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Der Abriss des Hotels Moskwa begann im Herbst 2003 (Foto: Siegmund/.rufo)
Der Abriss des Hotels Moskwa begann im Herbst 2003 (Foto: Siegmund/.rufo)
Montag, 11.07.2005

Hotel Moskwa – Sprengstofflager und Four Seasons

Moskau. Das Hotel „Moskwa“ steht wieder in den Schlagzeilen: Bauarbeiter haben beim Abriss des Fundaments über einer Tonne TNT unter dem abgerissenen Gebäude gefunden.

Alarmstufe Rot beim Moskauer Bombendezernat am Sonntag Abend: Arbeiter, die mit dem Abriss des Hotels „Moskwa“ beschäftigt sind, fanden unter dem Fundament unzählige Kisten „suspekten Inhaltes“, der an Sprengstoff erinnere.

Das eingetroffene Expertenteam identifizierten den Inhalt der Kisten als TNT. Allerdings handelt es sich nicht um ein modernes Sprengstofflager terroristischer Organisationen, wie man zunächst annehmen könnte. Dazu sei das TNT zu alt, verrottet und bereits in seine Einzelkomponenten zerfallen, hieß es. Der Besitzer des Sprengstoffes sei vermutlich eine viel einflußreichere Organisation.

Als die Deutschen 1941 vor Moskau standen...

...kam von ganz oben der Befehl, alle strategisch wichtigen Gebäude Moskaus zu verminen. Für den Fall, dass die Wehrmacht Moskau eingenommen hätte, wären die Errungenschaften stalinistischer Architektur zu Massengräbern für deutsche Soldaten geworden. Da Moskau vor der Einnahme verschont wurdet, tat es nicht Not, das Luxushotel in Schutt und Asche zu legen.

Das ist jedenfalls die offizielle Polizei-Erklärung für die TNT-Vorkommen unter dem Fundament des „Moskwa“. Warum der Sprengstoff hinterher nicht wieder entfernt worden ist, weiß so richtig niemand. Eine Erklärung ist, dass alle, die damals an der Bombenleger-Aktion beteiligt waren, später im Gefecht um Moskau gefallen sein könnten. Sprich, es habe einfach niemand mehr gewusst, dass unter dem „Moskwa“ Unmengen TNT lagern.

Gegen diese Version spricht jedoch die Tatsache, dass die 1.160 Kilogramm Sprengstoff ohne Zünder gelagert wurden. Von Außen hätte also niemand ein Inferno auslösen können. Zum anderen befanden sich die 58 TNT-Kisten zwischen der ersten und der zweiten Fundamentsschicht – „sie da rein zu bekommen ist sehr sehr schwer“, schreibt hierzu die „Gaseta“. Die Zeitung stellt Mutmaßungen an, dass das TNT bereits beim Bau des Hotels dorthin gebracht werden könnte. Auf das „wozu“ gibt sie jedoch keine Antwort.

Inzwischen wurde der Sprengstoff abtransportiert und vernichtet. Für die 100 Meter entfernten Kreml-Mauern besteht somit keine Gefahr mehr.

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Besser spät als nie

Das Hotel „Moskwa“, das den Zweiten Weltkrieg gut überstand, wird seit dem 15. September 2003 abgerissen: Die Luxusunterkunft für 600 Personen war zuvor für unsanierbar und abbruchreif erklärt worden. An den Fayence-WCs und Messing-Kronleuchtern, die seit der Hotel-Eröffnung am 20. Dezember 1935 permanent im Einsatz waren, hatte schon stark der Zahn der Zeit genagt.

Unzählige Duskussionen darüber, was aus dem ersten und besten Hotel der Sowjetunion werden sollte – ein weiterer freier Platz im Herzen Moskaus oder doch ein aus modernen Baustoffen originalgetreu nachgebautes neues „Moskwa“ wurden erst kürzlich endgültig beendet.

Das sozialistische Moskwa wird kapitalistisch

Josif Ordschinikidse, Vize-Bürgermeister und Chef des Bauunternehmens DekMos-AG, das mit dem Abriss des Hotels beschäftigt ist, gab bekannt, dass die Stadtväter mit der Kette „Four Seasons Hotels Inc.“ einen Vertrag unterzeichnet hätten.

Der Beschluss, was aus dem „Moskwa“ wird, habe laut Wedomosti so lange gedauert, weil sich Beteiligten – das „Four Seasons“-Management und die Moskauer Stadtregierung – nicht einigen konnten. Die DekMos-AG wollte ein Hotel mit 1.000 Zimmern für insgesamt 1.500 Personen (immerhin habe sich die nutzbare Fläche der „Moskwa“-Nachbildung nach der Rationalisierungskur von 97.000 Quadrameter auf 190.000 Quadratmeter fast verdoppelt). Dagegen setzte die „Four Seasons“-Führung auf Klasse statt Masse und forderte ein 200-Suiten-Etablissement mit fünf Sternen und jedem erdenklichen Luxus wie Sportclub und mehreren Restaurants.

Jetzt haben alle beteiligten Seiten einen Konsens gefunden. Demnach wird das Hotel 300 Zimmer haben. Den Rest des Gebäudes füllen Appartements, die dauerhaft an Geschäftsleute aus dem Ausland vermietet werden sollen. Um Mietersuche wird sich voraussichtlich auch das „Four Seasons“-Management kümmern.

Die Einigung kommt nicht zu früh, denn laut Vertrag soll das Luxus-Hotel schon im September 2006 seine Pforten öffnen. In diesem November soll das endgültige Bauprojekt vorgelegt werden. Also noch gut ein Jahr Zeit, um das „Four Seasons“-Siegel in den Sand des letzten vergoldeten Hotelaschenbechers zu drücken.

(ali/.rufo)


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