständlich, was der Staat im Moskauer Umland eigentlich machen will – nur ein Behördenzentrum errichten oder auch Ministerien auslagern, so Andrej Tschernichow, Vizepräsident der Internationalen Architektur-Akademie. Erst wenn eine genau formulierte Aufgabe vorliege, könne man auch professionell die Eignung des einen oder anderen Geländes beurteilen.

Warnungen vor einem Luxus-Ghetto für Beamte


Allerdings warnt Tschernichow schon davor, eine reine Beamten-Trabantenstadt zu errichten: Dies würde eine „tote Stadt“ werden.

Auch Michail Seslawinski, der Chef der staatlichen Massenmedien-Agentur, wünscht sich kein schniekes Beamten-Ghetto im Grünen: „Dies verursacht nichts als Ärger bei der Bevölkerung wie auch bei den ausgesiedelten Staatsdienern“, sagte er dem „Kommersant“.



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